Bei der Drewag läuft am GuD-Kraftwerk Nossener Brücke seit Mai ein Elektrodenheizkessel mit 40 MW Leistung im Probetrieb. Die wesentlichen technischen Herausforderungen seien zusammen mit dem Hersteller, des dänischen Spezialunternehmens BVA, inzwischen gemeistert, so dass der Regelbetrieb in absehbarer Zeit begonnen werden kann.
Rutger Kretschmer, Bereichsleiter Kraft- und Heizwerke bei der Drewag, rechnet noch für dieses Jahr damit, dass die Anlage mit extrem hohen Lastgradienten am Primärregelmarkt teilnehmen kann. "Wir sind für alle Segmente zertifiziert und rechnen uns gute Chancen dafür aus, bei den Auktionen aufgerufen zu werden", so Kretschmer.
Statt teurer Schalttechnik hoher Aufwand für selektive Sicherung
Die Dresdner betreten eigenen Angaben zufolge technisches Neuland mit ihrer PtH-Anlage, die rund sieben Mio. Euro gekostet hat. Der Elektrodenkessel nutzt über Stahlelektroden direkt in ein mit Natronlauge dotiertes Wasser geleiteten dreiphasigen Wechselstrom mit 10 kV Spannung. Dieser wird direkt am Generator des benachbarten Kraftwerkes abgeleitet, um die Netzentgelte und Umlagen nicht zahlen zu müssen. "Das hat uns einerseits Investitionskosten für die sonst notwendigen Schalteinrichtungen erspart, die auf der 110 kV-Ebene im Millionenbereich liegen", berichtet Kretschmer. Allerdings tauchten hier auch bislang unbekannte Probleme vor allem mit der selektiven Schutzschaltung auf, weil diese Technologie bislang nicht in dieser Größenordnung umgesetzt war. Die Inbetriebnahme war ursprünglich bereits vor einem Jahr vorgesehen.
"Wir mussten zusammen mit dem Hersteller eine Lösung finden, um solche Impendenzen zu definieren und einzuhalten, damit im Störungsfall des Elektrodenkessels der Kraftwerksbetrieb weiterlaufen kann", erklärt Projektleiter Lars Kaulfuß das Problem. Es ist inzwischen gelöst, wobei sogar das Strömungsverhalten des Kesselwassers optimiert werden musste. Die Drewag, die auch bei derzeit laufenden Ausbau des zweiten Kraftwerksstandortes in Reick weitere Anschlussmöglichkeiten für ähnliche Anlagen vorbereitet, habe aus dem deutlich länger als geplant laufenden Aufbau- und Inbetriebnahmeprozess viel lernen können, was aber wohl auch für den Hersteller gelte.
Primärregelleistung und Strompreisschwankungen
Zusätzlich werde der Elektrodenheizkessel zunächst immer dann laufen, wenn die Strompreise durch ein zeitweiliges Überangebot im Keller sind. Kretschmer will hier keine Zahlen nennen, erwähnt aber zwei Wochenenden im Juni, an denen die Börsenpreise bis auf 80 Euro in den negativen Bereich stürzten. "Mit dem Ausbau der Einspeisung aus erneuerbaren Quellen werden diese Schwankungen ebenso zunehmen wie auch die Leistung der Kraftwerke für die Residuallast vor allem aus dem Kohle- und Kernkraftbereich sinkt", so der Kraftwerks-Bereichsleiter. Er rechne deshalb damit, dass die Zeiten für den lohnenden Einsatz der Heizkessel deutlich steigen wird, räumt aber ein, dass die Drewag hier ein unternehmerisches Risiko eingegangen sei.
Dennoch sei auch eine vernünftige Neuregelung für die Umlagen und Steuern auf PtH zwingend erforderlich. "Das ist eine immer wichtiger werdende Systemdienstleistung für das Netz, hier muss die Politik endlich handeln, auch weil immer öfter abgeregelt werden muss!", fordert Kretschmer – wohl auch mit Blick auf die unterschiedlichen Interpretationen der Paragrafen im Energiewirtschaftsgesetz für die Fälligkeit der Umlagen.
20 MW in weniger als 30 Sekunden
Immerhin kann der Elektrodenkessel innerhalb von weniger als 30 Sekunden 20 MW Leistung bereitstellen, zudem bietet ein kleiner Pufferspeicher mit 20 MWh auch eine Kurzzeit-Reserve für das Fernwärmenetz. Dieser wird benötigt, um einerseits die erforderliche Zeit für Regelungen im Wärmekreislauf der Stadt zu bekommen, zum anderen aber auch, um die Kesselwerte von 130 Grad an die Vorlauftemperatur im Netz von 111 Grad Celsius angleichen zu können. (masch)



