„Holzenergie im gesellschaftlichen Dialog“ war nur ein Forum des diesjährigen CARMEN-Symposiums (9./10. Juli) auf der Festung Marienberg in Würzburg. Doch beim Thema Holz kam es zu einer sehr lebendigen und kontrovers geführten Diskussion. Schließlich hat der Brennstoff stark an Image eingebüßt in jüngster Zeit. „Holzenergie wurde lange Zeit als eine der beliebtesten und nächsten Lösungen für den Klimawandel gehypt. Doch heute wird Biomasse zunehmend als Teil des Problems betrachtet“, meinte Sabine Froning, Geschäftsführende Gesellschafterin der Hamburger Agentur Communication Works.
Viele Zuhörer stimmten mit ihr überein, dass Holzenergie ihren guten, unbefleckten Ruf verloren habe. Selbst Moderator Herbert Borchert von der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft bemerkt „den Wind, der uns aus allen Richtungen entgegen bläst“. Bei der Analyse der Situation erklärte Froning die Ursache für den Imagewandel: „Weil Sie im digitalen Raum nicht präsent sind“, und meinte damit die Holzenergie-Experten. Diesen Raum überlasse man den Kritikern. Es reiche heute nicht mehr, nur in Insider-Zirkeln oder mit der Politik zu reden: „ Die Bürger müssen beteiligt werden.“
"Ein einziger Skandal wird ausgelutscht"
Dass sie einen wunden Punkt traf, zeigte die Reaktion von Thomas Siegmund. Der Geschäftsführer des Fachverbands Holzenergie widersprach der Kommunikations-Expertin: Tagesmedien seien Trendfolger des Internet, führte er an. Und: „Ein einziger Skandal wird ausgelutscht.“ Doch er gab auch zu: „Ein großes Defizit der Holzbranche ist die positive Kommunikation.“
Und beim Thema einfache Kommunikation verwies Froning auf den Titel von Siegmunds Vortrag „RED II – Nachhaltigkeitskriterien für die Holzenergie“. „Wer auf der Straße weiß, was RED II ist?“ fragte sie in die Runde. Und sie erntete selbst bei einigen der anwesenden Fachleute zustimmendes Nicken.
RED II – Mindeststandards für die Effizienz
Dabei ist RED II ein wichtiges Thema für die Branche. Die Europäische Union habe diese Mindeststandards für die Effizienz von Biomasseanlagen schon lange verkündet. 2021 treten sie in Kraft, also in weniger als zweieinhalb Jahren. Wenn Thomas Siegmund von Anlagen-Herstellern und –Betreibern fordert, bereits jetzt über die Zertifizierung nachzudenken, fühlt man sich an die Diskussion um die Datenschutzgrundverordnung DSGVO im Mai 2018 erinnert: Viele Firmen und Behörden gingen erst in den letzten Wochen vor Ende der Übergangsfrist an die Umsetzung; zuvor ignorierten sie die DSGVO geflissentlich.
Wegen der „nicht trivial einzuhaltenden Kriterien“ sah Siegmund „RED II für Deutschland als großen Bürokratismus“: Es werde kaum Holz importiert, und inländische Bäume würden ohnehin nachhaltiger bewertet. Doch der Holzenergie-Geschäftsführer vermisste bei vielen Betroffenen schlicht das Nachdenken, was nach 2021 sein wird.
Noch tiefer in die negativen Schlagzeilen?
Siegmund sah sogar die Gefahr, dass Biomasse noch weiter in die Negativschlagzeilen rutschen könnte: Die von der EU geforderte Mindesteffizienz von 38 Prozent für reine Strom- aus Holz-Kraftwerke „öffnet Tür und Tor, alte Kohleblöcke weiter zu betreiben, dann eben mit Holz.“ Dass die Holzbranche hier mit den Umweltverbänden einer Meinung sei, bekomme aber die Öffentlichkeit gar nicht mit.
Während des CARMEN-Symposiums wurde der „Förderpreis Nachwachsende Rohstoffe“ der Bayerischen Staatsregierung vergeben. Er ging an die SWW Wunsiedel GmbH und die Zukunftsenergie Fichtelgebirge GmbH. Ausgezeichnet wurden deren regionales Energieversorgungskonzept mit Holz samt dem Vermarktungskonzept Fichtelgebirgsstrom. Beim SWW-Konzept spielt unter anderem das Nahwärmenetz im Ortsteil Schönbrunn eine große Rolle: Seit über fünf Jahren liefert hier ein Holzgas-Blockheizkraftwerk Strom und Wärme aus Pellets. Der Brennstoff wird vor Ort hergestellt.
Den Festvortrag bei der Verleihung hielt Ministerialdirigent Maximilian Geierhos, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Die Nutzung von Biomasse sei an einem Scheideweg angekommen, so Geierhos. Es gebe bereits hohe Anteile im Energiebereich und gleichzeitig immer schwierigere
Rahmenbedingungen für Biomasse. „In dieser Situation kommt immer häufiger der Ruf nach einer stofflichen Verwertung von Biomasse.“ In diesem Bereich werde zwar eine überschaubare Menge umgesetzt, allerdings mit einer höheren Wertschöpfung als im Energiebereich und einem enormen Wachstumspotenzial. „Biobasierte
Produkte in der energetischen Nutzung und auch in der technisch-chemisch-stofflichen Nutzung sind längst auf dem Vormarsch“, betonte Geierhos. (wra/al)



