Überblick über die Geologie in Nord-West-Europa.

Überblick über die Geologie in Nord-West-Europa.

Bild: © Geologischer Dienst NRW

Nordrhein-Westfalen setzt große Hoffnungen auf die zukünftige Nutzung der Geothermie. Das Land hat andere geologische Strukturen als der Großraum München, wo die Technologie bereits seit 20 Jahren eingesetzt wird. Für NRW bieten nach Ansicht von Ulrich Pahlke, Direktor des Geologischen Dienstes in Nordrhein-Westfalen (GD NRW), die Kohlenkalk-Karbonate des Unterkarbons ein ähnlich hohes Potenzial. In Belgien und den Niederlanden wird es schon seit vielen Jahrzehnten erfolgreich genutzt.

In NRW ist bislang nur eine Tiefengeothermie-Anlage in Betrieb. Sie beheizt seit vielen Jahren das Schwimmbad „Nass“ in Arnsberg über eine tiefe Wärmesonde. Voraussetzung für weitere Schritte ist eine geothermale Charakterisierung des Untergrundes von NRW. Dafür hat der GD NRW das Projekt „DGE-Rollout“ (deep geothermal energy) gestartet.

NRW ist Lead Partner

Dabei handelt es sich um ein „transnationales Vorhaben mit 18 Partnern aus sechs Ländern, bei dem der GD NRW die Funktion des Lead Partners übernommen hat“, sagt Pahlke in einem Interview mit der EnergieAgentur.NRW. Ziel sei es, die Nutzung der in Tiefen von 1000 Metern und mehr, vorhandenen Erdwärme, also der tiefen Geothermie zu fördern. Mithilfe der Tiefengeothermie soll vor allem Wärme produziert werden.

Das Forschungsprojekt soll auch die Risiken für die potenziellen Nutzer und Investoren transparenter machen. „Eine wichtige Herausforderung ist es, das standortbezogene Fündigkeitsrisiko finanziell so abzusichern, dass Investitionen in diesem Sektor erst möglich gemacht werden“, sagt Pahlke. Denn die anfänglich notwendigen hohen Kosten der Exploration hemmen noch den Ausbau der tiefen Geothermie.

Bergbau-Erfahrungen nutzen

Neben den geologischen Voraussetzungen hat NRW noch weitere Voraussetzungen für eine Geothermie-Nutzung. Das Land verfügt über eine sehr gute Abdeckung mit Fernwärmenetzen. Eine Konversion der konventionellen Fernwärme hin zu nachhaltigen Wärmequellen wird in dem Projekt DGE-Rollout unter anderem am Braunkohlekraftwerk Weisweiler untersucht. Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass Behörden und Unternehmen große Erfahrung in bergbaurelevanten Fragen haben. Führende Explorationsunternehmen des Geothermiesektors kommen aus NRW.

„Dies alles sollten wir in NRW jetzt zusammenführen, denn ohne die Nutzung von tiefer Geothermie wird unser Land die gesteckten Klimaziele nicht erreichen können“, sagt Pahlke. Im Energiemix der Zukunft wird die tiefe Geothermie eine deutlich größere Rolle spielen als bisher. In den nächsten zehn Jahren werden neue Pilotanlagen entstehen, die zum Ausbau der Technologie und zu einer CO2-Reduktion führen werden. „Ich gehe davon aus, dass es in 20 Jahren in NRW viele Unternehmen, Gemeinden und Ballungsräume geben wird, die ihren Wärme- und/oder Strombedarf mit tiefer Geothermie decken werden“, sagt Pahlke. „Um es etwas poetisch auszudrücken: Es liegt ein Schatz unter unseren Füßen, wir müssen ihn nur heben.“ (hp)

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