Der Elbehafen Brunsbüttel soll nach Plänen von Gasunie, Oiltanking und Vopak einmal ein LNG-Terminal beherbergen.

Der Elbehafen Brunsbüttel soll nach Plänen von Gasunie, Oiltanking und Vopak einmal ein LNG-Terminal beherbergen.

Bild: © Port Brunsbüttel

Im März 2019 stellte die German LNG Terminal einen Genehmigungsantrag für den Bau einer LNG-Anlandungsstelle in Brunsbüttel. Ein fragwürdiges Projekt aus Sicht von Helge Spehr, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Schleswig-Holsteinischen Energie- und Wasserwirtschaft (VSHEW) und Geschäftsführer der Stadtwerke Rendsburg: "Wenn es zur Umsetzung dieses Vorhabens kommt, wird der Verbraucher den Einsatz fossiler Energien subventionieren – was genau das Gegenteil von dem ist, was Schleswig-Holstein mit seinen Energiewendezielen verfolgt".

Um das Terminal mit dem Netz zu verbinden, müsste eine 60 km lange Gastrasse von Brunsbüttel nach Hetlingen verlegt werden, die schätzungsweise 100 Mio. Euro kosten soll. In dem Terminal sollen zu einem Großteil flüssiges Fracking-Gas aus den USA gelagert und dann weitergeleitet werden. Diese Kosten würden über die Netzentgelte dann beim Verbraucher landen, so der Verband.

Fernleitungsnetzbetreiber durch Regierungsverordnung in die Pflicht genommen

Anfang des Monats hatte der Bundesrat einer entsprechenden Regierungsverordnung zugestimmt. Fernleitungsnetzbetreiber würden demnach künftig verpflichtet, LNG-Anlagen (Liquefied Natural Gas) an ihre Netze anzuschließen und die Anschlussleitungen zu betreiben. 90 Prozent der Kosten würde später der Netzbetreiber bezahlen und damit über die Netzentgelte der Verbraucher, kritisiert der Verband.

Weitere Kosten würden durch die geplante Förderung von 50 Mio. Euro durch die schleswig-holsteinische Landesregierung auf den Steuerzahler zukommen. "Wir haben keinerlei Verständnis dafür, dass Schleswig-Holsteins Verbraucher und Steuerzahler ausgerechnet die Verwertung klimaschädlicher fossiler Energieträger fördern sollen", sagt Spehr.

Fracking-Verfahren umstritten

Erschwerend komme hinzu, dass das Gas im umstrittenen Fracking-Verfahren gewonnen, unter Energieeinsatz verflüssigt und dann mit Schiffen mit Verbrennungsmotoren nach Europa verfrachtet werde. "Das ist purer Irrsinn, zumal unsere Versorgungssicherheit völlig ungefährdet ist", sagt Spehr und ergänzt: "Wir warnen vor einer Fortsetzung der negativen Entwicklung auf dem Strommarkt. Hier hat eine Förderung der Stromerzeugung durch fossile Energieträger bereits zur Explosion der Netzentgelte und damit der Strompreise geführt."

Der Verband steht mit seiner Forderung nicht alleine da. Ein Bündnis aus verschiedenen Gruppen hatte im Februar fast 70.000 Online-Unterschriften gegen die Förderung des Terminals gesammelt. (pm)

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