Im vergangenen Jahr gingen 32 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 219 MW erstmalig in der deutschen Nord- und Ostsee ans Netz. Insgesamt speisen damit 1501 Windturbinen mit einer Leistung von 7700 MW ein. Was auf den ersten Blick viel klingt, entspricht nur rund 15 Prozent des Ausbauniveaus von 2017 und es kommt noch schlimmer.
Kommendes Jahr wird keine einzige neue Anlage auf See errichtet, so die Zahlen der deutschen Offshore-Windbranche. Der Grund hierfür liegt in der Übergangsphase, die dieses Jahr beginnt und bis Ende 2025 geht. So sollen bis dahin lediglich sieben Projekte mit insgesamt etwa drei GW zugebaut werden. Ausgeschrieben wurde dieses Volumen bereits 2017/18 – bewerben konnten sich nur bestehende Projekte.
3000 bis 4000 MW allein in 2029 und 2030
Die nächsten Ausschreibungen erfolgen bereits im zentralen Modell. Die Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetz sieht jährlich einen Gebotstermin zum 1.September vor. So sollen von 2026 bis 20230 weitere 9,7 GW in Betrieb genommen werden. Während in den kommenden vier Jahren kaum mit Zubau zu rechen ist, schnellt der Ausbau kurz vor Ende der Dekade, auf 3000 bis 4000 WM (2029/30) hoch.
Eine Entwicklung, die der Branche Sorgen bereitet. So befürchten unter anderem die Deutsche Windguard, der BWO oder der BWE, dass der Markteinbruch für viele Betriebe ein Ende bedeuten könnten, Arbeitsplätze gefährdet würden oder die Abwanderung ins Ausland drohe. Bestätigt wird diese Sorge von verschiedenen Offshore-Unternehmen, wie Siemens Gamesa, die mittlerweile als einziger Turbinenhersteller in Deutschland verblieben sind: „Allein über eine Projektpipeline in Deutschland könnten wir nicht überleben. Für die kommenden Jahre ist unser Werk in Cuxhaven vorwiegend mit internationalen Vorhaben ausgelastet“, betont Pierre Bauer, CFO Windpower Offshore, Siemens Gamesa.
Zubauspitzen vorziehen
Eine mögliche Lösung um eine nachhaltige Wertschöpfungskette am deutschen Markt zu sichern, wäre die Zubauspitzen zum Ende der 2020er Jahre durch die schnellstmögliche Ausschreibung vorhandener Potenziale zu entzerren. „Jetzt Investitionen vorzuziehen hilft Konjunktur und Klimaschutz gleichermaßen. Offshore-Windkraft ist als Fundament der Energiewende für deutsche und europäische Klimaziele essenziell“, so die Vertreter*innen der Branchenverbände.
Zudem müssten die Offshore-Ausbauziele von 20 GW bis 2030 räumlich gesichert werden. Hierfür müssten Nutzungskonflikte des Meeresraums entschärft werden. Der von der EU-Kommission entwickelte Ko-Nutzungsansatz sollte laut den Branchenvertretern auch in Deutschland stärker Anwendung finden.
Differenzverträge einführen
Ein weiterer Dauerbrenner für die Branche ist die Einführung von Differenzverträgen. Was ursprünglich als Alternative zur geplanten, zweite Gebotskomponente im Fall von mehreren Null-Cent-Geboten von der Branche vorgeschlagen wurde, ist unabhängig davon ein bewährtes Mittel die Kosten der Energiewende fairer zu verteilen und die Planungssicherheit für Investoren zu erhöhen. Noch hält das BMWi jedoch wenig von so einem System. (lm)
