Die Baustelle des Olga-Areals in Stuttgart.

Die Baustelle des Olga-Areals in Stuttgart.

© Stadtwerke Stuttgart

"Die Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger Energiekonzepte auf Quartiersebene ist ein wichtiger Beitrag zur urbanen Energiewende in Stuttgart und damit ein Baustein für eine klimaneutrale Landeshauptstadt im Jahr 2050", unterstreicht der Stuttgarter Umweltbürgermeister Peter Pätzold.

Am weitesten fortgeschritten ist die klimaschonende Energieversorgung des neuen Olga-Areals auf dem Gelände des ehemaligen Olgakrankenhauses. Das 32.000 Quadratmeter große Stadtquartier mit insgesamt 224 Wohnungen (davon 116 geförderter Wohnungsbau) ist beinahe fertiggestellt. Die ersten Mieter sind laut Karoline v. Graevenitz, Sprecherin der Stadtwerke, eingezogen. Sie werden von dem 100-prozentigen Tochterunternehmen der Stadtwerke Stuttgart, den Energiediensten der Landeshauptstadt Stuttgart (EDS), über ein Nahwärmenetz versorgt. Gespeist wird dieses über ein mit Erdgas betriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) mit einer thermischen Leistung von 207 Kilowatt (kW). Auch der Strom, der gleichzeitig in dem BHKW erzeugt wird, wird in dem neuen Quartier vor Ort genutzt, ebenso wie Solarstrom einer 280 kW Photovoltaikanlage auf den Gebäudedächern.

Nahwärmenetze mit BHKWs als Basis

Ein neues klimaschonendes Stadtquartier mit Nahwärmeversorgung soll auch auf dem 22 Hektar großen Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs am Neckarpark entstehen. Die Wärme für die 850 Wohnungen und Gewerbeimmobilien wird zu 73 Prozent über Wärmepumpen aus Abwasser sowie zusätzlich über zwei BHKWs gewonnen. Betreiber sind ebenfalls die Stadtwerke über ihre Tochter EDS. Seit einem Jahr wird auf der Quartiersfläche gebaut, bis 2020 soll die Heizzentrale in Betrieb gehen.

Über ein Nahwärmenetz, das sich aus einem BHKW und Wärmepumpen mit regenerativen Wärmequellen speist, sollen künftig auch rund 140 Wohneinheiten am Wiener Platz in Stuttgart-Feuerbach versorgt werden. Dazu soll das ehemalige Gelände der Firma Schoch in den kommenden Jahren komplett saniert werden. Federführend für die Konzeption und Umsetzung der Wärmeversorgung sind ebenfalls die Stadtwerke Stuttgart. "Derzeit werden Investoren für die Grundstücke gesucht. Das Energiekonzept steht", so v. Graevenitz.

Hohe Anschlussdichte in Quartieren entscheidend

Fertig geplant ist auch die klimaschonende Versorgung des Porsche Stammwerks in Stuttgart-Zuffenhausen mit Biogas zur Wärme- und Stromerzeugung. Dies wird in einer Biogasanlage der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) im Norden der Landeshauptstadt aus Abfallresten erzeugt. Die Stadtwerke, denen die Leitungen gehören, beliefern das Unternehmen mit Biogas. Porsche will damit mehrere BHKWs auf dem eigenen Gelände betreiben. Derzeit warten die AWS noch auf die Genehmigung der Biogasanlage.

Herausforderungen bei der Entwicklung der Quartiersprojekte sind laut v. Graevenitz unter anderem eine "integrierte Planung", vor allem bei mehreren Bauherren. Auch müssten diese bei komplexen Wärmekonzepten "entsprechend abgeholt werden". Entscheidend sei zudem eine "hohe Anschlussdichte im Quartier", damit sich die Anlagen rechneten, sagt v. Graevenitz. Mit der Größe der Quartiere steige die Wirtschaftlichkeit. Zudem seien die häufigen Änderungen der energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie beispielsweise eine Steigerung der Gasbezugspreise oder eine aktuell diskutierte CO2-Steuer, eine Herausforderung bei Vertragsgestaltung und "verlässlichen Kundenbeziehungen", denn das Wärmecontracting und die damit verbundenen Investitionen in die Infrastruktur seien an langfristige Geschäftsmodelle gekoppelt.

Kosten fair auf alle beteiligten Akteure verteilen

"Wichtig ist uns dabei, dass die Kosten fair auf alle beteiligten Akteure, etwa Investor, Projektentwickler, Eigentümer und Mieter, verteilt werden", sagt v. Graevenitz. Doch biete man eine "wirtschaftliche und am Markt vergleichbare Lösung" für alle Objekte an. Der öffentliche Heizspiegel könne hierbei als Vergleichskriterium genutzt werden.

Meist sind die Stadtwerke Stuttgart bei ihren Quartiersprojekten als Contractor unterwegs, das heißt sie planen, finanzieren, errichten und betreiben die Anlagen. (hcn)

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