Robert Peric ist seit Anfang Januar neuer Geschäftsführer der Stadtwerke Bochum. Für die ZfK hat er einen Blick auf die Zukunft des Wärmepumpenmarktes geworfen.

Robert Peric ist seit Anfang Januar neuer Geschäftsführer der Stadtwerke Bochum. Für die ZfK hat er einen Blick auf die Zukunft des Wärmepumpenmarktes geworfen.

Bild: © Stadtwerke Bochum 

ZfK: 2023 war ein bewegtes Jahr für die Wärmewende mit vielen Unsicherheiten. Das hat die Nachfrage nach Wärmepumpen drastisch einbrechen lassen. So mancher Wärmepumpenhersteller geht davon aus, dass der Absatz 2024 weiterhin zäh bleibt und das Ziel von 500.000 Wärmepumpen dieses Jahr schon einmal nicht zu halten sein werde. Wie schätzen Sie das Jahr 2024 für die Wärmepumpe ein? 

Peric: Die Nachfrage nach Wärmepumpen hat – nach dem Nachfrageboom im Jahr 2022 – im letzten Jahr in der Tat Federn gelassen. Die unklaren gesetzlichen Rahmenbedingungen, und hier insbesondere die Unklarheiten der Förderung, haben viele unserer Kund*innen massiv verunsichert und zum Abwarten bewogen. Nun, da wir seit einigen Wochen Klarheit in Sachen Förderbedingungen haben, wird sich zeigen, ob die Zurückhaltung anhält. 500.000 Wärmepumpen im Jahr 2024 zu verbauen ist angesichts dieser Umstände ein – um es einmal positiv zu formulieren – sehr ambitioniertes Ziel.

ZfK: Nicht nur das lange politische Hin und Her und die Haushaltskrise haben die Nachfrage nach erneuerbaren Heizungen nach dem Rekordjahr 2022 einbrechen lassen, sondern so mancher Politikvertreter und so manches Medium haben regelrechte Kampagnen gegen die Wärmepumpe gefahren. Hat die Wärmepumpe einen Imageschaden?

Peric: Das würde ich so pauschal nicht sagen. Die Wärmepumpe hat aktuell sicher noch gegen Vorbehalte und teilweise auch mit Unwahrheiten zu kämpfen. Einige Gerüchte, beispielsweise darüber, welche energetischen Voraussetzungen ein Gebäude zum Einbau einer Wärmepumpe erfüllen muss, halten sich hartnäckig. Wir leisten hier mit guter Beratung einen Beitrag und ordnen Investitions- und Betriebskosten für unsere Kund*innen ein. Die Wärmepumpe wird nicht die einzige Lösung sein und in bestimmten Fällen kommt sie auch nicht in Frage. Ich bin aber davon überzeugt, dass sich die guten Argumente, die für die Wärmepumpe sprechen, langfristig durchsetzen werden und wir perspektivisch einen entsprechenden Markthochlauf erleben – stabile Förderbedingungen vorausgesetzt.

Contracting wird bei der BEG-Förderung benachteiligt 

ZfK: Nicht zuletzt auch der teure Strompreis dämpfe die Nachfrage, heißt es immer wieder. Stimmen Sie dem zu und sind Wärmepumpen-Stromtarife hierfür die Lösung?

Peric: In der Praxis erleben unsere Berater, dass vielen Kund*innen zunächst einmal gar nicht bewusst ist, dass aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme erzeugt werden. Das relativiert das Bild dann schon einmal etwas. Wärmepumpentarife erhöhen die Attraktivität zusätzlich und sind nicht nur aus Kunden- sondern auch aus Netzbetreibersicht eine gute Möglichkeit, die Technologie weiter nach vorne zu bringen. Wirtschaftlich und ökologisch richtig interessant wird es für Kund*innen, wenn die Wärmepumpe mit einer PV-Anlage kombiniert werden kann.

ZfK: Was braucht es aus Ihrer Sicht in diesem und in den kommenden Jahren, damit die Wärmepumpen-Nachfrage wieder angekurbelt wird?

Peric: Zentral sind zunächst einmal klare und verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen zur Förderung. Darüber hinaus ist aus meiner Sicht die Beratung der Kund*innen durch das Handwerk, Energieberater aber auch durch die EVU zentral. Das gilt in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, bestünde zudem auch für Contractoren, wie uns Stadtwerke, die Möglichkeit, die Förderung – Stichwort: Klimageschwindigkeits-Bonus – wieder voll auszuschöpfen. Die bestehenden Förderbedingungen führen in der Praxis nämlich dazu, dass Kund*innen, die die höheren einmaligen Investitionskosten für eine Wärmepumpe nicht aufbringen können oder wollen und sich deswegen für ein Pachtmodell entscheiden, benachteiligt werden. Hier sollte noch einmal im Sinne der Kunden nachgeschärft werden.

Konkurrenz belebt das Geschäft 

ZfK: Nicht nur verschiedene Stadtwerke bieten Wärmepumpen-Pakete inklusive Förderservice und Wartungsvertrag an, auch verschiedene Start-ups wie Enpal oder 1komma5-Grad mischen am Markt mit und bilden sogar eigene Installateur:innen aus. Fürchten Sie hier Konkurrenz?

Peric: Die von Ihnen genannten Unternehmen sind ihrem Status als Start-up aus meiner Sicht längst entwachsen und bundesweit, so auch in Bochum, tätig. In Anbetracht der zweifelsfrei notwendigen Transformation der Energie- und Wärmewende wird es nicht einen, sondern eine Vielzahl von mutigen und umsetzungsstraken Playern benötigen. Insofern ist hier die alte Binse von der Konkurrenz, die das Geschäft belebt, durchaus treffend und spornt uns an.

ZfK: Viele Unternehmen bieten mittlerweile auch Wärmepumpen-Contracting an. Soweit ich weiß, haben die Stadtwerke Bochum auch ein Pachtmodell, wie sieht dieses aus, für wen kommt das in Frage und kann hier wie beim Kauf auch eine Förderung nach dem GEG erfolgen?

Peric: Unser Pachtmodell beinhaltet die Anlage sowie deren Wartung, Entstörung und Instandhaltung über die gesamte Vertragslaufzeit. Die Förderung kann, mit Ausnahme des Geschwindigkeitsbonus, in Anspruch genommen werden. Wir lassen unsere Kund*innen nicht allein und übernehmen hier natürlich die Abwicklung. Wir bieten also ein echtes Rundum-Sorglos-Paket für unsere Kund*innen.

Einzelinteressen helfen der Wärmewende nicht weiter 

ZfK: Erst jüngst wurde in einem FAZ-Artikel die Befürchtung aus der Handwerksbranche laut, dass Stadtwerke durch die kommunale Wärmeplanung und den damit verbundenen Wärmenetzausbau ein Monopol in der Wärmeversorgung bekommen könnten. Halten Sie das für realistisch?

Peric: Nein, das halte ich für nicht realistisch. Selbst in einer dicht besiedelten Stadt wie Bochum, in der wir auf ein bereits vorhandenes Fernwärmenetz und Jahrzehnte lange Erfahrung mit der Fernwärme aufbauen können, werden nach unserer Einschätzung maximal 30 Prozent der Haushalte die Möglichkeit haben, sich an das Fernwärmenetz anzuschließen. Der weit überwiegende Teil der Wärmeversorgung wird also dezentral gelöst werden müssen.

Wenn die Wärmewende gelingen soll, wird das nicht funktionieren, indem Einzelne ihre Partikularinteressen zum Interesse der Allgemeinheit erklären. Um die Mammutaufgabe der Klimaneutralität im Wärmebereich zu lösen, werden wir alle praxiserprobten und bezahlbaren Technoligen nutzen müssen, die uns für eine dekarbonisierte Wärmeversorgung zur Verfügung stehen. Monopole schließt das meiner Einschätzung nach praktisch aus. Die geschilderte Befürchtung ist daher unbegründet und lenkt den Fokus vom eigentlichen Ziel ab. Richtig ist doch: Wenn die Wärmewende gelingen soll, müssen Stadtwerke und andere Energieversorger ihre Wärmenetze ausbauen und grüner gestalten. Das erfordert viel Mut, Unternehmergeist, Interaktion mit den Menschen und Institutionen in der Stadt, Innovations- und Investitionsbereitschaft. Wir müssen zügig die Diskussion rund um Reduktionsziele, -pfade oder mögliche Monopole beenden und uns stärker um die Umsetzung der Maßnahmen zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung kümmern.

Versachlichung der Debatte ist entscheidend 

ZfK: Nach dem turbulenten Jahr 2023 wünschen Sie sich zumindest politisch etwas mehr Ruhe oder Bedacht in der Energiepolitik?

Peric: Dass es in einem Transformationsprozess, wie ihn unser Energiesystem aktuell durchläuft, nicht immer nur ruhig und bedacht zugeht, liegt in der Natur der Sache. Ganz so turbulent wie im letzten Jahr muss es dann aber doch nicht auf Dauer sein. Am Ende des Tages wird die Unklarheit auf dem Rücken unserer Kund*innen und unserer Mitarbeiter*innen ausgetragen. Ich denke, die Energiebranche eint der Wunsch nach Planungssicherheit, eindeutigerer Gesetzgebung und weniger Auflagen. Wünschenswert wäre an der ein oder anderen Stelle auch eine Versachlichung der Debatte. Dafür kann es helfen, denen, die die Energieversorgung in der Praxis umsetzen, Gehör zu schenken und ihre Hinweise ernst zu nehmen. Wenn das gewährleistet ist, darf es gerne auch dynamisch zugehen.

Die Fragen stellte Lisa Marx

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