Preem, Schwedens größter Hersteller von Kraftstoffen, spielt eine herausragende Rolle bei der Umstellung auf Wasserstoff.

Preem, Schwedens größter Hersteller von Kraftstoffen, spielt eine herausragende Rolle bei der Umstellung auf Wasserstoff.

Bild: © Adobe Stock/Thomas

Eine neue Studie nimmt den Transport von sauberem Wasserstoff von teils entlegenen Produktionsstätten zu den Verbrauchsstellen in industriellen Ballungszentren in den Blick. In der Studie "Hydrogen transportation: The key to unlocking the clean hydrogen economy" analysiert Roland Berger das Potenzial verschiedener Transportlösungen, die maßgeblich über den Erfolg des Energieträgers entscheiden werden.

"Die Investitionen in sauberen Wasserstoff nehmen zu, doch bisher konzentrieren sie sich auf die Produktion und Endverbraucheranwendungen", erläutert Uwe Weichenhain, Partner bei Roland Berger, in einer Pressemitteilung. "Um sicherzustellen, dass sauberer Wasserstoff wirtschaftlich wettbewerbsfähig wird und breite Anwendung findet, braucht es jedoch dringend neue und effiziente Transportlösungen. Denn die Transportkosten machen bisher noch einen beträchtlichen Teil der Gesamtkosten aus."

Wasserstoffnachfrage, Importe und innereuropäischer Transport steigen

Nach Einschätzung von Roland Berger wird sich die Gesamtnachfrage für Wasserstoff in Europa von aktuell knapp unter 10 Mio. Tonnen bis 2050 auf über 45 Mio. Tonnen mehr als vervierfachen. Wasserstoffimporte und der innereuropäische Transport werden signifikant ansteigen. Heute wird die Nachfrage in Europa laut der Analyse nahezu komplett über die Wasserstoffproduktion vor Ort abgedeckt. 2050 hingegen stammen 40 Prozent des Volumens aus Importen, 33 Prozent werden innerhalb des Kontinents transportiert und nur noch 27 Prozent direkt an der Verbrauchstelle produziert, so die Prognose.

Die Studie betrachtet die drei Träger-Technologien: Ammoniak (NH3), verflüssigter Wasserstoff (LH2) und flüssige organische Wasserstoffträger (LOHC) sowie ihre praktischen Vor- und Nachteile. Für den Vergleich der Transportkosten der verschiedenen Trägerstoffe werden vier typische Transportszenarien für Wasserstoff skizziert, die von groß angelegten Hafen-zu-Hafen-Transporten vom Nahen und Mittleren Osten nach Europa bis hin zu kleinen LKW-Transporten von bis zu 200 km reichen. Das Modell zeigt: Bis 2025 weist keiner der drei Wasserstoffträger klare Kostenvorteile über alle verschiedenen Transportszenarien hinweg auf. Es muss je nach Anwendungsfall entschieden werden. Bis 2035 werden, nach Einschätzung der Experten von Roland Berger, jedoch alle drei Technologien signifikante Kostenreduktionen erfahren. Die Transportkosten beispielsweise für LH2 bei einem Transport von Hafen zu Hafen, mit einer Strecke von 12.000 Kilometern und einem Volumen für einen Großabnehmer wie einem Stahlproduzenten werden von 2,8 Euro/Kg H2 in 2025 auf 1,7 Euro/Kg H2 in 2035 sinken.

Transport wird wirtschaftlich tragfähig

"Die Ergebnisse unseres Vergleichs weisen auf die künftige wirtschaftliche Tragfähigkeit des Wasserstofftransports hin. Nach der 2020 verkündeten Wasserstoffstrategie der Europäischen Union soll ab 2025 ein vollwertiges Wasserstoff-Ökosystem aufgebaut werden. Wenn dies so umgesetzt wird, werden die Mengen des transportierten sauberen Wasserstoffs weiter deutlich steigen. Wir rechnen mit Transportmengen über eine Million Tonnen ab Mitte des Jahrzehnts, zunächst aufgrund des innereuropäischen Transports und dann zunehmend aus Nicht-EU-Importen. Ab 2030 wird transportierter sauberer Wasserstoff ein Preisniveau erreichen, das wettbewerbsfähig genug ist, um industriellen Abnehmern die Dekarbonisierung in großem Maßstab zu ermöglichen - durch den Ersatz der Produktion vor Ort mit transportiertem sauberem Wasserstoff", so Weichenhain.

Der Transport von sauberem Wasserstoff eröffne ein attraktives Geschäftsfeld für Energie-, Transport- und Handelsunternehmen. Unternehmen, die schnell handeln und frühzeitig Erfahrungen sammeln, können sich einen Vorteil auf dem Markt verschaffen, indem sie Standards setzen und Kostensenkungen realisieren, so die Autoren der Studie. (amo)

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