Ein nach dem Energiesprong-Prinzip saniertes Haus in den Niederlanden

Ein nach dem Energiesprong-Prinzip saniertes Haus in den Niederlanden

Bild: © Frank Hanswij/Energiesprong International

"Energiesprong" ist eine Initiative, die 2013 in den Niederlanden von der Regierung ins Leben gerufen wurde, um energetische Gebäudesanierungen bezahlbar, schnell und ohne großen Aufwand für Eigentümer und Mieter anzubieten. Seit vergangenem Jahr ist die dena daran, das Programm auch hierzulande zu etablieren. Auf den Energietagen in Berlin wurde einmal mehr deutlich, warum die Klimaziele für den Gebäudesektor nur mit dem seriellen Sanierungskonzept realisierbar sind.

"Wir wollen energetische Gebäudesanierungen für jeden bezahlbar machen", bringt Kristina Zimmermann, Seniorexpertin Kommunikation Energieeffiziente Gebäude bei der dena eines der Hauptziele von Energiesprong Deutschland auf den Punkt. Gelingen soll das durch Industrie 4.0. Nachdem die Bestandsgebäude mit einer 3D-Lasertechnik vermessen wurden, werden passgenaue Fertigbauteile von der Fassade bis zum Dach in einer Fabrik gefertigt. Die Vermessungsdaten werden hierfür vollautomatisch an die Fertigungsmaschinen weitergeleitet, gespeichert und müssen für die serielle Produktion lediglich angepasst werden.

In wenigen Tagen zur Klimaneutralität

Durch die Modulbauweise mit vormontieren Bauelementen bedarf es weniger Handgriffe und geringerem Personaleinsatz auf der Baustelle selbst. Und das macht sich auch in der Kostenkalkulation bemerkbar: "Eine Arbeitsstunde in der Fabrik kostet nur die Hälfte von einer Stunde auf dem Bau", betont Zimmermann. Schuld daran ist unter anderem der Fachkräftemangel.

Derzeit fehlen rund 130.000 Beschäftigte in der Baubranche. Die Kosten für Hoch- und Tiefbauarbeiten sind dementsprechend auf Rekordkurs und die Wartezeiten für Bauherren lang. Während es bei herkömmlichen Sanierungsarbeiten Monate dauert bis ein Projekt abgeschlossen ist, trimmt Energiesprong Einfamilienhäuser in Holland, England und Frankreich binnen weniger Wochen oder sogar Tage auf klimaneutral.

500.000 Altbauten kommen in Frage

Während das Programm im EU-Ausland bereits erste erfolgreich abgeschlossene Sanierungen von Ein- und Mehrfamilienhäusern feiert, steht die dena in Deutschland mit den ersten Mehrparteienhaus-Prototypen in den Startlöchern. Derzeit sind 60 Wohneinheiten für eine Generalüberholung in Planung. Infrage kommen würden jedoch 500.000 Altbauten aus den 50er bis 70er Jahren. Damit dieser Bestand möglichst schnell in Angriff genommen werden kann, sucht die dena weitere Investoren und Fördermittelgeber für einen Volume-Deal.

Die Finanzierung für Eigentümer wiederum ist durch den Net-Zero-Standard abgesichert. Das Haus verbrauche dank der optimierten Gebäudehülle und der Umstellung der Energieversorgung auf eine hauseigene PV-Dachanlage nur so viel Energie, wie es auch erzeugt. Die Kosten, die sonst für Warmwasser und Strom an Versorgungsunternehmen gezahlt werden, können nun in die Sanierung investiert werden. Zudem steige der Wert der Immobilien durch die Energiesprong-Maßnahmen um rund 25 Prozent.

Massenmarkt soll Kostendegression bringen

Zudem erwarten Zimmermann und ihre Kollegen der französischen und britischen Initiative eine Kostendegression bei der Herstellung der Baumodule. Immerhin werden diese in Serie gefertigt und sollten bei einem Einstieg in den Massenmarkt günstiger werden. (ls)

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