Die Stadt München will bis 2050 weitgehende klimaneutral sein und den Ausstoß an Treibhausgasen auf 0,3 Tonnen pro Kopf senken. Einen bedeutenden Teil nimmt dabei der Wärmesektor ein. So stießen die Gebäude in München 2014 einen wärmebedingtes CO2 in einer Größenmenge von 2,8 Mio. Tonnen aus.
Die Stadtwerke München (SWM) haben ihre Fernwärmevision 2012 bereits vorgestellt: Demnach wollen sie bis 2040 die komplette Fernwärme CO2-neutral erzeugen – überwiegende aus Geothermie.
Drei Anlagen liefern bereits Wärme für 30 Prozent der Münchner Haushalte
In Riem, Sauerlach und Freiham stehen inzwischen die ersten Geothermieanlagen und liefern Wärme. Damit werden etwa 30 Prozent der Münchner Wohnhäuser mit Fernwärme versorgt. Bis 2040 sollen 80 Prozent des Fernwärmebedarfs mit bereits errichteten und konkret geplanten Anlagen gedeckt sein. Für die restlichen 20 Prozent sind weitere Maßnahmen nötig.
Hier kommt die Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft (FfE) ins Spiel, die anhand des tatsächlichen Gebäudestands der bayerischen Hauptstadt herausfinden soll, welche Maßnahmen hier unter realen Bedingungen ergriffen werden können, damit die Fernwärme bis 2040 CO2-neutral ist.
Geothermie ist die effektivste Maßnahme zur CO2-Reduktion in München
In der Studie des FfE ergibt sich, dass im Münchner Wärmemarkt die Geothermie mit Abstand die effektivste Maßnahme ist. Ein weiterer entscheidender Hebel sei die Sanierung von Bestandsgebäuden. Außerhalb der Fernwärmegebiete würde die Umstellung von Öl auf Gas, die Effizienzsteigerung durch Kesselaustausch und Wärmepumpen in Einfamilienhäusern sowie weitere einzelne Maßnahmen ebenfalls viel zu einer CO2-Einsparung beitragen.
Wo keine Fernwärme verfügbar ist, seien Quartierskonzepte der richtige Weg: Dezentrale KWK und Wärmeerzeugungsanlagen nutzen Skaleneffekte, können optimiert betrieben werden und ermöglichen eine systemdienliche Sektorkopplung, so das Fazit.
Politische Unterstützung nötig
Werde die Fernwärme weiter ausgebaut, lasse sich das Einsparziel erreichen. Zusätzlich sei aber die Beimischung von erneuerbarem Gas nötig.
Zudem kommen die FfE-Fachleute zu dem Schluss, dass das Klimaschutzziel der Landeshauptstadt extrem anspruchsvoll sei. Daher seien auch erhebliche Anstrengungen und vor allem zusätzliche politische und finanzielle Unterstützung nötig, um das angestrebte Ziel zu erreichen.
Fazit der SWM
Die Stadtwerke sehen es als Voraussetzung, das ambitionierte Ziel zu erreichen, zunächst Akzeptanz für die Wärmewende innerhalb der Verwaltung als auch der gesamten Stadtgesellschaft zu schaffen.
Gegenüber anderen Städten verfüge man mit der Geothermie über entscheidende Vorteile. Sie "ist ein Glücksfall", betont SWM-Chef Florian Bieberbach auf der Pressekonferenz dazu. Er fordert aber auch, dass daer Ausbau und die Verdichtung des Fernwärmenetzes unterstützt werde. Stadt und Stadtwerke sollten daher gemeinsam dafür Sorge tragen, dass der Ausbau möglichst kosteneffizient erfolge.
Aktuelles Mietrecht stellt derzeit eine Barriere dar
Dem SWM-Chef fehlen derzeit zudem entscheidende Anreize zur Sanierung. Das aktuelle Mietrecht stehe sachgerechten Lösungen im Wege und erneuerbare Wärme in Fernwärmenetzen spiele in der bundespolitischen Diskussion noch kaum eine Rolle. Hier sei Unterstützung sowohl finanziell als auch politisch nötig. (sg)



