Ein Großteil der Büro- und Verwaltungsgebäude in Deutschland ist zwischen 1950 und 1970 entstanden. Viele Fassaden haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht, die Haustechnik ist veraltet, die Energiestandards sind gestiegen und auch die Anforderungen an den Arbeitsplatz haben sich massiv gewandelt. Die Frage, ob energieeffizienter Neubau oder energetische Sanierung, stellt künftige Bauherren vor große Herausforderungen. Hinzu kommt, dass sich die Arbeitswelt durch die zunehmende Digitalisierung und Flexibilisierung stark verändert hat.
In der Konsequenz muss mit Neu- oder Umbau von Gebäuden auch die Entwicklung flexibler, moderner Büro- und Arbeitswelten mitgedacht werden. Sie sollen nicht nur eine optimierte Flächennutzung erlauben, sondern Raum bieten für Innovationskraft und Engagement der Mitarbeiter, die Agilität der Organisation unterstützen und schließlich auch die Attraktivität des Arbeitgebers steigern.
Entscheidung für externen Projektsteuerer und Sanierung statt Neubaus
Um diese Mammutaufgabe stemmen zu können, ist ein erfahrener Partner nötig, der die komplexe Gesamtkoordination und die Projektsteuerung übernimmt. Die Stadtwerke Karlsruhe haben sich für die energetische Sanierung ihres Verwaltungsgebäudes aus den 70er-Jahren und eine Neuorganisation ihrer Prozesse und Abläufe entschlossen.
Seit 1995 hat der regionale Energieversorger ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem nach der heutigen EMAS (Eco-Management and Audit Scheme)-Verordnung aufgebaut und weiterentwickelt. 2013 folgte die Zertifizierung des Energiemanagement-Systems nach ISO 50001. Die Stadtwerke Karlsruhe haben in diesem Zeitraum einen wesentlichen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz in der Fächerstadt geleistet.
Ziel: DGNB-Gold
Somit war es ein konsequenter Schritt, auch das Hauptgebäude mit einer Bruttogeschossfläche von 15.000 Quadratmetern energetisch fit für die Zukunft zu machen. Dazu gehörte auch die Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) – und zwar mit dem Ziel Gold.
Energie sparen und viel mehr
Jenseits des technischen Aspekts ging mit der Revitalisierung des Bestandsgebäudes auch eine organisatorische und räumliche Veränderung einher. Ziel des Umbaus war es, die Performance des Gebäudes nachhaltig zu verbessern und kunden- und bedarfsorientierte Arbeitswelten für rund 500 Mitarbeiter zu schaffen – inklusive Betriebsrestaurant, Sitzungssaal und Kundencenter.
Die richtigen Fragen stellen
Vollack, Spezialist für methodische Gebäudekonzeption aus Karlsruhe, hat das gesamte Projekt von Beginn an beratend begleitet, strukturiert und gesteuert. Dabei ging es in den ersten Gesprächen mit den Verantwortlichen der Stadtwerke Karlsruhe nicht ums Bauen, sondern um die Zukunftsstrategie des Unternehmens Stadtwerke Karlsruhe. Abläufe und Prozesse in einer zukunftsweisenden Arbeitswelt spielten hier eine zentrale Rolle. Der intensive Austausch sollte die Basis schaffen für eine Sanierungslösung, die möglichst kundenindividuell die Belange des Versorgers abdeckte.
Sanierung bei laufendem Betrieb
Als ganzheitlicher Projektsteuerer nahm Vollack eine Schlüsselrolle ein – nicht nur als Sachverwalter von Terminen und Kosten, sondern in allen unternehmensbezogenen und inhaltlichen Fragen als Partner des Facility Managements und des Bauherrn. Neben den üblichen Budget- und Terminzwängen galt es, den hohen Grad an Komplexität zu beherrschen und alle Maßnahmen bei laufendem Betrieb und mit möglichst wenigen Einschränkungen für die Gesamtliegenschaft durchzuführen.
Kühlung ohne Durchzug
Die Sanierung umfasste unter anderem die Erneuerung der alten Glasfassade und den Austausch gegen eine energetisch anspruchsvolle Drei-Scheiben-Isolierverglasung sowie die Implementierung einer neuen Absorptionskälte. Lüftung und Kühlung erfolgen heute über effiziente Indocool-Elemente. Eine zugfreie Klimatisierung und eine zeitgemäße, ressourcenschonende LED-Beleuchtung sorgen für Behaglichkeit. Insgesamt können die Stadtwerke Karlsruhe in den Bereichen Heizenergie, Beleuchtung, Lüftung und Kühlung künftig signifikante Energieeinsparungen realisieren. Vollack steuerte zudem den gesamten Prozess der Zertifizierung durch die DGNB.
Mit der energetischen Revitalisierung ihres Gebäudes, die im Frühjahr abgeschlossen wurde, bauten die Stadtwerke Karlsruhe ihre nachhaltige Positionierung am Standort glaubwürdig aus. Zugleich ist ein modernes, inspirierendes Arbeitsumfeld mit Wohlfühlqualität für die Mitarbeiter entstanden, das auch dazu beiträgt, den Kommunalversorger in der Region als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren.

Viel Platz, viel Licht, Beratungsnischen: das neugestaltete Kundenzentrum der Stadtwerke Karlsruhe. Es befindet sich im Hauptgebäude des Versorgers, das bis Frühjahr 2018 energetisch saniert und dabei neu eingeteilt wurde.
Bild: © Vollack Gruppe
Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.