Wasserstoff (H2) könnte im deutschen Wärmemarkt eine größere Rolle spielen als bislang gedacht. Das Berliner Beratungsunternehmens Team Consult kommt auf der Basis eigener Auftragsarbeiten auf einen H2-Bedarf von rund 250 Terawattstunden (TWh). Andere Institute rechnen mit leicht niedrigeren Werten.
Die Team-Consult-Experten nehmen dabei an, dass bis 2050 etwa 9 Mio. Wohngebäude auf Wasserstoff angewiesen sein könnten.
Naheliegende Umstellungen
Knapp 15 Mio. Wohngebäude würden derzeit noch mit Öl oder Gas beheizt, rechnet das Unternehmen vor.
Naheliegende Umstellungen seien Fernwärme (etwa 900.000) in städtischen, fernwärmeversorgten Gebieten sowie Wärmepumpen vor allem in Ein- und Zweifamilienhäusern ohne Gasanschluss im ländlichen Gebiet. Dazu kämen 1,1 Mio. Wohngebäude, die mit Holzpellets geheizt werden könnten.
Ambitionierter Wärmepumpen-Plan
Danach blieben etwa 9,2 Mio. Wohngebäude im gasversorgten Gebiet übrig, für die eine andere Dekarbonisierungslösung gefunden werden müsse, schreiben die Autoren. Wasserstoff dränge sich wegen des geringen zeitlichen und finanziellen Umstellungsaufwands auf.
Die Umstellung von 3,5 Mio. Bestandsgebäuden auf Wärmepumpen sei bereits ambitioniert, heißt es im Bericht. Das würde bedeuten, dass künftig im Schnitt etwa 110.000 neue Pumpen installiert werden müssten. Die heutige Ausbaurate im Bestand müsste sich verdoppeln.
Alternative Wasserstoff
Eine Vollelektrifizierung der verbleibenden 9,2 Mio. Wohngebäude würde mehr als 300.000 zusätzliche Umstellungen pro Jahr bedeuten. Dies sei unrealistisch, betonen die Autoren.
Als Alternative schlägt das Beratungsunternehmen Wasserstoff vor. Moderate Investitionskosten von etwa 15.500 Euro seien bei einem Einbau eines wasserstoffreifen Brennwertkessels heute und einer späteren Umstellung auf das Gas zu erwarten. Hier genüge eine Teilsanierung (Tausch des Wärmeerzeugers).
Wärmepumpen deutlich teurer
Das Unternehmen bezieht sich dabei auf Bestands-Mehrfamilienhäuser (sechs Parteien, 20 bis 25 Jahre alt) mit typischer Wärmedämmung aus dieser Zeit und einer Erdgas- oder Niedertemperatur-Heizung.
Deutlich teurer wären Wärmepumpen. Dafür würde eine Vollsanierung, inklusive Austausch von Wärmeerzeugung und Heizflächen, notwendig sein. Die Kosten würden sich auf mehr als 47.000 Euro belaufen.
Vorteil Wasserstoff
In dieser Konstellation biete die Wasserstofflösung wirtschaftlich und technisch klare Vorteile gegenüber Wärmepumpen. (aba)



