Moderne Heizungen werden von den Wuppertaler Stadtwerken gefördert.

Moderne Heizungen werden von den Wuppertaler Stadtwerken gefördert.

Bild: © BWP

Etwa die Hälfte des globalen Energiebedarfs entfällt auf Wärme für Privathaushalte und Industriebetriebe. Erneuerbare Energien spielen bei der Wärmeerzeugung bislang aber eine untergeordnete Rolle: Auf sie entfallen nur 10 Prozent der weltweit erzeugten Wärme. Dies sind einige der wichtigsten Befunde der Studie "Chancen und Risiken für die deutsche Heizungsindustrie im globalen Wettbewerb", die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers im Auftrag des Bundesverbands Wärmepumpe e. V. (BWP) erstellt hat.

Die Wärmepumpen-Technologie ist den Studienautoren zufolge eine klimafreundliche und hocheffiziente Alternative zu Heiztechnologien auf fossiler Basis. Im Jahr 2018 stieg die Nachfrage nach Wärmepumpen global um 10 Prozent. Die Verbreitung in Europa ist allerdings nach wie vor gering: Lediglich 1,1 Millionen Geräte wurden 2017 installiert, die meisten davon in den skandinavischen Ländern.

In Deutschland kaum verbreitet

Der europäische Wärmepumpenverband (EHPA) sieht dennoch großes Potenzial für die Technologie: Das potenzielle Absatzvolumen betrage jährlich etwa 6,8 Millionen Geräte. Ausgehend vom Bestand im Vorreiterland Norwegen errechnet der Verband einen möglichen Bestand von 89,9 Millionen Geräten. Volker Breisig, Partner im Bereich Utilities & Regulation bei PwC Deutschland, sagt: "Selbst für die vergleichsweise schwachen europäischen Verhältnisse ist die Entwicklung in Deutschland sehr dürftig. Auf 1.000 Haushalte kamen 2017 erst 2,3 installierte Geräte." In Norwegen lag der Anteil bei 34,3, in Schweden bei 22,7 Geräten.

Zwar finden die Wärmepumpen auch hierzulande immer stärkere Verbreitung, vor allem in Wohnungsneubauten: Dort liegt der Anteil der Wärmepumpen aktuell bei 45 Prozent. Der Großteil neuer Heizungen wird allerdings beim Austausch alter Geräte in Bestandsgebäuden installiert. Dort beträgt der Anteil von Wärmepumpen derzeit nur sechs Prozent. Ein verstärkter Austausch von Öl- und Gaskesseln gegen Wärmepumpen könnte folglich einen deutlich größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten. 

Konjunkturprogramm für den Mittelstand

Kai Schiefelbein, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des BWP, fordert eine klare Ausrichtung des Heimatmarkts auf die Klimaschutztechnologie Wärmepumpe. Davon würden viele kleine mittelständische Unternehmen profitieren.

Der Studie zufolge wäre eine Verbreitung der Wärmepumpen-Technologie auf dem Niveau von Schweden zielführend, um den Klimaschutz bei Gebäuden zu erhöhen und zugleich die Technologieführerschaft der deutschen Heizungsbranche zu erhalten.

Großes Potenzial

Die Studienautoren erläutern darüber hinaus weitere Vorteile einer konsequenten Strategie hin zur Wärmepumpe: Die Technologie habe das Potenzial, den schon lange bestehenden Sanierungsstau bei Gebäuden zu beheben, den Anteil erneuerbarer Energien im Wärmemarkt zu erhöhen und Unternehmen und Gewerke rund um die Gebäudesanierung zu unterstützen. Angesichts der auslaufenden EEG-Förderung könnten Besitzer dezentraler Photovoltaikanlagen den selbsterzeugten Strom nutzen, um eine Wärmepumpe zu betreiben. 

Gut für die Sektorenkopplung

"Wichtig ist auch, dass sich mit der klimafreundlichen Wärmepumpen-Technologie die angestrebte Sektorenkopplung und damit auch die Digitalisierung der Energiewende leichter verwirklichen lässt", erläutert Volker Breisig.

Die Studie richtet sich zudem mit neun Handlungsempfehlungen an Entscheider. Vor allem sollte, so die Autoren, das Missverhältnis der Energiepreise korrigiert werden: "Der Strompreis für Wärmepumpen ist im Verhältnis zu Heizöl und Erdgas viel zu hoch und könnte etwa über eine deutliche Absenkung der EEG-Umlage spürbar gesenkt werden", sagt Kai Schiefelbein vom BWP. Weitere Vorschläge der Autoren zielen u. a. auf regulatorische, steuerliche und finanzielle Rahmenbedingungen für die Wärmepumpenindustrie in Deutschland. (amo)

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