Russlands Ankündigung, Zahlungen für Gaslieferungen von "unfreundlichen" Staaten wie Deutschland nur noch in Rubel zu akzeptieren, hat die Nervosität am Gasmarkt erhöht.
Offiziell wollte sich keiner der großen deutschen Gaskonzerne äußern, wie er mit der neuen Lage umgehen werde. Die österreichische OMV hatte tags zuvor bereits verbreiten lassen, dass sie weiterhin in Euro und nicht in Rubel zahlen wolle. "Wir haben keine andere Vertragsgrundlage, ich dürfte so etwas gar nicht", richtete Generaldirektor Alfred Stern aus. Aus Kreisen der Energiehandelsbranche hieß es, dass die Anweisung Putins derzeit nicht als problematisch angesehen werde.
Gaspreise steigen
Die Gaspreise für den Liefermonat April starteten am Donnerstagmorgen bei 109 Euro pro MWh und gingen zwischenzeitlich auf fast 128 Euro hoch, ehe sie sich wieder der 120-Euro-Marke näherten. Fundamental änderte sich wenig. Die russischen Gasflüsse zeigten sich stabil. Die deutschen Gasspeicherfüllstände verharrten zuletzt bei knapp 25 Prozent.
Mit Spannung blickten Marktteilnehmer auf Brüssel, wo US-Präsident Joe Biden zu Beratungen mit G7, Nato und EU eintraf. Zur Debatte standen mögliche weitere Maßnahmen gegen Russland vor allem im Energiesektor.
"Kostenexplosion für Mittelstand"
In der französischen Hauptstadt entschieden sich währenddessen die Mitgliedsländer der Internationalen Energie-Agentur (IEA) dazu, russische Öl- und Gasimporte radikal zu reduzieren. Alle Länder hätten dazu Schritte entwickelt, sagte IEA-Direktor Fatih Birol nach einem zweitägigen Treffen der Energie- und Klimaminister von mehr als 40 Ländern.
Alarmiert zeigen sich zunehmend deutsche Unternehmen. "Kostenexplosion für den Mittelstand", titelte der Verband der Energie-Abnehmer (VEA) in einer Pressemitteilung. "Gaspreise mehr als verdoppelt".
BDEW besorgt
Demnach seien die Gaspreise in jedem der 50 Netzgebiete Deutschlands innerhalb der vergangenen sechs Monate um mehr als das Zweifache gestiegen. "Industrieunternehmen haben es [außerdem] zunehmend schwerer, überhaupt Lieferverträge zu erhalten", teilte VEA-Hauptgeschäftsführer Volker Stuke mit. "Das gefährdet Produktionsabläufe insbesondere von mittelständischen Unternehmen."
Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) schlug Alarm. Er forderte die Bundesregierung auf, die Frühwarnstufe im nationalen Notfallplan Gas auszurufen. Es lägen konkrete und ernstzunehmende Hinweise vor, dass Deutschland in eine Verschlechterung der Gasversorgungslage komme. (aba/dpa)



