Wärme

Wien Energie sieht großes Geothermie-Potenzial

Der österreichische Versorger hat in einem aufwendigen Forschungsprojekt untersucht, ob und in wie weit in Wien Tiefenwärme erschlossen werden kann. Die ersten Ergebnisse stimmen optimistisch.
25.11.2021

Wien soll in Zukunft verstärkt mit Wärmepumpen und Tiefenwärme heizen, ob letzteres klappt, wird sich bald schon in einer Erkundungsbohrung zeigen.

Wien Energie setzt im Zuge der Wärmewende vor allem auf Fernwärme. So sollen bis 2040 etwa 56 Prozent des Wärmebedarfs in der österreichischen Bundeshauptstadt darüber gedeckt werden – möglichst klimaneutral. Hierfür wird nicht nur industrielle Abwärme genutzt, sondern künftig soll auch Geothermie zum Einsatz kommen. Eine erste Potenzialanalyse klingt vielversprechend.

Nunmehr gut fünf Jahre hat Wien Energie gemeinsam mit Partner*innen aus Wissenschaft und Industrie an einem 3D-Modell des Wiener Untergrunds gearbeitet. Am Ende des Forschungsprojekts „GeoTief Wien“ steht nun ein detaillierter Plan der geophysikalischen Strukturen. In 3000 Metern sind die Forscher*innen auf ein Thermalwasserreservoire mit Wassertemperaturen von etwa 100 Grad Celsius gestoßen. Das „Aderklaaer Konglomerat“, so der Name des Potenzialgebiets, das sich von den Wiener Stadtteilen Simmering bis Donaustadt erstreckt, könnte über eine thermische Leistung von circa 120 MW verfügen.

Erkundungsbohrung wird mehr zeigen

Endgültige Gewissheit gibt jedoch immer nur eine Erkundungsbohrung. Bevor der Beschluss zur Umsetzung einer Geothermie-Anlage fällt, werden dementsprechend bis zum Frühjahr 2022 parallel zu ersten Planungsschritten noch weitere Forschungsarbeiten durchgeführt. So sollen in der letzten Phase von „GeoTief Wien“ bis Ende des Jahres auf dem ehemaligen Erkundungsbohrplatz von Wien Energie Untersuchungen durchgeführt werden, um weitere Informationen zu den Gesteinseigenschaften des „Aderklaaer Konglomerats“ zu bekommen.

Im Fokus stehen etwa die Durchlässigkeit des Gesteins sowie die chemische Zusammensetzung des Thermalwassers. Für den Test sind ein mobiler Kran sowie drei große Wasserbecken errichtet. Im Zuge des Tests wird Wasser über eine Pumpe gefördert und in die Becken geleitet. Nach Abschluss der Arbeiten wird die Forschungsanlage vollständig abgebaut und das Bohrloch wieder verschlossen. (lm)