Ein Terminal für Flüssigerdgas-Importe (LNG) soll nach den Worten von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schneller in Deutschland gebaut werden als bisher geplant. Es sei wichtig, die Versorgung Deutschlands und Europas mit Energie breiter aufzustellen, sagte Merkel bei Regierungsberatungen mit dem polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki am Freitag (2. November) in Warschau.
Die USA wollen mehr Flüssigerdgas nach Europa importieren. Das US-Flüssigerdgas gilt aber bisher noch als zu teuer und nicht wettbewerbsfähig. Und Europa ist bereits gut mit Erdgas versorgt, vor allem aus Russland.
Ukraine soll weiter Transitland bleiben
Außerdem hätten Deutschland und Polen das gemeinsame Ziel, dass die Ukraine weiterhin Transitland für russisches Gas bleibe, weil dies auch eine Sicherheitskomponente für das Land darstelle, sagte Merkel weiter. Umstritten zwischen Deutschland und Polen ist allerdings das Pipeline-Projekt Nord Stream 2, das Gas direkt aus Russland über die Ostsee nach Deutschland führt. Polen fühlt sich dabei übergangen.
Das Thema LNG-Terminal hat Ende Oktober an Fahrt aufgenommen, nachdem Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, die Bundesregierung werde den Import von LNG unterstützen. So werden derzeit Finanzierungsoptionen geprüft. Eine bessere Versorgung mit LNG aus den USA war auch Thema eines Besuches von EU-Präsident Jean-Claude Juncker bei US-Präsident Donald Trump im Juli. Doch das Problem: Der Preis müsse stimmen. Bislang ist LNG noch zu teuer im Vergleich zu Gas aus Russland.
Mehrere Standorte bewerben sich um das Terminal
In Deutschland bewerben sich nun mehrere Standorte um solch ein LNG-Terminal. Der Elbehafen Brunsbüttel in Schleswig-Holstein soll nach Plänen von Gasunie, Oiltanking und Vopak einmal ein LNG-Terminal beherbergen. Eine finale Investitionsentscheidung ist noch nicht getroffen. RWE hat bereits mit dem Betreiber German LNG Terminal einen Kapazitätsvertrag geschlossen. Das Land Niedersachsen und sein Umwelt- und Energieminister Olaf Lies plädieren eher für ein LNG-Terminal in Wilhelmshaven. Dort wollte Eon schon 2008 ein solches Terminal bauen. In Stade will der Chemiegiganten Dow Chemical ein Import-Terminal errichten – mit Unterstützung der USA-Regierung. Und in Rostock ist der russische Energieriese Novatek bereits am Aufbau eines kleines LNG-Terminals beteiligt.
Diese Aktionen werden aber nicht von allen als positiv eingeschätzt. Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, warnt vor dem Einsatz von Steuergeldern für LNG-Terminals. "Zusätzliche Infrastruktur für LNG wird sich angesichts der notwendigen Abkehr von fossilen Energieträgern nicht rechnen, zumal insbesondere LNG-Terminals in Europa ohnehin bei Weitem nicht ausgelastet sind", so die Politikerin. Sie weist daraufhin, dass aus Öko-Strom hergestelltes synthetisches Methan oder Wasserstoff künftig einen Teil des fossilen Erdgases ablösen werde. "Für diese Technologieentwicklung brauchen wir passende politische Rahmenbedingungen." (dpa/al)
