Marcus O. Wittig ist Vorsitzender der Geschäftsführung des Duisburger DV-Konzerns und Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Duisburg AG.

Marcus O. Wittig ist Vorsitzender der Geschäftsführung des Duisburger DV-Konzerns und Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Duisburg AG.

Bild: © Stadtwerke Duisburg

Der Chef der Stadtwerke Duisburg (SWDU) und Vorsitzende der Duisburger DVV-Holding, Marcus O. Wittig, findet es  "traurig", wie wenig Fürsprache das Thema Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) bei der aktuellen Bundesregierung erfährt. Das 2016 verabschiedete KWK-Gesetz (KWK-G) sollte bis Ende 2019 laufen. Bereits zur Hälfte der Laufzeit habe man das Gesetz durch die Einführung der KWK-Auktionen maßgeblich verändert. "Wir müssen über langfristige Investitionen im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich entscheiden und die Gesetze haben nicht einmal ein paar Jahre Bestand, das halte ich schon für sehr fragwürdig", so Wittig im Gespräch mit der ZfK. Mit Blick auf die Kohlekommission hofft er deshalb auf klare Richtlinien und Entscheidungen und nicht auf ein "Ping-Pong-Spiel wie beim Atomausstieg".

Chance für dezentrale Erzeugungsanlagen

Der mehrheitlich kommunalen Stadtwerke Duisburg arbeiten seit  längerem an ihrer künftigen Wärmestrategie. Diese basiert auch auf der Annahme, dass das Zusammenwachsen der Sektoren Strom und Wärme die Rolle der KWK verändert. Die Stadtwerke Duisburg hoffen davon zu profitieren. So könnten Häuser oder Wohnquartiere mit Blockheizkraftwerken (BHKW) ausgestattet und mit dem dort produzierten Strom Wärmepumpen betrieben werden. Je weniger konventionelle Erzeugung am Markt durch Großkraftwerke verfügbar ist, desto größer sehen die Stadtwerke die Chance für dezentrale KWK-Erzeugungsanlagen. Zusammen mit dem Tochterunternehmen ThermoPlus betreiben die SWDU derzeit etwa zehn KWK-Anlagen kleinerer Größe.

"Unser Programm ist entstanden auf der Grundlage vielerlei Aussagen zum KWK-Gesetz im vergangenen Jahr. Da ging es auch darum, wie man die Wärmewende nach vorne bringt", sagt Wittig. Durch die bisher nicht erfolgte Verabschiedung des 100-Tage-Gesetzes bleibe aber unsicher, ob die Prämissen und Parameter, auf denen die bisher vorgesehene KWK-Strategie beruhe, Bestand habe. "Wir sind davon ausgegangen, dass die Braun- und Steinkohle immer weiter zurückgefahren werden und gleichzeitig die Bedeutung der KWK-Anlagen zunimmt, zumindest im Gasbereich", erklärt der kommunale Spitzenmanager. Wie die künftigen Rahmenbedingungen aussehen werden, wisse man aber erst wenn der Referentenentwurf nach der Sommerpause verabschiedet wird.

Fernwärmeabsatz ließe sich theoretisch verdoppeln

Grundsätzlich gehe es bei der künftigen Wärmestrategie der SWDU nicht nur um Nah- und Fernwärme, sondern um alle wärmebasierten Prozesse, so Wittig. Neben dem Thema Neuanschlüsse beschäftige man sich auch mit der Frage, wo man in Gebieten mit Gas- und Fernwärmeanschlüssen auf einen Energieträger fokussieren könne. Aktuell setzen die Stadtwerke rund 700 GWh an Fernwärme ab und versorgen rund 70000 Haushalte. Vom Potenzial her könnte man den Absatz durch einen Fernwärmeausbau fast verdoppeln, sagt Wittig. Doch das ist Theorie.

Auch neue Energiekonzepte wie der Bau von Blockheizkraftwerken in Kombination mit PV-Anlagen in Neubaugebieten werden geprüft. Hierbei handelt es sich um Quartierslösungen. Scheint die Sonne, kommt der Strom dabei vom Dach und andernfalls aus dem Heizungskeller: Neubauviertel aber auch sanierte Altbauten würden mit kleineren BHKW oder auch Abwärme aus lokalen Quellen versorgt. Grundsätzlich spielten die Stadtwerke Duisburg im Wärmebereich alle möglichen Optionen durch. "Wir betrachten alle Szenarien und am Ende entscheiden die Zahlen und die Zukunftsfähigkeit", sagt Marcus Wittig. Wenn die Wärmestrategie mit dem Aufsichtsrat diskutiert ist, soll Ende des Jahres eine finale Entscheidung getroffen werden.

Ausstieg aus Kohleverstromung und neuer Wärmespeicher

Die SWDU haben im laufenden Jahr bereits mehrere zentralen Eckpunkte ihrer neuen Erzeugungsstrategie umgesetzt. Das in Kraft-Wärme-Kopplung betriebene Steinkohle-Heizkraftwerk am Unternehmenssitz wurde im März stillgelegt. Im August hat der neue Fernwärmespeicher der Stadtwerke Duisburg auf dem Gelände des GuD-Kraftwerks im Stadtteil Wanheim den Probebetrieb aufgenommen. Zusätzlich flexibilisiert wird die Wärmeerzeugung durch eine neu geschaffene Anschlussleitung zur Fernwärmeschiene Niederrhein. (hoe)

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