Das Stromnetz der Bahn kann zukünftig einen Teil zur Stabilität des öffentlichen Netzes beitragen.

Das Stromnetz der Bahn kann zukünftig einen Teil zur Stabilität des öffentlichen Netzes beitragen.

Bild: © nokturnal/Adobe Stock

Knapp 13.000 Kilometer Bahnstrecken in Deutschland sind noch nicht elektrifiziert. Nur auf 61 Prozent des Netzes können die Züge mit Strom fahren, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Auf den übrigen Trassen fahren häufig noch Dieselloks.

Ziel der Regierung ist ein Elektrifizierungsgrad von 70 Prozent bis 2025. Große Fortschritte gab es zuletzt aber nicht: Im vergangenen Jahr wurden 60 Kilometer Bestandstrecken elektrifiziert. Die viel beschworene elektrische Zukunft der Bahn liege noch in weiter Ferne, kritisierte der FDP-Bahnpolitiker Christian Jung.

Flächenländern fehlt die Infrastruktur

Die Bahn will bis 2050 klimaneutral werden. 2038 sollen die Züge zu 100 Prozent mit Ökostrom fahren - heute sind es 60 Prozent.

Auf vielen Strecken aber gibt es keine Oberleitung. Während die Stadtstaaten hohe Elektrifizierungsquoten von teils weit über 90 Prozent erreichen, ist es in der Fläche oft viel weniger. In Schleswig-Holstein können Züge nur auf 33 Prozent der Strecken auf eine Stromleitung zugreifen, 85 Prozent sind es dagegen im Saarland, dem Flächenland mit der höchsten Quote.

Elektrifizierung kaum über dem Stand von 2005

Deutschland liege über dem europäischen Durchschnitt, hob der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, hervor. Zudem müsse berücksichtigt werden, wieviele Züge überhaupt auf der jeweiligen Strecke fahren. «Derzeit werden bereits über 90 Prozent der Verkehrsleistung in elektrischer Traktion erbracht.»

Allerdings hatte der Elektrifizierungsgrad schon 2005 bei 57 Prozent gelegen, nur vier Prozentpunkte niedriger als heute, wie aus Daten des Eisenbahn-Lobbyvereins Allianz pro Schiene hervorgeht. Er fordert, dass die Strecken deutlich schneller mit dem sogenannten Fahrdraht ausgerüstet werden.

Hybrid-Lösungen als Alternative

FDP-Politiker Jung verweist auch auf Alternativen: Züge mit dieselelektrischen Hybrid-, Brennstoffzellen-Hybrid- oder Oberleitungs-Batterie-Hybrid-Systemen. Sie können auch dort fahren, wo es keine Stromleitung gibt - bei geringerem Schadstoffausstoß als herkömmliche Dieselloks. Die Bahn hat solche Züge nach Ferlemanns Angaben aber nicht. (dpa/ls)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper