Die hundertprozentige Gazprom-Tochter Wingas bietet offenbar keine neuen langfristigen Gaslieferverträge mehr an. Dies bestätigte ein Broker eines großen Portfoliomanagers, der für deutsche Stadtwerke und Energiefirmen Erdgas einkauft, dem "Handelsblatt". Er könne mit Wingas schon seit mehreren Tagen keine Termingeschäfte abschließen.
Ein Verkäufer von Wingas bestätigte der Wirtschaftszeitung zudem, dass die Firma bestehende Lieferverträge erfülle, neue Langfrist-Geschäfte aber nicht mehr möglich seien. Schriftlich teilte Wingas auf Anfrage der Zeitung mit, das Unternehmen liefere zuverlässig seine vertraglich vereinbarten Mengen. Ebenso könnten Kunden ihre vertraglich zugesicherten Optionsrechte ausüben.
Nicht sicher, ob Verträge eingehalten werden
Demnach sei Wingas einer der letzten Anbieter gewesen, die noch langfristige Gasverträge angeboten hätten. Offenbar könne Wingas nicht sicher sein, ob Termingeschäfte erfüllt werden können. Russland hatte jüngst damit gedroht, Lieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 auszusetzen.
Auch Gaskunden sollen gegenüber Gazprom zurückhaltend sein, heißt es weiter. "Das hat weniger moralische Gründe. Es geht eher um die Bewertung des Ausfallrisikos, weil man nicht weiß, wie der Marktteilnehmer in den nächsten Jahren dasteht", sagte Tobias Federico, Geschäftsführer des Beraters Energy Brainpool.
Norweger haben Angebot erhöht
Derweil hat sich die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundesfraktion hin dazu geäußert, wieso aus ihrer Sicht die Gaspreise auf dem Markt so stark angestiegen sind. So habe im vergangenen Sommer dem europäischen Markt weniger Gas zur Verfügung gestanden, weil unter anderem in Asien aufgrund der anziehenden Konjunkturlage bessere Preise für Flüssigerdgas (LNG) erzielt wurden.
Gleichzeitig sei mehr Gas zur Verstromung eingesetzt worden und die Wiederbelebung der Wirtschaft nach der Pandemie habe zu einem gestiegenen Bedarf an Erdgas geführt. Norwegische Lieferanten hätten daraufhin ihr Angebot erhöht.
Gazprom stellt kurz- und mittelfristigen Handel ein
Gazprom habe dagegen nur die langfristigen Lieferverträge erfüllt und ab November den Handel für kurz- und mittelfristige Lieferprodukte auf seiner Handelsplattform ESP eingestellt. Zusätzliche Mengen wurden den deutschen Händlern auch im Winter von Gazprom nicht angeboten, einzelne Erdgasspeicher wurden nicht vollständig befüllt, so die Bundesregierung in ihrer Antwort. (jk)
