Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die milde Witterung und die niedrige Gasnachfrage sorgen in dieser Woche für deutlich gefallene Spotpreise. Die Terminmärkte notieren hingegen fest, denn der Winter 2023 könnte zu einer größeren Herausforderung werden als der Winter 2022.

China importierte wegen des Covid-bedingten Nachfragerückgangs im Sommer 2022 rund elf Millionen Tonnen LNG weniger als noch im Sommer 2021. Wenn die chinesische Flüssigerdgasnachfrage im nächsten Sommer wieder zu normalen Wachstumsraten zurückkehrt, wird dies dem europäischen Markt fehlen.

Nord-Stream-Mengen fehlen wohl 2023

Russland lieferte im zurückliegenden Sommer auf der Nord-Stream-Pipeline rund 165 TWh. Diese Menge wird voraussichtlich im nächsten Sommer zur Befüllung der Speicher fehlen.

Wenn der Speicherstand zum Ende des Winters 2022 signifikant unter 30 Prozent sinkt, könnten die Gasspeicher zum Beginn des Winters 2023 nur zu 60 bis 80 Prozent gefüllt sein. Um eine Gasmangellage dann zu vermeiden, fällt Effizienzmaßnahmen und der Energieeinsparung eine maßgebliche Rolle zu.

Frankreich größter LNG-Importeur

Im laufenden Jahr wurden aus den LNG-Terminals der EU und Großbritannien insgesamt rund 1.400 TWh ausgespeichert – ein Plus gegenüber dem Fünfjahresmittel von 62 Prozent. Größter Importeur in der EU ist Frankreich. Zwischen Januar und August steigerte das Land seine LNG-Importe um acht Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr.

Im Oktober liegt die Regasifizierung in der EU und Großbritannien zusammen bereits bei mehr als 100 TWh – ein Plus von 75 Prozent gegenüber dem Fünfjahresmittel.

LNG-Terminals nahezu auf Volllast

Die großen LNG-Terminals in Frankreich, Belgien und den Niederlanden laufen nahezu auf Volllast. Spitzenreiter in der EU ist das Gate Terminal in Rotterdam mit einer Auslastung von aktuell 100 Prozent. Im laufenden Jahr wurden rund 140 TWh ausgespeichert, was einem Plus von 129 Prozent gegenüber dem Fünfjahresmittel entspricht.

Das hohe LNG-Angebot ermöglichte die Erfüllung der europäischen Speicherziele. Die Gasspeicher in der EU sind zu 94 Prozent gefüllt. In Deutschland wurden die Ziele übererfüllt, die Speicher sind zu 98 Prozent gefüllt (Oktober 2021: 77 Prozent, Fünfjahresmittel: 90 Prozent).

Turbo-Einspeicherungen haben Preis

In Deutschland lagen die Einspeicherungen im zurückliegenden Sommer 43 Prozent über dem Fünfjahresmittel. Das heißt, dass 60 TWh mehr eingespeichert wurden als üblicherweise in der Sommersaison.

Die Gaspreise waren in den vergangenen Wochen zum Teil über 300 Euro pro MWh gestiegen. Einer Veröffentlichung der EU-Behörde Acer zufolge hatte die Erfüllung der Speicherziele jedoch seinen Preis: Die Kosten für die Einspeicherungen in der EU während des Sommers stiegen angeblich auf das Achtfache der historischen Kosten (schätzungsweise 50 Mrd. Euro).

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Mitten in der Gaskrise kreisen vor Spaniens Küsten mehr als 35 LNG-Schiffe"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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