Das 95-Prozent-Ziel ist erreicht – und das mehr als einen halben Monat früher als gesetzlich vorgegeben. Standen die durchschnittlichen Füllstande der deutschen Gasspeicher am Dienstag noch bei 94,97 Prozent, wurde die Marke einen Tag später gerade so geknackt. 0,17 Prozentpunkte waren hinzugekommen.
Der Branchendienst AGSI veröffentlicht die Daten in der Regel eineinhalb bis zwei Tage im Nachgang, weshalb die Öffentlichkeit erst am späten Donnerstag die frohe Nachricht übermittelt bekam.
Gasspeicherverband zollt Respekt
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, bedankte sich bei Speicherbetreibern, dem Marktgebietsverantwortlichen THE und der Bundesregierung, "die das ermöglicht haben". Auch Sebastian Bleschke, Chef des Gasspeicherbetreiberverbands Ines, gratulierte. Die Bundesregierung verdiene "Respekt und Anerkernnung für das schnelle Handeln", twitterte er. "Das Ergebnis wäre ohne diese Entschlossenheit sicher ein anderes".
Bleschke hatte noch im Frühjahr Teile des Gasspeichergesetzes harsch kritisiert, das Speicherbetreiber zum Einhalten von Mindestfüllstandsvorgaben verpflichtet und den Feuerwehreinsatz von THE bei der Befüllung besonders leerer Speicher festgeschrieben hatte.
"Deutschlands teure Gasthamsterei"
Auch am Freitag blieb die Freude nicht ungetrübt. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" publizierte einen Artikel mit dem provokanten Titel "Deutschlands teure Gasthamsterei". Die These: THE habe beim großflächigen Gaseinkauf zur Befüllung mehrerer Speicher die Preise "unnütz" nach oben getrieben. Händler und Experten seien fassungslos.
Tatsächlich waren die Gaspreise gerade im August auf mehr als 300 Euro pro MWh hochgeschnellt. In dieser Zeit musste THE im Auftrag der Bundesregierung gleich mehrere Speicher gleichzeitig befüllen – offenbar gemäß dem Motto: Koste es, was es wolle. Die Folge: Das Unternehmen wollte zu dieser Zeit gegenüber der ZfK nicht einmal mehr bestätigen, dass es überhaupt Gas einlagere.
Müller nimmt THE in Schutz
Kein Geringerer als Bundesnetzagenturchef Müller nahm THE jedoch in Schutz. "Ohne THE-Gaseinspeicherung lägen wir heute nicht bei 95 Prozent", twitterte er.
Die Marktkräfte hätten im Sommer leider nicht für Versorgungssicherheit gesorgt. "Darum hat die Politik eingegriffen."
Vier Speicherbetreiber bei 100 Prozent
Fakt ist: Mehr als zwei Drittel der deutschen Speicherbetreiber haben die 95-Prozent-Marke überschritten. Vier von ihnen standen am Freitag sogar beim Traumwert von 100 Prozent.
Ganz unten in der Skala war dagegen weiterhin Deutschlands größter Speicher im niedersächsischen Rehden, der als leergesaugter Gazprom-Speicher im Frühjahr nationale Berühmtheit erlangt hatte, dann von THE befüllt wurde und zuletzt zu 84 Prozent voll war. Höhere Füllstände wiesen die beiden anderen von THE befüllten sogenannten Gazprom-Speicher Katharina (92 Prozent) und Jemgum (98 Prozent) auf.
Haidach und Seven Fields
Nicht im deutschen Ranking tauchen die beiden Großspeicher Haidach und Seven Fields auf, die zwar ins deutsche Netz einspeisen, aber auf österreichischem Boden liegen. Auch sie waren noch im Frühsommer ungewöhnlich leer. Und jetzt? Ist der vom deutschen Unternehmen Astora betriebene Teil Haidachs zu 84 Prozent voll. Die von Uniper vermarkteten Seven-Fields-Scheiben wiesen zuletzt einen Füllstand von 79 Prozent auf.
Es war der 18. Juli, als inmitten von Nord-Stream-1-Wartungsarbeiten und Uniper-Wirtschaftsnöten das bislang letzte Mal mehr Gas aus deutschen Speichern aus- als eingelagert wurde. Das milde Wetter trug dazu bei, dass auch im Oktober die Füllstände stetig stiegen. Dies dürfte sich ändern, je näher der Winter rückt. Dann gilt es, das nächste Speicherziel zu erfüllen: Am 1. Februar müssen die Anlagen noch zu 40 Prozent voll sein. (aba)



