Die Stadtwerke Augsburg (SWA) haben mit der Partnerfirma Exytron eine dezentrale Power-to-Gas-Anlage in einer bestehenden Wohnanlage in Betrieb genommen. Dies sei weltweit ein Novum, so die Unternehmen. "Diese innovative Smart-Energy-Technologie ist ein enormer Gewinn für den Klimaschutz und die Luftreinhaltung in Augsburg", so Stadtwerke-Geschäftsführer Alfred Müllner.
Das Konzept: In einem zunächst (nach KfW 100) sanierten Wohnblock mit knapp 5400 Quadratmetern Wohnfläche der Wohnbaugruppe in der Augsburger Marconistraße wurde eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert. Der Strom wird bevorzugt direkt von den Mietern verbraucht oder dazu genutzt, um in einer Elektrolyseanlage Wasserstoff zu erzeugen. Dieser wird umgehend mit dem Kohlendioxid aus der späteren Verbrennung zu synthetischem, regenerativem Erdgas umgewandelt und kann gespeichert werden. Bei Bedarf wird aus dem so gewonnenen Erdgas mit einem Blockheizkraftwerk und Brennwertthermen Wärme und Strom für die Mieter erzeugt.
"Ein geschlossener Kreislauf"
"Bei dem System handelt es sich um einen geschlossenen Kreislauf", erklärt Stadtwerke-Projektleiter Karl-Heinz Viets. Die Abwärme aus der Elektrolyse und Methanisierung wird ebenfalls als Wärme für das Haus genutzt und das freiwerdende CO2 aus der Verbrennung im Blockheizkraftwerk und den Brennwertthermen wird aufgefangen und als Wertstoff ständig wieder für die Produktion von synthetischem Erdgas aus Wasserstoff eingesetzt. "Zudem entstehen bei der Verbrennung von regenerativem Erdgas kein Stickoxid und keine Feinstäube", so Viets.
Das Besondere: Der Strom aus der Photovoltaikanlage aber auch überschüssiger Strom aus dem Stromnetz lässt sich kurzfristig und saisonal mit dieser Power-to-Gas-Anlage speichern, erklärt Klaus Schirmer, Vertriebsleiter der Exytron GmbH. Die Rostocker Firma hat die Klein-Power-to-Gas-Anlage entwickelt. "Und weil jegliche Wärme, die bei dem Prozess erzeugt wird, im Gebäude genutzt werden kann, ergibt sich ein bisher unerreichter Nutzungsgrad von rund 90 Prozent", so Schirmer.
Geforderte Klimaschutzstandards leicht erreichen
Diese Power-to-Gas-Anlage kann den CO2-Fußabdruck des alten, sanierten Gebäudeblocks deutlich auf das vergleichbare Niveau eines im Bereich der Bestandsbauten bisher noch nicht erreichten Passivhaus-Plus-Standards absenken, heißt es seitens der Stadtwerke. Damit kann der erst für das Jahr 2050 vorgesehene Klimaschutzstandard der Bundesregierung sozial verträglich bereits heute für ältere Bestandsbauten umgesetzt werden. (al)



