LNG-Schiffe dürften bald auch in Deutschland mehrere Möglichkeiten haben, Gas abzusetzen.

LNG-Schiffe dürften bald auch in Deutschland mehrere Möglichkeiten haben, Gas abzusetzen.

Bild: © Wojciech Wrzesien/AdobeStock

Während russisches Pipelinegas nach Europa in den vergangenen Monaten auf immer neue Tiefstände gefallen ist, sind die LNG-Exporte des Landes in die Europäische Union im Vergleich zum Vorjahreszeitraum offenbar stark gestiegen. Dies meldet der Branchendienst Montel, der Schiffsdaten der französischen Analysefirma Kpler ausgewertet hat.

Demnach importierte Europa in den ersten neuen Monaten des Jahres 21 Prozent mehr russisches Flüssigerdgas als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt waren es 15,5 Mrd. Kubikmeter. Auch im Oktober dürften es zehn Prozent mehr sein als im Vorjahresmonat. Laut Branchendienst handelt es sich dabei um neue Rekordwerte.

Ukraine-Route und Turkstream noch in Betrieb

Die Europäische Union hat es bislang vermieden, russisches Erdgas zu sanktionieren. Es war vielmehr Russland selbst, das seine Lieferungen über die Pipelines Jamal und Nord Stream aussetzte. Staatskonzern Gazprom begründete dies zum einen mit ausbleibenden Rubelzahlungen und zum anderen mit angeblichen Wartungsarbeiten.

Weiterhin fließt über die Ukraine-Route russisches Gas nach Europa. Zuletzt wurden am slowakischen Grenzpunkt Velke Kapusany noch knapp 350 GWh pro Tag registriert – mehr als zehn Prozent weniger als in den Monaten zuvor. Ferner versorgt Russland Teile Südosteuropas über die Leitung Turkstream mit Pipelinegas.

Frankreich und Spanien Hauptabnehmer

Nach Montel-Angaben war mehr als ein Drittel russischen Flüssigerdgases in die EU für Frankreich bestimmt. Danach kamen Spanien, die Niederlande und Belgien, die ebenfalls "erhebliche Mengen" erhalten hätten. Deutschland hat dagegen bislang noch kein eigenes LNG-Terminal in Betrieb und taucht in dieser Statistik deshalb zwangsläufig nicht auf.

Für Spanien veröffentlicht Fernleitungsnetzbetreiber Enagas monatlich neue Zahlen. Demnach stammten von Januar bis September rund elf Prozent des nachgefragten Erdgases aus Russland. Im September waren es sogar 15 Prozent. Zur Einordnung: In den ersten neun Monaten 2021 deckte russisches LNG neun Prozent des spanischen Erdgasbedarfs ab, im September 2021 null Prozent.

Russisches LNG wohl weiter begehrt

In absoluten Zahlen fällt der Unterschied deutlicher aus. Während Spanien in den ersten drei Quartalen 2021 rund 27 TWh aus Russland importierte, waren es nun etwa 38 TWh – ein Plus von mehr als 40 Prozent. Bislang ist Russland in diesem Jahr hinter den USA und Algerien drittgrößter Gaslieferant Spaniens. Im vergangenen Jahr lag das Land auf Rang vier.

Von Montel befragte Analysten gehen davon aus, dass Europa im Winter weiterhin "robuste russische LNG-Lieferungen" erhalten werde. Ein EU-Verbot von russischem Erdgas halten sie wegen der prekären Versorgungssituation für unwahrscheinlich. (aba)

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