Harald Stindl, Geschäftsführer der Gas Connect Austria; Peter Weinelt, Obmann des Fachverbands Gas Wärme (FGW) und Generaldirektor-Stellvertreter der Wiener Stadtwerke; Michael Haselauer, Präsident der Österreichischen Vereinigung für das Gas-und Wasserfach (ÖVGW) und Markus Mitteregger, CEO der RAG Austria AG (v.l.n.r.)

Harald Stindl, Geschäftsführer der Gas Connect Austria; Peter Weinelt, Obmann des Fachverbands Gas Wärme (FGW) und Generaldirektor-Stellvertreter der Wiener Stadtwerke; Michael Haselauer, Präsident der Österreichischen Vereinigung für das Gas-und Wasserfach (ÖVGW) und Markus Mitteregger, CEO der RAG Austria AG (v.l.n.r.)

Bild: © FGW

Österreichs Gaswirtschaft hat einen Transformationspfad für die Energiewende mit grünem Gas vorgelegt. „Unser Zeitplan für die Umstellung der Gasinfrastruktur von fossilem auf grünes Gas ist fix“, erläutert Peter Weinelt, Obmann des Fachverbands Gas Wärme (FGW) und Generaldirektor-Stellvertreter der Wiener Stadtwerke, in einer Pressemitteilung. Es gebe einen klaren, kundenfreundlichen Plan, den man auch schaffen könne, wenn denn die Rahmenbedingungen stimmen.

 

Damit die Energiewende hin zu nachhaltigen grünen Gasen technisch reibungslos gelingt, hat die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) laut der Mitteilung rund zwei Dutzend Studien in Auftrag gegeben und ist strategische Forschungs-Partnerschaften mit deutschen Gasverbänden wie dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) eingegangen. Das Ergebnis: Grüne Gase seien eine wichtige Säule im bestehenden wie auch künftigen Energiemix.

Kundenfreundlich soll es sein

In den bisherigen Studien geht es um Grundlagen für die Umstellung, wie etwa das Brennverhalten der neuen Gase, die Werkstoffverträglichkeit der Bestandsnetze gegenüber Wasserstoff oder auch neue Möglichkeiten zur Erzeugung grüner Gase. Zudem wurde die Energiedichte gemessen oder untersucht, wie Wasserstoff abgerechnet werden wird. „Am Ende werden die Kunden nichts merken, wenn sie mit mehr Wasserstoff ihre Gasheizung betreiben oder Warmwasser aufbereiten“, ist Michael Haselauer, Präsident der ÖVGW. überzeugt.

Die Energiewende mit Gas werde schrittweise kommen. Laufend sollen die eingespeisten Mengen an erneuerbaren Gasen und Wasserstoff angehoben werden. Aktuell können bis zu zehn Prozent Wasserstoff im Gasnetz ohne technische Probleme beigemischt werden. Bestehende Gasendgeräte verarbeiten das Gasgemisch einwandfrei. Gleiches gelte natürlich auch für Anwendungen in der Industrie oder bei der Stromerzeugung.

Auf Importe angewiesen

Österreichs Potenzial an Biomethan und Wasserstoff werde für den 100-prozentigen Ersatz von fossilem Gas nicht ausreichen. Aufgrund der vorhandenen Infrastruktur, insbesondere der Gasdrehscheibe Baumgarten, sowie der geographischen und geopolitischen Lage habe Österreich beste Voraussetzungen, um grüne Gase zu importieren, heißt es in der Mitteilung weiter.

Aktuell treibt die RAG Austria AG ein konkretes Wasserstoff-Projekt gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern voran: Wasserstoff aus Sonne und Wind soll künftig in der Ukraine hergestellt und für den saisonalen Bedarf in Österreich und Bayern gespeichert werden. Ein Projekt, das laut Markus Mitteregger, CEO der RAG Austria AG, für die zukünftige Sicherung der Energieversorgung in Europa unabdingbar ist. Nur so werde das ganze Jahr über ausreichend grüne Energie für Strom, Wärme, die Industrie und Mobilität zur Verfügung stehen.

Transport via Pipelines

Wasserstoff aus der Ukraine und anderen Ländern werde nicht auf der Straße befördert, sondern gelange in den bestehenden Gaspipelines nach Mitteleuropa. In Österreich wird die Gas Connect Austria Wasserstoff über die West-Austria oder die Penta-West Gasleitung transportieren.

Fachverbandsobmann Peter Weinelt fordert nicht nur eine Strom-, sondern auch eine Gaswende. Die heimische Gaswirtschaft sei bereit, sofort mit der Umstellung der Gasversorgung zu beginnen. „Was wir jetzt brauchen, sind Anreize zur Förderung von Grünem Gas, also Biomethan und Wasserstoff. Hingegen bremsen Technologieverbote die Weiterentwicklung von Grünem Gas und Innovationen“, so der Obmann weiter.

Flexible Beimischung von H2

Ein wichtiger Faktor beim schrittweisen Ausstieg aus fossilem Gas und gleichzeitigem Umstieg auf grünes Gas: die klimaneutrale Gasinfrastruktur mit mehr als 45.000 Kilometer Gasleitungen auf dem gesamten Bundesgebiet. „Gerade für den Anlauf des Wasserstoffmarkts braucht Österreich die flexible Beimengung von Wasserstoff im Gasnetz“, so Weinelt.

So sieht der Zeitplan für die Umstellung des Gasnetzes aus:

2021

•  Einsatz von für Wasserstoff geeigneten Komponenten bei Routine-Tausch
•  Anpassung des Netzes an künftigen Wasserstoff-Transport
•  Sukzessiver Ersatz von Erdgas durch Grünes Gas

2021/2022

•  Evaluierung der Wasserstoffverträglichkeit des bestehenden Gasnetzes
•  Ermittlung von optimalen Einspeisepunkten ins Gasnetz für Biomethan und Wasserstoff

Bis 2040

•  Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur und Anschluss an das europäische Wasserstoff-Fernleitungsnetz (H2-Backbone)

2040

•  Gasinfrastruktur garantiert eine hundertprozentige klimaneutrale Energieversorgung mit Wasserstoff und anderen Grünen Gasen (amo)

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