Baugrube des Erdbecken-Wärmespeichers in Meldorf.

Baugrube des Erdbecken-Wärmespeichers in Meldorf.

Bild: © Malte Mellech/Ramboll

Tausende Kubikmeter Erdreich werden zu Wällen zusammengeschoben, es entsteht ein riesiges Bassin, das nach seiner Fertigstellung mit rund 45 Millionen Litern Wasser gefüllt wird. Geschützt von einer High-Tech-Kunststoffdecke und auf rund 70 Grad aufgeheizt dient dieses Wasser als Wärmespeicher. Die zu speichernde Wärmeenergie liefert zum weitaus größten Teil die Trocknungsanlage einer nahe gelegenen Großdruckerei, ein Biogas-Blockheizkraftwerk speist ebenfalls Wärmeenergie ein.

Mit der im Erdbeckenspeicher gespeicherten Wärme will die Stadt Meldorf über ein neu installiertes Fernwärmenetz eigene Liegenschaften wie Schulen, Sporthallen und ein Hallenbad sowie private Haushalte – insgesamt 55 Gebäude -  klimafreundlich versorgen.

Kommunales Unternehmen als Bauherrin

Bauherrin des Meldorfer Erdbeckenspeichers ist das kommunale Unternehmen Wärmeinfrastruktur Meldorf GmbH & Co KG (WIMeG). Diese hat mit der gesamten Planung und Durchführung des vom Projektträger Jülich geförderten Projektes das Unternehmen Ramboll beauftragt.

Ole Nienaber, Rambolls verantwortlicher Ingenieur für das Meldorf-Projekt, erklärt das grundlegende Vorgehen bei einer kommunalen Wärmeplanung: "Wir beginnen mit einer Analyse des örtlichen Ist-Zustandes. Das heißt, wir schauen uns die heutigen Wärmeverbräuche und erwarteten zukünftigen Wärmebedarfe aller Gebäude des zu untersuchenden Stadtquartiers oder der Kommune an und welche Infrastruktur für Wärmeerzeugung und -verteilung heute vorhanden ist".

Industrieabwärme und perspektivisch Solarthermie

"Eine zentrale Frage ist, ob es vor Ort Quellen gibt, die Wärmeenergie produzieren und die wir für das Vorhaben nutzen können, natürlich möglichst klimaneutral. Im Ergebnis liegen Ausbaupläne für das Wärmenetz vor sowie ein Erzeugungsportfolio, das den technischen, ökologischen und wirtschaftlichen Anforderungen der Kommune entspricht", so Nienaber.

Im Falle von Meldorf sei die Situation mit einem großen Industriebetrieb, in dem viel Abwärme anfalle, ideal, erläutert der Ingenieur. Aber es gebe eine Vielzahl anderer potenzieller Wärmequellen: "Wo genügend freie Flächen zur Verfügung stehen, kann man über Solarthermie nachdenken. Das haben wir im Übrigen auch für das Fernwärmenetz in Meldorf in einer späteren Ausbaustufe vor", erklärt er.

Biogas und Power-to-Heat

Andere Quellen könnten bestehende Biogasanlagen sein. Eine weitere wichtige potenzielle Wärmequelle ist Power-to Heat: Mit überschüssigem klimaneutralem Strom aus erneuerbaren Energien, der aus Kapazitätsgründen nicht ins Netz eingespeist werden würde, lässt sich Wärme erzeugen und speichern.

Auf die Analyse folgt die Konzeption. Kommunale Wärmeplanung ist mehr als nur ein politisch erzwungenes Vorhaben. Kommunen setzen sich zeitliche gestaffelte Zielvorgaben, wann welcher Grad der Dekarbonisierung auf dem Weg zur vollständigen Klimaneutralität erreicht werden soll.

Kommunale Wärmeplanung als Katalysator

Darauf basierend werden die konkreten Planungen und deren Umsetzung festgehalten. Ohne diese mehr oder weniger genau beziffern zu wollen, sieht Nienaber enorme Potenziale für Fernwärmeprojekte im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung.

Mit dieser Einschätzung steht er keineswegs allein da. Unter anderem hat der Landtag Baden-Württembergs es im Zuge einer umfassenden Novelle des Klimaschutzgesetzes allen Stadtkreisen und Großen Kreisstädten zur Pflicht gemacht, dem jeweils zuständigen Regierungspräsidium bis Ende 2023 einen kommunalen Wärmeplan vorzulegen. Ein ähnliches Gesetzesvorhaben auf Bundesebene ist gerade in Vorbereitung.

Dänemark als Vorbild

Ein Blick lohnt sich auch in den Norden: In Dänemark wird die kommunale Wärmeplanung schon seit den Ölkrisen der 1970er Jahre verpflichtend praktiziert. Die Zahlen sind entsprechend beeindruckend: Zwei von drei Haushalten des relativ dünn besiedelten Landes werden mit Fernwärme versorgt, die im Winter vielfach aus im Sommer per Solarthermie aufgeheizten Erdbeckenspeichern kommt.

Nahe der Ortschaft Vojens, rund 60 Kilometer nördlich von Flensburg in der Region Syddanmark gelegen, plante Ramboll eine Anlage mit dem Fassungsvermögen von 200 Millionen Litern Heißwasser. Sie versorgt 2000 Haushalte mit Wärme.  (hcn)

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