"Überraschend war für uns ein der Ergebnis der Studie, wonach es wirtschaftlich interessant sein kann, Wasserstoff für die Speicherung in Porenspeichern zu methanisieren", sagt Frank Gröschl, Leiter Technologie und Innovationsmanagement, Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) über die Studie "Wasserstoff speichern – soviel ist sicher".
"In Österreich wurden Wasserstoff-Methan-Gemische in Porenspeichern bereits erfolgreich getestet. Diese Arbeiten gehen weiter. Da sehe ich eine große Dynamik", erklärt der Ingenieur und verweist damit auf das Projekt "Underground Sun Storage 2030" der RAG Austria.
Arbeit im Konsortium
Gemeinsam mit dem Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) und der Initiative Energien Speichern (INES) hat der DVGW erst kürzlich eine Studie veröffentlicht. Dabei kam heraus, dass Gasspeicher in großem Umfang dazu geeignet seien, zu Wasserstoff-Speichern umgerüstet zu werden. (Die ZfK berichtete)
Die Zusammenarbeit erklärt Gröschl so: "INES und BVEG sind die Speicherexperten und haben sich mit geologischem Wissen eingebracht. Wir haben das Infrastruktur- und Gasnetz-Knowhow beigesteuert. “Die Arbeit im Konsortium war zielgerichtet und pro-aktiv“, bemerkt der Verbandsvertreter.
Bestehende Assets nutzen
Mit den Ergebnissen sind die Partner zufrieden. Dank der praxisnahen Modellierung ergebe sich ein guter Überblick über die Transformationskosten. Je nach Szenario belaufen sich diese für die Speicherinfrastruktur auf 5,8 Mrd. bis 12,8 Mrd. Euro.
"Der Kostenvorteil des Wasserstoffes kommt daher, dass wir die bestehende Infrastruktur in die Betrachtung integrieren", so Gröschl. Allzu oft würden bei Modellierungen nur auf die Kosten von Anwendungen, also auf das Ende der Prozesskette, geschaut, die Systemintegration hingegen werde ausgeblendet. "Neben den Gasleitungen und -heizungen wollen wir auch die Speicher fit machen für die Wasserstoffwirtschaft."
Große Speicherkapazitäten nötig
Auf die Speicher komme eine große Aufgabe zu. "Für eine Wasserstoffwirtschaft braucht es große Speicherkapazitäten". erklärt Gröschl. "Kavernenspeicher können schon heute für die Wasserstoffspeicherung eingesetzt werden". In Porenspeichern ließe sich Methan gut speichern, Wasserstoff jedoch nur in Maßen.
Auch für den Zeitplan haben die Studienpartner eine klare Vorstellung. "Aus den verschiedenen Szenarien ergibt sich: Noch kommen wir mit Umrüstungen gut zurecht, danach brauchen wir Neubauten, spätestens ab den 2040er Jahren", erläutert Gröschl. "Deshalb müssen wir jetzt bereits in die Planung gehen und Standorte suchen."
Investitionen vorziehen
"Die Politik hat den Rahmen ja selbst gesetzt", betont auch Sebastian Bleschke, Geschäftsführer, INES. "Der Bedarf an Wasserstoff, mit dem wir gerechnet haben, stammt aus der Langfristplanung des BMWK."
Die Politik müsse daher den Bedarf an Speichern anerkennen und die Anschubförderung für Umrüstungsprojekte ausbauen, wie das zum Beispiel schon bei Elektrolyseuren der Fall sei. "Bei der Elektrolyse werden Investitionen vorgezogen, damit die Infrastruktur rechtzeitig auf den Hochlauf von Wasserstoff vorbereitet ist", sagt Bleschke.
Infrastrukturen zusammendenken
"Große Realprojekte helfen, in die Umsetzung zu kommen", unterstreicht Gröschl vom DVGW. Wasserstoff sei flexibel speicherbar und könne in der bestehenden Infrastruktur eingesetzt werden, argumentiert der Ingenieur. Beim Strom müsse dagegen viel zugebaut werden, seien es Wärmepumpen, Batteriespeicher oder Hochspannungsleitungen.
Politisch wünscht sich Gröschl bei Innovationsprojekten Unterstützung auch bei den Betriebskosten: "OPEX sollte in die Förderung kommen. Gerade als Anschub für Projekte, die sich noch in einem frühen Reifegrad befinden." Darüber hinaus brauche es eine gemeinsame Netzplanung. "Wir müssen Infrastrukturen von Wasserstoff und Gas zusammendenken." (jk)



