Wärmepumpen haben bei Neubauten Hochkonjunktur, und in Berlin-Neulichterfelde sind sie sogar obligatorisch

Wärmepumpen haben bei Neubauten Hochkonjunktur, und in Berlin-Neulichterfelde sind sie sogar obligatorisch

Bild: © Viessmann

78.000 Heizungswärmepumpen wurden 2017 in Deutschland verkauft, ein Plus gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent. Auch der Absatz von Warmwasserwärmepumpen ist in 2017 mit 13.500 verkauften Geräten gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent gewachsen. Somit wurden im vergangenen Jahr 91.500 Wärmepumpen in Betrieb genommen. Basierend auf den Verkaufszahlen des ersten Halbjahres rechnet der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) für dieses Jahr mit einem weiteren moderaten Wachstum.

Als Treiber für den Wärmepumpenmarkt sieht BWP-Geschäftsführer Martin Sabel die dynamische Baukonjunktur, das Inkrafttreten der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2016, eine verbesserte Förderung und eine wachsende Akzeptanz für die Effizienztechnologie. Hemmnisse sind laut Einschätzung des Branchenverbandes neben den Energiepreisen der Kapazitätsengpass im Handwerk, geringe Priorisierung durch die Investoren sowie ordnungsrechtliche Hemmnisse.

Anteil am Gesamtheizungsmarkt dümpelt bei zehn bis elf Prozent

Vor allem „die Verzerrung im Preisgefüge der Energieträger“, bremst jedoch das Potenzial der Effizienztechnologie aus, so Sabel. Gemeint ist die hohe staatlich induzierte Abgaben-, Umlagen- und Steuerbelastung des Stroms für die Wärmepumpen im Vergleich zu Erdgas und Heizöl. Solange sich hieran nichts ändere, sei mit keinem entscheidenden Marktbruch zu rechnen, betonte Sabel am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Berlin und verwies auf die jüngste BWP-Branchenstudie.

Denn trotz den höheren Verkaufszahlen liegt der Anteil der verkauften Wärmepumpen am Gesamtheizungsmarkt in Deutschland seit Jahren bei zehn bis elf Prozent. Mit 799 000 Geräten zur Beheizung und 261 000 zur reinen Warmwasserbereitung beträgt der Anteil der Wärmepumpen am deutschen Heizungsbestand rund vier Prozent.

Mit Strompreisreform 8,7 Mio. Geräte bis 2050

In zwei Szenarien rechnet die Branchenstudie die Marktentwicklung bis 2050 hoch. In einem konservativen Szenario zeigt sich, dass unter Beibehaltung der jetzigen Rahmenbedingungen maximal mit einem Anwachsen des Wärmepumpenbestandes auf circa 3,7 Millionen Geräte zu rechnen ist, was einem Anteil von circa 17 Prozent am Heizungsbestand entspräche. In einem progressiven Szenario, das unter anderem eine CO2-Bepreisung und eine Entlastung des Stroms von Steuern, Entgelten und Abgaben annimmt, wächst der Wärmepumpenbestand innerhalb der kommenden drei Jahrzehnte auf 8,7 Millionen Geräte, was einem Anteil von circa 47 Prozent am gesamten Heizungsbestand entspricht. Auf diese Weise könnte im Jahr 2050 eine jährliche CO2-Einsparung von mehr als 30 Millionen Tonnen erreicht werden.

Um allerdings einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen, wie dies der Klimaschutzplan vorsieht, sei dies immer noch zu wenig, unterstrich Sabel. Hierfür wären rund 16 Millionen Wärmepumpen nötig, wie dies etwa die Studien „Wärmewende 2030“ von Agora Energiewende und „Klimapfade für Deutschland“ des BDI vorsehen. „Das Ziel muss sein, Wärmepumpen zum Standardheizsystem in Neubau und Bestand zu machen“, betonte Sabel.

Verbesserte Arbeitszahlen auch bei Installation in Altbauten

Der BWP-Geschäftsführer verwies auch auf die hohen Kosten für den Zukauf von Emissionszertifikaten aus anderen Ländern, die auf Deutschland durch die verfehlten Klimaschutzziele im Nicht-ETS-Bereich laut EU-Recht zukommen. „Es wäre sinnvoller, dieses Geld in die Wärmewende hierzulande zu investieren und so auch die heimische Industrie zu stärken“, sagte Sabel. Denn schließlich sei Deutschland ja führend bei Heizungstechnik und der Produktion von Wärmepumpen.

„Wir sprechen hier von keiner Raketentechnik, sondern von einer Technik, die ausgereift und erprobt ist“, sagte BWP-Vorstand Clemens Dereschkewitz. Marek Miara vom Fraunhofer ISE verwies auch auf die ständig verbesserte Effizienz der Geräte. So lag die Arbeitszahl von Luft/Wasser-Wärmepumpen bei jüngsten Messungen von installierten Geräten im Altbau bei durchschnittlich 3,0 und bei Sole/Wasser-Wärmepumpen bei 3,7. „Wir waren selbst überrascht von diesen guten Ergebnissen, die bisher nur in Neubauten erreicht wurden“, sagte Miara. (hcn)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper