Das Wasserkraftwerk Uppenborn 1 wurde vergangenes Jahr um eine PV-Anlage ergänzt. Gleiches ist am Standort Uppenborn 2 passiert.

Das Wasserkraftwerk Uppenborn 1 wurde vergangenes Jahr um eine PV-Anlage ergänzt. Gleiches ist am Standort Uppenborn 2 passiert.

Bild: © SWM

Flusswasser wird für immer mehr Versorger zu einer entscheidenden Heizquelle, um die Wärmewende-Ziele der Bundesregierung zu erreichen. Auch in Bayern als traditionelles Wasserkraft-Bundesland will man hier Potenziale erschließen. Eine neue Studie bestätigt – zumindest theoretisch – die Möglichkeiten zur Aquathermie bestehe in mindestens der Hälfte aller Städte und Gemeinden im Freistaat.

Erstellt wurde die theoretische Potenzialanalyse von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) im Auftrag von drei bayerischen Energie- und Wasserverbänden (VKU-Landesgruppe Bayern, VBEW/LVBW und VWB). Die Wissenschaftler:innen kamen zu einem theoretischen Flusswasser-Wärmepotenzial von 171 TWh pro Jahr. Erschlossen werden könnten diese Energiemengen über Wärmepumpen, wobei dem Wasser lediglich 1,5 Grad Celsius Wärme entzogen würden. Der jährliche Wärmebedarf des Freistaates in Höhe von 143 TWh ließe sich damit problemlos decken – zumindest rein bilanziell.

Ein Fünftel der Kommunen könnte Wärmebedarf vollständig über Gewässer-Wärme decken

Immerhin unterliegt die Energiegewinnung bei fließenden Gewässern, wie bei anderen erneuerbaren Quellen, auch saisonalen Schwankungen, beispielsweise beim Durchflussvolumen und der Temperatur. Diese Effekte müssten bei der Planung für künftige Anlagen-Standorte berücksichtigt werden, so die Studienautor:innnen. Insgesamt kommen gut 52 Prozent aller bayerischen Kommunen als künftige Aquathermie-Standorte in Frage. Hohe Deckungsgrade gibt es vor allem an Donau und Main sowie deren Zuflüssen. Rein theoretisch könnten laut Studie ungefähr ein Fünftel der Gemeinden im Januar ihre Wärmeversorgung sogar vollständig über die Flusswärme decken.

Gunnar Braun, Geschäftsführer des VKU Bayern betont: „Die ersten Nutzungen an den großen Flüssen und Seen in Europa haben uns motiviert, dieses Potenzial zu untersuchen. Dass unsere Studie nun ein erstes Werkzeug für die Kommunen und Versorger zur näheren Analyse in der Wärmeplanung und für die politische Diskussion liefert, war gemeinsames Ziel unserer drei Verbände.“

Synergien mit Wasserkraft nutzen 

Josef Rampl betonte seitens der VWB/LVBW: „Wasserkraftwerke sind in Bayern die Wiege der Stromgewinnung. Wir freuen uns sehr, dass die Pioniere der Stromerzeugung nun auch Standortvorteile für die innovative Gewinnung von Wärme aus den Gewässern bieten können. Die Wasserkraft stellt gleichzeitig den nötigen Strom für den Betrieb einer Wärmepumpe ortsnah zur Verfügung.“

Detlef Fischer, Hauptgeschäftsführer beim VBEW freute sich: „Wir haben bereits mit unserer FfE-Studie ‘Bayernplan Energie 2040’ gezeigt, wie wichtig die Transformation in der Wärmeversorgung ist. Mit dieser weiteren FfE-Studie konkretisieren wir unsere bisherige Arbeit. Das hohe nötige Tempo, die Ziele zur Klimaneutralität 2040 in Bayern zu erreichen, bekommt damit eine weitere realistische Umsetzungsoption. Die Wärmewende ist möglich.“ (lm)

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