Noch während ihres Besuchs in der Ukraine kamen neue Hiobsbotschaften aus Russland: (von links) Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Italiens Ministerpräsident Mario Draghi und Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz.

Noch während ihres Besuchs in der Ukraine kamen neue Hiobsbotschaften aus Russland: (von links) Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Italiens Ministerpräsident Mario Draghi und Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz.

Bild: © Jesco Denzel/Bundesregierung/dpa

Die Lage ist "angespannt". Was die Gasversorgung betrifft, sagen das nicht mehr nur Marktexperten, sondern seit Freitag auch die Bundesnetzagentur. Der Grund für die Neubewertung der Situation: die Drosselung der Gasflüsse aus der für Deutschland so wichtigen Pipeline Nord Stream 1 auf 40 Prozent der Maximalleistung.

Zuletzt flossen nur noch knapp 720 GWh pro Tag durch die beiden Leitungsstränge. Zugleich bleiben die über die Ukraineroute gelieferten Gasmengen konstant bei vergleichsweise niedrigen 400 GWh.

Italien: 50 Prozent weniger

Die Folge: Nicht mehr nur die Bundesrepublik erhält deutlich weniger Gas aus Russland, sondern auch andere Europäer wie Italien, Österreich und die Slowakei. Frankreichs Fernleitungsnetzbetreiber GRTGaz meldete sogar, dass gar kein Gas mehr ankomme.

Nur noch halb so viel Gas wie bestellt erhielt nach eigenen Angaben der teilstaatliche italienische Energieversorger Eni. Schon in den vorangegangenen Tagen waren die Gaslieferungen ins südeuropäische Land gedrosselt worden: am Mittwoch um 15 Prozent und am Donnerstag um 35 Prozent.

Slowakei: Versorgung vorerst nicht gefährdet

Auch die Slowakei meldete starke Lieferrückgänge. Wie der teilstaatliche Gasversorger SPP mitteilte, seien am Freitag nur noch 50 Prozent der vertraglich vereinbarten Menge angekommen. Die Versorgung sei aber vorerst nicht gefährdet, hieß es. Die inländischen Speicher seien derzeit zu 52 Prozent gefüllt.

Die Slowakei bezog bisher mehr als 80 Prozent ihres Gasbedarfs aus Russland. Bis 2009 waren es sogar hundert Prozent gewesen. Seither reduziert das EU-Land schrittweise seine Abhängigkeit und bereitet sich inzwischen auch auf die Möglichkeit vor, dass die Lieferungen aus Russland infolge des Kriegs in der Ukraine ganz ausfallen könnten.

Tschechien: Weniger Importe aus Russland

Auch der tschechische Energieversorger CEZ rechnet nach eigenen Angaben mit weniger Gasimporten aus Russland. Es handele sich aber nur um einen kleineren Teil des Bedarfs, der nun durch Erdgas aus anderen Quellen gedeckt werde, teilte das Unternehmen mit.

Wie groß der aktuelle Rückgang der Gazprom-Liefermenge sei, könne nicht genau beziffert werden, sagte ein Sprecher. Tschechien war nach Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat im vergangenen Jahr komplett von russischem Erdgas abhängig. Pipelines verbinden das Land mit Deutschland, Polen und der Slowakei. Der CEZ-Konzern befindet sich zu mehr als zwei Dritteln in staatlichem Besitz. (dpa/aba)

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