Eckhardt Rümmler, Chief Operating Officer (COO) bei Uniper

Eckhardt Rümmler, Chief Operating Officer (COO) bei Uniper

Bild: © Uniper

Herr Rümmler, Sie plädierten jüngst bei einer Klimaschutzkonferenz in Berlin für eine verstärke Nutzung von Erdgas statt Kohle, auch bei der Stromerzeugung im Kraftwerksbereich. Konterkariert dies nicht ihre eigenen Interessen als Kohlekraftwerksbetreiber?

Unipers Portfolio ist sowohl geografisch als auch hinsichtlich der Erzeugungsarten sehr diversifiziert. Neben modernen Steinkohlekraftwerken zählen 75 Gaskraftwerke sowie über 200 Wasserkraftwerke zu unserem Portfolio. Tatsächlich basiert unsere Erzeugungskapazität global betrachtet auf weniger als einem Drittel auf Kohlebasis. Natürlich ist der Kohleausstieg für uns ein Thema, aber nicht das alles Beherrschende. Uniper ist jederzeit bereit, diesen Prozess mit Know-how und Vorschlägen zu unterstützen. Für uns ist entscheidend, dass neben den Klimazielen die Interessen der Menschen und der Unternehmen berücksichtigt werden und es eine langfristige Lösung im Konsens gibt. Ziel muss die Rechts- und Planungssicherheit für alle sein.

Sie verwiesen auch darauf, dass der jetzige, gestiegene C02-Preis von 22 Euro noch nicht als Anreiz ausreicht, um Gaskraftwerke wirtschaftlich zu fahren. Wie hoch müsste der CO2-Preis sein, um einen Switch anzureizen?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern hängt von der individuellen Kostensituation des einzelnen Kraftwerks ab. Hinzu kommt, dass bei einem modernen Kraftwerk mit hohem Wirkungsgrad die Schwelle entsprechend niedriger wäre, als bei einem Kraftwerk mit niedrigerem Wirkungsgrad.

Wie soll also der Umstieg funktionieren? Sie erwähnten bei der Konferenz marktwirtschaftliche Lösungen wie beispielsweise eine Stilllegung bestimmter Kohlekraftwerkskapazitäten und eine an einer effizienten CO2-Minimierung orientierte Ausschreibung?

Eine schnelle und unbürokratische Lösung, die auch tatsächlich den gewünschten Erfolg sichert, kann nur im Einvernehmen mit den Kraftwerksbetreibern erfolgen – das ist die Grundvoraussetzung. Diese Lösung könnte zum Beispiel analog zur Sicherheitsbereitschaft von Braunkohlekraftwerken, die es bereits gibt, gestaltet werden. Das würde etwa 500 Mio. Euro pro Jahr kosten. Angesichts des erheblichen Klimaschutzbeitrags und der Beschäftigungssicherung ist ein Modell, das in diese Richtung geht, aus Sicht von Uniper eine Überlegung wert. Strukturwandel braucht Zeit, es können nicht aus dem Stand neue Beschäftigungsmöglichkeiten in den betroffenen Regionen entwickelt werden.

Haben Sie dies für Ihren Kraftwerkspark schon mal durchgerechnet? Bis wann könnte ein Switch zu Erdgas erfolgen?

Ein solcher Switch würde Kraftwerk für Kraftwerk erfolgen und hinge ab von der konkreten Marktsituation, dem jeweiligen Strom-Angebot zum fraglichen Zeitpunkt, den jeweils dann geltenden aktuellen Marktpreisen und schließlich von den Kosten, dem Wirkungsgrad und der Verfügbarkeit des individuellen Kraftwerks. Weil alle diese Faktoren hineinspielen, tun wir uns schwer mit einer Angabe zu einem einzelnen Schwellen-Wert, was sicher auch nicht hilfreich wäre in der Diskussion.

Erwarten Sie von der „Kohlekommission“ ein klareres Bekenntnis zu Gas mit entsprechenden Vorgaben für einen „Fuel Switch“?

Nach dem Ausstieg aus der Kernenergie plant Deutschland den Ausstieg aus der zweiten wichtigen Stromerzeugungstechnologie. Wir sind der Meinung: Wer aussteigen will, muss auch sagen, wo er einsteigen will. Dem Erdgas kommt hier eine Schlüsselrolle zu. Hier liegt ein erhebliches Potenzial in Deutschland brach: Der Wechsel der Stromerzeugung von Kohle zu Erdgas senkt die CO2-Emission im Durchschnitt um mehr als die Hälfte. Außerdem sind Gaskraftwerke in aller Regel sehr flexibel. Sie sind damit der ideale Partner zum Ausgleich der überwiegend schwankenden Erzeugung aus erneuerbaren Energien.

Sie investieren auch im Bereich „grünes“ Gas. Ab wann könnte dies in größerem Stil zum Einsatz kommen?

Wir betreiben Power-to-Gas-Anlage in Falkenhagen, Brandenburg. Power-to-Gas ist aktuell die einzig bekannte Technologie, die erneuerbare Energien aus Wind und Sonne in ein speicherbares Gas umwandeln kann. Sie spielt eine entscheidende Rolle für das Gelingen der Energiewende, wenn der Anteil der erneuerbaren Energien am Erzeugungsmix weiter voranschreitet. Denn ohne den Ausbau von langfristigen Speichermöglichkeiten wird die Energiewende scheitern. Aktuell liegen die größten Hemmnisse in der nicht optimalen Einordnung der Power-to-Gas-Technologie in die Energiegesetzgebung. So sind die Power-to-Gas-Anlagen, wie alle anderen Speicher- und Wandlungstechnologien auch, nach wie vor als Letztverbraucher von Strom eingestuft. Das bedeutet: der Nutzen für das Energiesystem wird nicht anerkannt und die Technologie ist mit unsachgemäßen Umlagen belastet. Die Technologie ist also bereit – nun ist es an der Politik, die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass Power-to-Gas-Anlagen im großtechnischen Rahmen endlich wirtschaftlich betrieben werden können. (hcn)

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