RWE und Fraunhofer wollen die Wärmegewinnung aus der Tiefe exemplarisch in einem Forschungskraftwerk zur Betriebsreife bringen. Dazu soll der Untergrund am RWE-Standort Weisweiler schrittweise auf das Potenzial dieser erneuerbaren Energie hin erkundet werden. Außerdem werde ein geologisches Observatorium eingerichtet, wie der Essener Energiekonzern mitteilt.
Über der Erde eröffnet Fraunhofer zudem einen Forschungsstandort für Georessourcen und baut ein Technikum für geothermische Konversionstechnologien auf. Fraunhofer und RWE Power schlossen dazu im Beisein des geschäftsführenden Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, einen Kooperationsvertrag ab.
Heißes Thermalwasser in der Tiefe
Für die konkrete Standortwahl gibt es Gründe: Das Rheinische Revier sei Vorzugsregion für Tiefengeothermie, was sich prominent in den Aachener Thermalquellen zeige. Im Untergrund werden weitere Gesteinsschichten mit großen Mengen an heißem Thermalwasser erwartet; namentlich die Massen- und Riffkalke des Devons und des Unterkarbons, also rund 350 Mio. Jahre alte Kalkgesteine, wie es weiter heißt.
Forschungsthemen am Standort sollen dabei alle Aspekte der geothermalen Anlagentechnik sein: von hochtemperaturfähigen Bohrlochpumpen über marktfähige Prozesse zur Strom-, Wärme- und Kälteerzeugung bis hin zu Betriebsstrategien. Außerdem wollen die Partner Verfahren zur stofflichen und zur Wärmespeicherung entwickeln.
1500 Meter tiefe Erkundungsbohrung
Neben dem Bau des Technikums auf dem von RWE zur Verfügung gestellten Gelände ist der nächste konkrete Schritt eine bis zu 1500 Meter tiefe Erkundungsbohrung im nächsten Jahr, welche die Partner im Rahmen des EU-Projekts DGE-ROLLOUT "abteufen", wie es in der Fachsprache heißt. DGE steht dabei für Deep Geothermal Energy. Die Bohrung bildet mit der geophysikalischen Oberflächenstation das Observatorium zur Überwachung des Untergrundes.
In noch zu planenden Schritten soll eine detaillierte, dreidimensionale, wissenschaftliche Vermessung des Untergrundes und darauf aufbauend eine Tiefenbohrung von bis zu 4000 Meter Länge erfolgen. Im Erfolgsfall fördert diese warmes Thermalwasser.
Wärmenetze vor Ort
Ein weiterer Vorteil, der laut RWE für Weisweiler spricht: Mit dem Fernwärmenetz Aachen-Weisweiler sei die Infrastruktur der Wärmeversorgung vor Ort bereits vorhanden. Schon heute liefere das Netz Fernwärme aus dem Braunkohlekraftwerk Weisweiler unter anderem in den Aachener Raum.
Da die Wärmequelle Braunkohle wegen des Kohleausstiegs mittelfristig durch andere Energieträger ersetzt wird, könnte Tiefengeothermie laut RWE eine Option sein. Weitere Maßnahmen befinden sich demnach in der Antragsphase bei staatlichen Geldgebern. (jk)



