"Zukünftig werden Stadtwerke keine Geschäftsmodelle in der Wärme ohne Förderprogramme mehr am Markt durchsetzen", sagte Roland Monjau, Prokurist der BBH-Consulting beim Vortrag "Hürden und Erfolgsfaktoren der Wärmewende" anlässlich der Klimakonferenz der Energierechtskanzlei Becker Büttner Held (BBH) in Berlin. 2022 bis 2023 sei für Unternehmen zudem der richtige Zeitraum, um sich mit der eigenen Wärmestrategie auseinander zu setzen.
Denn die Mehrzahl der relevanten Normen des Wärmegeschäfts werden in den nächsten Jahren oder wurden bereits geändert. Daneben baue die Bundesregierung eine Förderlandschaft für effiziente Gebäude und Netze mit technologischer Präferenz auf erneuerbare und strombasierte Wärmeerzeugungstechnologien auf.
Mehr Stakeholder betroffen
Unter anderem sieht der Koalitionsvertrag vor, dass spätestens ab Anfang Januar 2025 jede neue eingebaute Heizung auf der Basis von 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben wird. Aktuell soll der Umbau sogar möglichst 2024 erfolgen.
In der Wärme strebt die Regierung zudem einen sehr hohen Anteil der Erneuerbaren an und will bis 2030 die Hälfte der Wärme klimaneutral erzeugen. Im Vergleich zum Strombereich gebe es bei der Wärmewende noch deutlich mehr Stakeholder. "Hier sind knapp 40 Mio. Haushalte betroffen", sagte Monjau. "Es geht sozusagen um das Betongold."
CO2-neutrale Wärme ist wettbewerbsrelevant
Erneuerbarer Strom und Wärmepumpen stellten dabei die politisch gewollten Technologieoptionen dar. Daneben schaffe etwa die Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) neue Anreize: Insgesamt 3 Mrd. Euro stehen bereit, um das Ziel von 100 Prozent erneuerbarer Wärme oder Abwärme zu erreichen.
"CO2-neutrale Wärme ist zukünftig nicht nur ein Verkaufsargument, sondern auch grundlegende Verpflichtung", betonte der Diplom-Ingenieur. "Wenn ein Unternehmen nicht CO2-neutral oder in der Übergangszeit CO2-arm liefern kann, hat es einen signifikanten Wettbewerbsnachteil."
Laufzeiten von Wärmelieferungsverträgen
Auch bei der Vertragsgestaltung kommen auf viele Energieversorger Änderungen zu. So wird die Vertragslaufzeit von Wärmelieferungsverträgen künftig auf maximal zehn Jahre begrenzt, erläuterte Ulf Jacobshagen, Rechtsanwalt und Partner, BBH. Bei bestehenden Verträgen ist unter Umständen sogar nur eine Höchstlaufzeit von fünf Jahren erlaubt.
Für Versorgungsunternehmen wird es zudem schwerer, Preisänderungsklausen einseitig anzupassen. Dies sei häufig nur bei einem Wechsel des Energieträgers möglich, wie der Jurist ausführte. Zudem wird Biomethan als Brennstoff in KWK-Anlagen künftig nicht mehr förderfähig sein. "Das Ziel der Politik ist es, stranded investments in nicht nachhaltige Wärmeversorgungstechnologien zu verhindern", so Jacobshagen.
Kommunale Wärmepläne werden Pflicht
Weiterhin soll es 2023 ein neues Gesetz zur Wärmeplanung geben, die Kommunen müssen dann innerhalb von drei Jahren Wärmepläne erstellen. Damit soll die Planungssicherheit für Investitionen in die Wärmeversorgung erhöht werden. "Es wird eine verbindliche Orientierung für alle Akteure geben, in welchem Gemeindegebiet welche Wärmeversorgung stattfinden soll", so der Rechtsanwalt.
Künftig werde der ordnungspolitischen Rahmen den Absatz formen und dadurch Handlungsdruck auf die Unternehmen ausüben, ist sich daher Berater Monjau sicher. Stadtwerke-Chefs müssten sich fragen, wie sie mit dem Eigenkapital ihres Unternehmens umgehen. Denn die Wärmewende werde extrem kapitalintensiv.
Transformationen beschleunigen
Zudem würden die Projekte kleinteiliger, weil sich strombasierte Lösungen, Wärmeerzeugung aus Verbrennung und Wärmenetze ergänzen. "Bis spätestens Ende 2030 müssen sich Stadtwerke Gedanken gemacht haben, was mit ihrer Gasinfrastruktur passiert", unterstrich Monjau.
Die Ukraine-Krise habe die bereits antizipierte Wärmewende enorm beschleunigt. "Der Abschied von der konventionellen Wärmeerzeugung ist unumstößlich", so der Ingenieur. "Stadtwerke müssen sich anpassen, weil der Recht- und Förderrahmen massiven Druck erzeugt." Außerdem müssten Transformationsprozesse bei Investitionstätigkeiten und Geschäftsmodellen noch schneller neu ausgerichtet werden. (jk)



