Nicht nur wegen des kühleren Wetters haben die Heizkosten in Deutschland im Abrechnungsjahr 2019 angezogen.

Nicht nur wegen des kühleren Wetters haben die Heizkosten in Deutschland im Abrechnungsjahr 2019 angezogen.

Bild: © Sina Schuldt/dpa

Die Konsultation zum Umstieg auf erneuerbare Wärme ist beendet. Sechs Wochen lang hatten Akteure aus Energie- und Immobilienwirtschaft, sowie Mieter-, Sozial- und Verbraucherverbände Zeit, auf das neue Konzept des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) zu reagieren.

"Angesichts der eskalierenden fossilen Energiepreiskrise ist es richtig vom Gesetzgeber, die Vorgabe zur Einhaltung Erneuerbarer Wärme gesetzlich zu fixieren und vorzuziehen", kommentiert etwa Simone Peter, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE). "Gleichfalls wäre es wünschenswert gewesen, das Startdatum bereits auf den 1. Januar 2023 zu legen."
 

Individuelle Wohnsituation

Wichtig sei nun, dass den Verbraucher*innen bei der Erfüllung dieser Vorgabe ausreichend Freiraum gelassen werde, um eine passgenaue erneuerbare Wärmelösungen für ihre individuelle Wohnsituation zu ermöglichen, so die BEE-Präsidentin weiter. "Ein 'One size fits all' wird es nicht geben."

Ähnlich sieht das Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender desDeutscher Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW). "Nur ein technologieoffener Ansatz führt zu einer technisch machbaren, sozialverträglichen sowie zeit- und kostenoptimierten Wärmewende", so der Verbandschef. "Mit Blick auf die Heterogenität des Gebäudebestands bedarf es aber auch in Zukunft verschiedener klimaneutrale Energieträger, Infrastrukturen und Heiztechnologien."

Bedarf an grünen Gasen

Nach Berechnungen des DVGW würde für die Erfüllung des 65-Prozentanteils für 600.000 verbaute Gasheizungen pro Jahr ein jährlicher zusätzlicher Grüngas-Bedarf von 8 bis 16 TWh bei einem durchschnittlichen Heizwärmebedarf bestehen.

Diese Menge wäre in Form von Biomethan ab 2024 etwa durch eine sukzessive Umrüstung des Biogasanlagenbestands zu heben und könnte dem Endkunden bilanziell zur Verfügung gestellt werden. Spätestens ab 2030 könne der Wärmesektor auch mit klimaneutralem Wasserstoff versorgt werden.

KWK-Anlagen vermisst

Der Bundesverband Kraft Wärmekopplung (B.KWK) vermisst hingegen Lösungen, die Kraft-Wärme-Kopplung einbeziehen. Dies gelte besonders in Kombination mit Wärmepumpen und Solaranlagen.

"KWK-Anlagen werden bei stromoptimiertem und wärmegedeckeltem Betrieb zur Abdeckung des Strombedarfs, wenn die Sonne nicht ausreichend scheint und beziehungsweise oder der Wind nicht ausreichend weht, zur flexiblen Abdeckung der 'Residuallast' (Netzlastverbrauch) gebraucht", erläutert Claus-Heinrich Stahl, Präsident des B.KWK.

Fast die Hälfte heizt mit Gas

Nach dem Koalitionsvertrag soll jede neu eingebaute Heizung mit mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energien betrieben werden. Im März hat die Bundesregierung entschieden, dieses Ziel auf Jahresanfang 2024 vorzuziehen. Ab dann soll die Regelung für jeden Heizungsaustausch in neuen oder bestehenden Gebäuden gelten.

Zur Umsetzung dieser Vorgabe hat das BMWK gemeinsam mit dem BMWSB ein Konzept erarbeitet, welches in einer öffentlichen Konsultation mit den betroffenen Akteuren diskutiert wurde. Zum Hintergrund: Über 80 Prozent der Wärmenachfrage wird derzeit noch durch die Verbrennung von Öl und Gas gedeckt, die zum allergrößten Teil importiert werden. Fast jeder zweite deutsche Haushalt heizt mit Erdgas. Bei den neu installierten Heizungen beträgt die Quote sogar 70 Prozent. (jk)

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