Gas

RWE errichtet Ammoniak-Terminal in Brunsbüttel

Über das Terminal sollen ab 2026 jährlich rund 300.000 Tonnen grüner Ammoniak in Deutschland ankommen. RWE-Chef Markus Krebber spricht von einem Leuchtturmprojekt.
18.03.2022

RWE-Chef Markus Krebber

Erst vor wenigen Tagen ist das „Memorandum of Understanding“ unterzeichnet worden, um in Brunsbüttel zügig das erste deutsche LNG-Terminal zu errichten. Jetzt legt RWE nach. In unmittelbarer Nähe will das Unternehmen zeitnah ein weiteres Projekt realisieren: ein Terminal für grüne Energieimporte. Dabei setzt RWE auf grünen Ammoniak als wettbewerbsfähigstes Wasserstoffderivat mit dem technologisch höchsten Reifegrad, erläutert der Konzern in einer Pressemitteilung. Das Vorhaben soll dazu beitragen, die spätere Umstellung des gesamten Standorts auf grüne Moleküle zu erleichtern, heißt es dort weiter. Man wolle Brunsbüttel zu einem Leuchtturm für die Dekarbonisierung der Industriegesellschaft machen.

Für Bundeswirtschaftsminister Habeck ist das LNG-Terminal ein wichtiger Baustein, um sich unabhängiger von Importen aus Russland zu machen. „Jetzt kommt ein zweites zentrales Vorhaben von RWE dazu: ein Terminal für grüne Energieimporte. Grüner Ammoniak als verflüssigtes Wasserstoffderivat kann einen wichtigen Beitrag zur Versorgung Deutschlands mit grünem Wasserstoff leisten. Gleichzeitig können wir mit diesem Vorhaben wichtige Erfahrungen sammeln für die Umstellung von LNG auf grünen Wasserstoff beziehungsweise Wasserstoffderivate“, so der Grünen-Politiker.

Gesamte Wertschöpfungskette im Blick

Markus Krebber, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, erläutert: „Es ist jetzt noch wichtiger, Klimaschutz und Versorgungssicherheit gemeinsam zu denken. Genau das tun wir, indem wir uns einerseits einbringen in die Realisierung des ersten LNG-Terminals. Und anderseits ein Ammoniak-Terminal errichten, mit dem wir hier am Standort den Import grüner Moleküle für die Dekarbonisierung der Industrie vorantreiben. In dieses Leuchtturmprojekt wollen wir die gesamte Wertschöpfungskette einbeziehen – vom Import über die Umwandlung bis hin zu Transport und Einsatz bei Industriekunden. Davon wird der gesamte Standort profitieren.“

Über das Terminal sollen ab 2026 jährlich rund 300.000 Tonnen grüner Ammoniak in Deutschland ankommen und an Kunden weiterverteilt werden. Im nächsten Schritt ist geplant, an dem Terminal einen Cracker in großindustriellem Maßstab zu errichten, um grünen Wasserstoff auch vor Ort zu produzieren. Dieser soll dann über eine eigene H2-Pipeline zu industriellen Abnehmern transportiert werden. Mit dieser Ausbaustufe ist zugleich eine Ausweitung der Ammoniak-Menge auf zwei Millionen Tonnen pro Jahr vorgesehen. Das Terminal steht somit am Anfang einer grünen Importinfrastruktur, an deren Ende klimafreundliche Produktionsprozesse stehen. Mit seinem direkten Zugang zu Nord- und Ostsee und dem Anschluss an europäische Binnenwasserwege bietet der Standort Brunsbüttel nach Überzeugung von RWE ideale logistische Bedingungen für das Projekt. Die Brunsbüttel Ports GmbH unterstützt das Vorhaben mit Fläche sowie als Logistikpartner mit Hafeninfrastruktur zur Entladung der Tankschiffe.

RWE wünscht sich zügige Genehmigungverfahren

RWE rechnet mit Investitionen im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Voraussetzungen für eine zügige Umsetzung seien pragmatisches Handeln, zügige Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine kurze Bauzeit bei hohen Sicherheitsstandards. (amo)