Die Wärmewende in Baden-Württemberg bleibe "ein Trauerspiel" und komme nicht genügend rasch voran, beklagte jüngst die Plattform Erneuerbare-Energien Baden-Württemberg. "Wenn die Landesregierung die Wärmewende in der bisherigen Geschwindigkeit weiter betreibt, brauchen wir noch bis zum Jahr 2100, um die für den Klimaschutz notwendigen Ziele zu erreichen", so Jörg Dürr-Pucher, Vorsitzender der Plattform.
Vier zentrale Forderungen stellt der Dachverband: Die Wärmeversorgung sollte in den Katalog der Daseinsvorsorge aufgenommen werden. Zweitens müssen Fernwärmeschienen ausgebaut werden, um große Wärmemengen, zum Beispiel aus der Abwärme von Industriebetrieben oder aus der Tiefengeothermie, regional verteilen zu können. Zudem sei die massive Förderung großer Wärmepumpen nötig sowie die Privilegierung und Förderung von großen Solarthermieanlagen.
Stromwende bestimmt nach wie vor die Diskussion
Es muss sicherlich mehr getan werden, aber es passiert schon vieles. So reagieren das Umweltministerium und die KEA-Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg gegenüber der ZfK auf die Kritik. "Natürlich wäre aus unserer Sicht ein mutigerer Schritt in die Wärmewende sinnvoll, wie ihn ja auch Frau von der Leyen fordert", sagt Volker Kienzlen, Geschäftsführer der KEA-BW.
Auch das Umweltministerium räumt ein, dass meist noch die Stromwende die Diskussion bestimme. Dies sei "angesichts der gewaltigen CO2-Emissionen des Wärmesektors und der relativ geringen Fortschritte in diesem Sektor nur schwer verständlich" und es müsse noch "viel mehr getan werden", so Sprecher Matthias Schmid.
Nur 16 Prozent des Endenergieverbrauchs der Wärmeversorgung erneuerbar
Nur rund 16 Prozent des Endenergieverbrauchs für die Wärmeversorgung in Baden-Württemberg würden derzeit aus regenerativen Quellen gedeckt, dies entspreche etwa 21 Terrawattstunden pro Jahr. Den mit Abstand größten Anteil habe dabei die direkte Verbrennung von Biomasse. Genaue Angaben zum Ausbaustand der Wärmenetze könnten aufgrund der heterogenen Betreiberstruktur nicht gemacht werden, so das Umweltministerium.
Doch Indizien zum Ausbaustand lieferten Analysen der Förderprogramme der BAFA und der KfW. Seit 2009 seien im Rahmen der einschlägigen Programme etwa 1600 neue Trassenkilometer in Baden-Württemberg gefördert worden, durch das Land seien seit 2016 zusätzlich Wärmenetze mit einer Länge von 124 Kilometer gefördert worden.
"Wärmeplanung entscheidende Grundlage"
Einen wichtiger Hebel, um eine möglichst klimaschonende Versorgung voranzubringen sehen das Umweltministerium und die KEA-BW in der verpflichtenden kommunalen Wärmeplanung für die 103 Großen Kreisstädte und Kreisfreien Städte, welche in Baden-Württemberg laut dem jüngst verabschiedeten Klimaschutzgesetz künftig greift.
"Mit der Wärmeplanung legt das Klimaschutzgesetz die entscheidende Grundlage für den Weg der Kommunen zur klimaneutralen Wärmeversorgung", sagt Kienzlen. Er verweist auf einen vorgesehenen kommunalen Maßnahmenkatalog und darauf, dass die Landesregierung für die Umsetzung die Förderung regionaler Beratungsstellen für die Wärmeplanung und effiziente Wärmenetze als neutrales Unterstützungsangebot für Kommunen plane.
Neues Förderprogramm für große Wärmeschienen in der Mache
Stärker voranbringen möchte das Umweltministerium auch große Wärmeschienen, in welche verschiedene erneuerbare Energieträger integriert sind. Derzeit befinde sich ein Förderprogramm zur kommunalen Wärmeplanung in Entwicklung, in dem auch die die Wärmeplanung in Konvois, also überkommunalen Zusammenschlüssen gefördert werde.
Auch soll das Landesprogramm für effiziente Wärmenetze weiterentwickelt werden, um künftig beispielsweise große Wärmepumpen und Pufferspeicher für Wärmenetze stärker zu fördern, so das UM. Um genügend Flächen für große Solarthermieanlagen zu sichern, stelle sich zudem die Frage, ob auf Landesebene planerische Vorgaben erlassen werden können, wie Flächen Kommunen für flächenintensive Zwecke der energetischen Nutzung, sei es Solarthermie, Photovoltaik oder Windkraft bereitstellen müssten. (hcn)
Mehr zur Wärmewende lesen Sie in der kommenden November-Ausgabe der ZfK, die am 9. November erscheint.



