Förderung sollte auf Schnelllader konzentriert werden, findet der Thinktank Agora Energiewende.

Förderung sollte auf Schnelllader konzentriert werden, findet der Thinktank Agora Energiewende.

Bild: © fottoo/Adobe Stock

In den Modellpaletten der Autohersteller sind batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) längst keine Exoten mehr. Doch verkaufen sich diese Fahrzeuge auch? Im internationalen Vergleich ist das durchaus unterschiedlich, zeigt das jüngste E-Mobility-Ranking des Beratungsunternehmens Berylls Strategy Advisors.

Die Studie analysiert, wie sich die Autos im internationalen Vergleich verkaufen und wo der Anteil der BEV auf der Straße beitragen kann, die Klimaziele zu erreichen. Das Team hat sich darüber hinaus angesehen, welche Entwicklung die Schnelllade-Infrastruktur genommen hat. Entstanden ist aus den erhobenen Daten ein weltweites Ranking, das die einzelnen Nationen vergleichbar machen soll.

Überschaubare Quote, aber hohes Wachstum

Für Deutschland ist das Ergebnis zwiespältig. Das Land habe es mit einer BEV-Quote von knapp über einem Prozent noch nicht in die TOP10 geschafft. Norwegen, die Niederlande oder China seien hier teilweise deutlich voraus. Die gute Nachricht sei aber, dass Deutschland mit einem jährlichen Wachstum der BEV-Flotte von 113 Prozent seit 2019 das größte Wachstum aufweisen kann.

Tatsächlich besitzt Deutschland in der EU die größte Anzahl von Schnellladern – rund 9.800 Ladepunkte. Der jährliche E-Auto-Zuwachs falle annähernd doppelt so hoch aus wie der europäische Durchschnitt (plus 67 Prozent). Selbst die sehr bescheidene BEV-Quote von gut einem Prozent liege über dem europäischen Durchschnitt. Aus diesem Durchschnitt ragen, wenig überraschend, Norwegen (16 Prozent) und die Niederlande (gut zwei Prozent), aber auch Island (knapp fünf Prozent) und Schweden (knapp drei Prozent) heraus.

Im Osten und Süden Europas stellt sich die Situation dagegen völlig anders dar. In Bulgarien, Griechenland, Kroatien, Polen, Rumänien, Slowakei oder Tschechien, stehen hohe Anschaffungskosten einer geringen Kaufkraft der Bevölkerung gegenüber. Verschlechtert wird die Lage außerdem durch kaum vorhandene Infrastrukturen und niedrige Förderungen für die Anschaffung eines E-Autos. Ändere sich daran nichts, werde es schwer, die hoch gesteckten EU-Klimaziele zu erreichen.

Auch führende Autonationen hängen hinterher

Auch der Blick auf das außereuropäische Ausland sei ernüchternd. Selbst führende Autonationen wie Japan, Korea oder die USA verharren mit ihren BEV-Quoten bestenfalls im Mittelfeld oder sogar abgeschlagen auf den hinteren Rängen. Die Marktdurchdringung liege dort klar unter einem Prozent. Vor allem die USA stünden bislang deutlich schlechter da als Deutschland – auch wenn einzelne Staaten wie Kalifornien die E-Mobilität sehr ernst nehmen.

Das Ranking beleuchtet auch, wie es um den Ausbau der Schnellladenetze bestellt ist. In den Niederlanden kommt ein Schnellladepunkt auf zehn km², in China auf 20. In Deutschland nimmt diese Fläche bereits auf 35 km² zu. Negativbeispiel für Westeuropa sei Frankreich mit 154 km². Überlandfahrten mit einem E-Auto seien  ein Glücksspiel, denn die Verbreitung von Lademöglichkeiten beschränke sich überwiegend auf die Metropolen.

Die USA befinden sich mit 371 km² am unteren Ende dieses Vergleichs. Es gebe dort jedoch starke regionale Unterschiede. (wa)

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