Das Energiewende-Navigationssystem (E-Navi) entsteht im Rahmen des vom Bundesforschungsministerium geförderten Kopernikus-Projektes. Damit wollen die Forscher die Wirkungen und Nebenwirkungen von wirtschaftlichen, politischen, rechtlichen, technischen oder sozialen Maßnahmen im Voraus abschätzen. Im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sollen realistisch umsetzbare Lösungen entstehen, die in Reallaboren und Modellregionen erprobt werden.
60 Verbundpartner, darunter Forschungseinrichtungen, Uni-Institute, Unternehmen, Gebietskörperschaften, mehrere Stadtwerke und Nichtregierungs-Organisationen, arbeiten hierbei zusammen. Koordiniert wird es vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam. Am Mittwoch (24. Oktober) startete das dritte, zweitägige Konsortialtreffen in Berlin des Forschungsprojektes. Es ist auf zehn Jahre angelegt, die erste Phase läuft Ende kommenden Jahres aus.
Auswirkungen des Erneuerbaren-Ausbaus auf die Fernwärme mitdenken
Einfache Antworten und eindeutige Empfehlungen waren zum Auftakt des Forschertreffens, das auch eine vorläufige Zwischenbilanz über die Schwerpunkte Transformation des Stromsystems, Wärme und Verkehr zog, nicht zu hören. Klar wurde jedoch, wie wichtig es ist, auch bei der Energiepolitik „unbeabsichtigte Wirkungen gleich mitzudenken“ und nicht eindimensional zu entscheiden, so Ortwin Renn, Wissenschaftlicher Direktor des IASS; so beispielsweise die sozialen Auswirkungen des Kohleausstiegs oder die Auswirkungen eines ambitionierten Ausbaus der erneuerbaren Energien auf die Fernwärmeversorgung und die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Auch sollten Ausbaupfade für Erneuerbare auch gleich deren soziale Akzeptanz und Naturverträglichkeit im Augen haben, wie ein Vertreter des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) unterstrich.
Ein wichtiger Arbeitsbereich des E-Navi ist die Wärmewende im Rahmen der Sektorenkopplung. Christoph Kost vom Fraunhofer-ISE ging hierbei auf ein ganzes Bündel wichtiger Hemmnisse ein, die im Rahmen des Forschungsvorhabens bisher identifiziert werden konnten. So der langfristige Charakter und die hohen Kosten der energetischen Sanierung, hohe Technologiekosten für klimafreundliche Wärmesysteme, eine unzureichende CO2-Bepreisung sowie kontraproduktive Abgaben, Umlagen und Steuern, die einen Stromeinsatz im Wärmebereich verhindern. Dazu kommt eine Unwissenheit von Akteuren, fehlende Informationsangebote zu klimaverträglichen Wärmetechnologien sowie der Einfluss von lokalen Akteuren wie Architekten oder Handwerkern auf die Nutzerpräferenzen.
Abgaben auf Energieträger im Wärmebereich vereinheitlichen
Als Lösungsansätze eruierten die Forscher folgende Maßnahmen: Die Vereinheitlichung der Abgaben auf Energieträger im Wärmebereich (insbesondere Strom und Erdgas), eine allgemeine Bepreisung von CO2-Emissionen über das jetzige Europäische Emissionshandelssystem (ETS) hinaus, eine Harmonisierung des Rechtsrahmens für den Gebäudesektor sowie die Regulierung der leitungsgebundenen Wärme. Diese ersten Vorschläge sollen nun in Workshops zusammen mit sogenannten Stakeholdern diskutiert und Lösungen und Maßnahmen entwickelt werden, die dann in Reallaboren getestet werden. (hcn)



