Beim Rennen um das erste deutsche LNG-Terminal kommt Bewegung ins Spiel: Uniper hat nun verkündet, gemeinsam mit dem japanischen Mischkonzern Mitsui (MOL) die Realisierung einer FSRU (Floating Storage und Regasifizierungs-Einheit) in Wilhelmshaven "gemeinsam voranzutreiben". Im Rahmen des Projekts beabsichtigt Mitsui, die FSRU zu erwerben, zu betreiben und zu finanzieren. Die finale Investmententscheidung werde 2019 erfolgen, teilte Mitsui auf Anfrage der ZfK mit. Der Bau des Schiffes wird etwa 2,5 bis 3 Jahre dauern. Die Kosten liegen bei 220 bis 310 Mio. Euro.
Die mobile Einheit hat eine geplante Aussendeleistung von 10 Mrd. Kubikmetern pro Jahr und eine LNG-Speicherkapazität von 263.000 Kubikmetern (LNG = liquefied natural gas). Die Anlage könnte in der zweiten Jahreshälfte 2022 in Betrieb gehen.
FSRU-Technologie ist in der LNG-Industrie weit verbreitet
Bislang gibt es rund 30 solcher mobilen Regasifizierungsanlagen in der Welt, betonte ein Sprecher von Uniper gegenüber der ZfK. Die FSRU-Technologie ist in der LNG-Industrie weit verbreitet. Im Vergleich zu einer Onshore-Anlage könne eine FSRU kostengünstiger und schneller gebaut werden. Risiken aus der Bauphase werden reduziert. Die FSRU wird so konzipiert sein, dass die Beladung von kleineren Tankschiffen für den Einsatz von LNG als Schiffskraftstoff ermöglicht wird. Des Weiteren wird es möglich sein, LNG auf Lastwagen für den Weitertransport zu laden.
Uniper als Projektentwickler wird weiterhin eng mit den zuständigen Behörden zusammenarbeiten, um die Genehmigungen für den Betrieb der Anlage zu erhalten. Auch sei es erklärtes Ziel von Uniper, das Interesse zusätzlicher Marktteilnehmer für Regasifizierungskapazität in der FSRU Wilhelmshaven zu gewinnen.
Wilhelmshaven ist ein Tiefwasserhafen
Wilhelmshaven ist der einzige deutsche Tiefwasserhafen und kann ohne Gezeitenbeschränkungen von LNG-Tankern jeglicher Größe erreicht werden. Darüber hinaus liegt der Standort nahe der bestehenden Pipeline- und Gasspeicherinfrastruktur Deutschlands, heißt es seitens Uniper.
Zusätzlich zur Vereinbarung über die FSRU Wilhelmshaven haben Uniper und MOL einen verbindlichen Transportvertrag abgeschlossen. Demnach wird MOL Uniper LNG-Schiffskapazität äquivalent zu einem 180.000-Kubikmeter-LNG-Tanker zur Verfügung stellen. Der Vertrag beginnt im Dezember 2020. Uniper beabsichtigt, die zusätzliche Schiffskapazität zur Optimierung von LNG-Lieferungen aus dem US-amerikanischen Freeport und zur weiteren Ausweitung der LNG-Handelskapazitäten zu nutzen. Bereits 2015 hat Uniper amerikanische LNG-Exporte von rund 0,9 Mio. Tonnen pro Jahr unter Vertrag genommen. Der Vertrag hat eine Laufzeit von zwanzig Jahren.
Rennen um das Terminal
Außer in Wilhelmshaven laufen derzeit in Stade nahe Hamburg, in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) und in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) Vorbereitungen für ein Terminal. (al)



