Der Wert des Hamburger Fernwärme-Netzes von 645 Mio. Euro ist von einem zweiten Gutachter bestätigt worden und damit verbindlich. Die städtische Vermögensholding HGV habe mit Hilfe der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC die methodische und rechnerische Richtigkeit der Unternehmensbewertung bestätigt, teilte die Finanzbehörde am Donnerstag in Hamburg mit. Den Unternehmenswert von 645 Mio. Euro hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO ermittelt. Mit dem Abschluss der Nachprüfung gilt der Wert nun verbindlich für die weiteren Verhandlungen zwischen der Stadt Hamburg und dem Energiekonzern Vattenfall um die Zukunft der Hamburger Fernwärme-Versorgung und das Kraftwerk Wedel.
Hamburg hält 25,1 Prozent an dem Fernwärme-Netz und will es nach dem Volksentscheid zum Rückkauf der Energienetze von 2013 zum Jahreswechsel komplett übernehmen. Der vertraglich vereinbarte Mindestkaufpreis berechnet auf 100 Prozent beträgt 950 Millionen Euro, also gut 300 Millionen Euro mehr, als das Netz wert ist. Das darf Hamburg nach den Bestimmungen der Landeshaushaltsordnung nicht bezahlen. Sowohl Bürgermeister Peter Tschentscher als auch Finanzsenator Andreas Dressel (beide SPD) hatten ausgeschlossen, dass Hamburg das Netz zu einem überhöhten Preis erwerben könnte. Andererseits hat Vattenfall erklärt, keinen geringeren Preis akzeptieren zu wollen.
Irritierende Einschätzungen von PwC
Von Seiten der Bürgerinitiative kommt Kritik. Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg: „Es bleibt weiterhin unklar, wieso der Unternehmenswert der Vattenfall Wärme GmbH (VWH) sich innerhalb von nur sechs Jahren halbieren kann." Das Kuriose: 2011 war ein Unternehmenswert mit 1,3 Mrd. Euro ermittelt worden – damals vom heutigen Zweitgutachter PricewaterhouseCoopers GmbH (PwC). Erst im Januar 2018 hatte das Unternehmen Vattenfall noch diese Zahl bestätigt.
Braasch weiter: "Solange es hier keine Aufklärung gibt, bleibt der Verdacht im Raum, dass die damalige Wertermittlung, die nie transparent nachvollzogen werden konnte, deutlich zu hoch ausgefallen ist und so den aktuellen Rückkauf der Fernwärme gefährdet. Der Senat und die HGV müssen dringend Transparenz schaffen, wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte – zumal die Stadt mit 25,1 Prozent die ganze Zeit am Unternehmen beteiligt war.“ (dpa/al)


