Die Hansestadt ist seit Dienstag wieder der Eigentümer der Wärmegesellschaft in Hamburg. Die Transaktion, die sich über mehrere Monate zog, wurde mit der Unterzeichnung des Kaufvertrages erfolgreich abgeschlossen. Bis dahin war es allerdings ein weiter Weg.
Auch wenn der Deal rückwirkend zum 1. Januar 2019 vollzogen wird, vergingen Monate bis sich Vattenfall, als bisherige Eigentümerin des Fernwärmenetzes, und die Stadt einig wurden. Grund hierfür war der Rückkaufspreis in Höhe von 950 Mio. Euro. Der Schwedenkonzern hielt an dem von der ehemaligen Stadtregierung zugesicherten Preis fest, obwohl dieser gegen das Landeshaushaltsrecht verstieß. Letztlich kauft die Stadt, die bereits 25,1 Prozent an der Gesellschaft hielt, nun die restlichen Prozent für 625 Mio. Euro ab.
Geschäftsführung ernannt
Genau deshalb ließ sich auch die EU mit der Prüfung des Deals Zeit, gab allerdings Ende April grünes Licht für die Rekommunalisierung. Künftig firmiert die Gesellschaft unter dem Namen "Wärme Hamburg" (WHH). Die über 600 Mitarbeiter würden nahtlos vom städtischen Unternehmen übernommen und tarifvertragliche und arbeitsrechtliche Regelungen behielten ihre Gültigkeit, so die Stadtverwaltung.
Unmittelbar mit dem Vollzug der Transaktion hat die WHH auch ihre Führungsriege bestellt. Als neuer Technischer Geschäftsführer wurde Michael Beckereit ernannt. Gemeinsam mit dem Kaufmännischen Geschäftsführer Christian Heine wird er künftig die Geschicke der WHH leiten. Heine war bereits zum 1. Mai in die Chefetage berufen worden.
Strom, Gas, Wärme in kommunaler Hand
Als Aufsichtsratsmitglieder wurden Senator Jens Kerstand (Vorsitz), Senator Andreas Dressel, Udo Brockmeier, Geschäftsführer der Stadtwerke Düsseldorf, Senatsdirektor Anselm Sprandel und Jörg Arzt-Mergemeier (Finanzbehörde) gewählt.
Mit dem Rückkauf der Fernwärme geht nicht nur die Netzinfrastruktur in das Eigentum der Stadt über, sondern auch alle Erzeugungsanlagen. So kann die Stadt künftig aktiv zur Gestaltung der Energiewende beitragen. Mit dem Kaufvertrag wurde das längst bekannte Ergebnis des Volksentscheides "Unser Hamburg – unsere Netze" aus dem Jahr 2013 umgesetzt.
Rückkauf in einer entscheidenden Phase
"Das ist der finale Akt in einem Stück mit vielen Wendungen, und zum Glück gibt es ein Happy End", sagte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) und betonte, der Rückkauf erfolge in einer entscheidenden Phase, "in der es noch gelingen kann, den Klimawandel zu bekämpfen". Mit der Dekarbonisierung der Wärme in Hamburg wolle man 300.000 Tonnen CO2 bis 2030 einsparen.
Notwendig dafür ist die Abschaltung der Heizkraftwerke Wedel und Tiefstack. Das überalterte Werk im schleswig-holsteinischen Wedel soll bereits in der Heizperiode 2024/25 ersetzt werden. Künftig soll die Wärme aus einem Mix aus erneuerbaren Energien, Abwärme und Erdgas gewonnen werden. Zu den Planungen und den erwarteten Kosten wollte Kerstan sich zunächst nicht äußern. Er wolle bis Ende des Monats einen Zwischenbericht vorlegen. (ls)



