Zumindest bis zum 21. Juli soll wegen Wartungsarbeiten kein Gas mehr durch die Ostseepipeline Nord Stream fließen.

Zumindest bis zum 21. Juli soll wegen Wartungsarbeiten kein Gas mehr durch die Ostseepipeline Nord Stream fließen.

Bild: © Jens Büttner/dpa

Gemischte Stimmungslage am ersten Tag der Wartungsarbeiten an der Ostseepipeline Nord Stream 1. Wie lange angekündigt sanken die Gasimporte am Anlandepunkt Lubmin am Montagmorgen auf null Prozent. Zugleich meldete die Bundesnetzagentur, dass die Gasflusslage insgesamt stabil sei, die Netzbetreiber keine Störungen gemeldet hätten.

Tatsächlich wurden am slowakisch-ukrainischen Grenzpunkt Velke Kapusany Stand Montagnachmittag Gasflüsse von rund 400 GWh pro Tag registriert, was in etwa den Vortagesmengen entsprach. Über die durch Polen laufende Jamal-Pipeline fließt dagegen seit Wochen kein Gas mehr.

Gaspreise bleiben konstant

Die Gaspreise im Großhandel blieben weitgehend konstant. Wie zum Ausklang der vorigen Woche wurde auch am Montag 1 MWh für rund 175 Euro gehandelt (TTF, Liefermonat August).

Noch am Donnerstag waren Preise von fast 200 Euro pro MWh aufgerufen worden. Vor der Energiekrise waren Preise von 20 Euro pro MWh üblich gewesen.

Lieferkürzungen in Österreich und Italien

Ernüchternde Nachrichten kamen aus Österreich und Italien, die noch immer zu großen Teilen von russischem Gas abhängig sind. Der österreichische Energiekonzern OMV teilte mit, dass dass er mit einem Minus von 70 Prozent im Vergleich zur bestellten Menge rechne. Schon in den vergangenen Wochen hatte die OMV teils erheblich weniger Gas als geordert aus Russland bekommen.

Der italienische Energiekonzern Eni meldete, dass Gazprom seine Liefermengen nach Italien im Vergleich zu den Vortagen um ein Drittel kürzen werde. Eni hatte infolge der Gasdrosselungen über Nord Stream 1 bereits von Mitte Juni an weniger Gas als bestellt erhalten.

Auffülljagd in Rehden und Wolfersberg

Tagesaktuelle Daten zum durchschnittlichen Speicherfüllstand in Deutschland lagen am Montagnachmittag nicht vor. Stand Samstag waren die Speicher zu 64 Prozent voll gewesen. Damit liegen die Füllstände weiterhin unter dem historischen Mittelwert.

Die Auffülljagd in Deutschlands größtem Speicher im niedersächsischen Rehden dauert derweil an. Der Füllstand dort Stand Montagmorgen: 28 Prozent. Auch der zweite Sorgenspeicher im bayerischen Wolfersberg wird Tag für Tag voller. Der Füllstand dort betrug am Samstag 20 Prozent.

Einspeicherungen in Uniper-Speicher

Damit ist der in Sachsen-Anhalt gelegene Katharina-Speicher, der von einem Joint Venture von VNG und Gazprom Export betrieben wird, neues Schlusslicht. Dieses Jahr wurde dort noch überhaupt kein Gas eingelagert. Entsprechend beträgt der Füllstand seit Wochen lediglich 19,5 Prozent.

Kräftig eingespeichert wurde dagegen zuletzt insbesondere in die bayerischen Uniper-Speicher Bierwang und Breitbrunn. Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach hatte am Freitag gewarnt, dass sein Unternehmen möglicherweise schon diese Woche gezwungen sei, wieder auszuspeichern, um seine Lieferverpflichtungen zu erfüllen.

Unterschiedliche Signale aus Moskau

Stand jetzt sollen die Wartungsarbeiten an Nord Stream 1 zehn Tage dauern und am 21. Juli beendet sein. Große Unsicherheit herrscht darüber, ob Russland die Pipeline danach überhaupt wieder mit Gas befüllt.

Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, ortete unterschiedliche Signale aus Moskau. Auf der einen Seite gebe es Aussagen von Kreml-Sprechern, man könne in Kombination mit der zugesagten Lieferung der Turbine wieder wesentlich mehr Gas liefern, sagte er im ZDF-Morgenmagazin.

"Ehrlich gesagt, weiß es keiner"

Auf der anderen Seite habe es auch sehr martialische Ansagen gegeben. "Ehrlich gesagt: Es weiß keiner", bilanzierte er. Wenn Russland die Gaslieferungen im schlimmsten Fall auch nach der Wartung durch Nord Stream 1 stoppe, gebe es mehrere Szenarien, in denen Deutschland in eine Gas-Notlage rutsche.

Bereits am Wochenende hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck im gleichen Sender vor einem "Albtraum-Szenario" gewarnt, sollte es zu einer Gasunterversorgung kommen. "Das wird Deutschland vor eine Zerreißprobe stellen, die wir lange so nicht hatten", sagte er. "Das wird die gesellschaftliche Solidarität bis an die Grenze und wahrscheinlich darüber hinaus strapazieren." (aba/dpa)

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