Nach der Genehmigung durch den Aufsichtsrat laufen bei den Stadtwerken Leipzig jetzt bereits intensiv die Vorbereitungen für den Neubau eines Gasturbinen-Heizkraftwerkes. "Wir haben definitiv den Ausstieg aus der Braunkohle beschlossen und werden den Vertrag mit der LEAG über die Lieferung von Fernwärme zeitnah und damit fristgerecht kündigen", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der LVV-Gruppe, der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung, am Freitag bei einer Pressekonferenz.
Stadtwerke-Geschäftsführer Karsten Rogall ergänzte, dass man mit den Planungen bereits begonnen habe und auch erste Angebote von möglichen Herstellern der drei benötigten Turbinen geführt habe. Auch eine Voranfrage beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle für die Bezuschussung des Projektes nach dem KWK-Gesetz und dem NMoG sei positiv beschieden worden.
Enger Zeitplan
Der Zeit- und Investitionsplan der Leipziger ist extrem ambitioniert. Bis Ende August sollen die Unterlagen für eine Genehmigung des Kraftwerkneubaus eingereicht werden und dann ein Jahr später der erste Spatenstich erfolgen. Das Genehmigungsprozedere für den Betrieb der Anlage soll bis Juni 2020 in Gang gesetzt werden. Dass die zuständige Landesdirektion oder Anwohnerklagen das Projekt verzögern können, gilt zwar als wenig wahrscheinlich, weil es sich um einen früheren Kraftwerksstandort in der Bornaischen Straße handelt – mit direktem Zugang zu Gas, dem Fernwärme-Ring und einem 110-kV-Umspannwerk.
Zukunft in Lippendorf mit Müllverbrennung
Jung räumt aber auch ein, dass man angesichts der notwendigen Versorgungssicherheit neben der Unabhängigkeit vom Braunkohlekraftwerk Lippendorf auch eine "Auffanglösung" anstrebe. Das gelte auch für Havariefälle oder extreme Witterungslagen. Mittelfristig wollen die Stadtwerke ohnehin ein Müllheizkraftwerk errichten. "Wir verhandeln darüber mit der LEAG, es am Standort Lippendorf umzusetzen und nicht wie bisher angestrebt an der Mülldeponie Cröbern", so Rogall. Diese Gespräche seien bislang sehr konstruktiv.
Gaskraftwerk ist Teil eines integrierten Konzeptes
Für das Gaskraftwerk, das zudem schwarzstartfähig sein soll, werden drei unabhängig laufende Turbinen mit einer elektrischen Leistung von 40 bis 50 MW verwendet, die thermisch eine Kapazität von 50 bis 60 MW aufweisen. Diese Bandbreite ergebe sich aus den bisherigen Angeboten, wobei mit Gesamtkosten von 150 bis 180 Mio. Euro gerechnet werden muss. Zudem sollen die thermischen Großspeicher mit derzeit 35 MW und etwa sechs Stunden Reichweite auf rund die vierfache Kapazität erweitert werden. Dazu kommen noch solarthermische Anlagen mit insgesamt 45 MW Leistung und ein Biomasse-Heizkraftwerk sowie mehrere dezentrale KWK-Anlagen. Das Paket soll rund 300 Mio. Euro kosten, dazu kommen noch das Reststoff-Kraftwerk und technische Ergänzungen wie Power to Heat, so dass die Gesamtkosten bis zu 500 Mio. Euro betragen könnten.
Fernwärmeversorgung soll preisstabil bleiben
Bislang beliefern die Stadtwerke nach Angaben von Rogall rund die Hälfte der Haushalte der 600.000 Einwohner zählenden Stadt mit Fernwärme, dazu kommen noch zahlreiche öffentliche Einrichtungen wie der Zoo, Universität oder auch Schulen und Kliniken. Mit dem "Jahrhundertprojekt" werde diese Versorgung zugleich umweltfreundlicher als auch sicherer. Rogall verwies dazu auf die Entscheidung der Kohlekommission, aus der Kohle bis 2038 auszusteigen und aktuelle Entwicklungen. So sei einer der beiden 900 MW-Kraftwerksblöcke bereits seit Wochen aus wirtschaftlichen Gründen abgeschaltet. Die Fernwärme-Preise für Leipzig werden hingegen nach dem Umstieg auf Erdgas laut Rogall "mittelfristig relativ stabil bleiben. Dies sei durch die hohen zufließenden Fördermittel von 150 Mio. Euro auf die nächsten zehn Jahre möglich. (masch)



