Im Testcenter E-Mobility auf dem Gelände von Stromnetz Berlin testet der Verteilnetzbetreiber smarte Lösungen für ein stabiles Netz und volle Ladung.

Im Testcenter E-Mobility auf dem Gelände von Stromnetz Berlin testet der Verteilnetzbetreiber smarte Lösungen für ein stabiles Netz und volle Ladung.

© Stromnetz Berlin

Der Verteilnetzbetreiber ist auf den neuen Verbraucher im Netz vorbereitet: Zwar ist die wachsende Beliebtheit von Elektrofahrzeugen eine Herausforderung auf Niedrig- und Mittelspannungsebene, aber kein Grundsatzproblem, erläutert Thomas Schäfer, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Stromnetz Berlin.

Sein Unternehmen rechnet in den nächsten fünf bis zehn Jahren für Berlin mit 250 000 zugelassenen E-Autos. Vergangenes Jahr waren lediglich 1700 elektrische Fahrzeuge in der Hauptstadt unterwegs. Mit dem im Januar angekündigten Förderprogramm „Wirtschaftsnahe Elektromobilität“ will das Land Berlin jedoch in die Offensive gehen und verstärkt Anreize schaffen. Neben Zuschüssen für den Kauf eines E-Autos, wird nun auch der Zubau von Ladeinfrastruktur subventioniert.

Schnellladesäulen bedeuten Ertüchtigungsbedarf

In Anbetracht dieser Umstände geht Stromnetz Berlin von einer zusätzlichen Last von zirka 140 MW im Verteilnetz der Zukunft aus. Zu den Lastspitzen von 2300 MW kommen demnach fünf Prozent an Mehrbedarf hinzu. Mit der aktuellen Netzstruktur lässt sich dieses Pensum stemmen, so Schäfer. Schließlich verfüge Berlin über eine der höchsten Leistungsdichten in Deutschland. Für einen Verbrauch von 15 bis 20 MW pro Quadratkilometer sind Mittelspannungsstationen mit 630-kVA-Trafos im Einsatz. Dieses Verhältnis von Last und Leistungskapazitäten ließe genug Reserven offen für zusätzliche Ladeanschlüsse, erklärt der Stromnetz-Berlin-Chef. Anders sieht die Lage im ländlichen Raum aus – dort müssen künftig vermehrt Mittelspannungsstationen umgerüstet werden.

Auch in Sachen Haushaltsanschlüsse sieht Schäfer kaum Ertüchtigungspotenzial: In der Regel lassen sich 22-kW-Ladestationen problemlos über den vorhandenen Anschluss in das Netz integrieren. Schwieriger gestaltet sich die Einbindung von Schnellladesäulen ab 50 kW aufwärts - hier ist nicht selten der Bau von Mittelspannungsstationen erforderlich. Schäfer sieht die leistungsstärkeren Ladeoptionen jedoch überwiegend im gewerblichen Einsatz verortet – Privathaushalte profitieren aufgrund der enormen Anschaffungs- und Installationskosten kaum von einem Schnelllader. In Bereich Eigenheim oder Mietobjekt geht es vielmehr um ein ausgeklügeltes Lastmanagement auf Niedrigspannungsebene.

Vorhandene Infrastruktur smart nutzen, statt ausbauen

Stromnetz Berlin arbeitet an mehreren Konzepten, um die eigene Flotte bei hohen Gleichzeitigkeiten optimal laden zu können ohne das Netz zu überlasten. So kann ein lokales Lastmanagement (LLM) die zur Verfügung stehende Gesamtleistung unter den ladenden Fahrzeugen aufteilen und die Ladeleistung je nach Frequentierung der Ladestationen vorgeben. Statt einer höheren Dimensionierung von Netzkabeln, wird die vorhandene Leistung smart verteilt. Auch eine intelligente Dimmer-Funktion kann für eine stabile Netzfrequenz sorgen. Sobald eine Überlastung droht, wird die abzugebende Ladeleistung reduziert. Diese und weitere Steuerungsmechanismen testet der Verteilnetzbetreiber mit seinem Fuhrpark im hauseigenen Testcenter E-Mobility.

Eine weitere Laststeuerungsoption hat Stromnetz Berlin bereits auf den Markt gebracht. Wer sein E-Auto flexibel lädt und sich an Schwachlastzeiten (22 – 6 Uhr) anpasst, bekommt vom Verteilnetzbetreiber einen Netzentgeltrabatt in Höhe von 80 Prozent - ein Anreiz für „systemgerechtes Verhalten“, erklärt Schäfer. Schließlich kann die vorhandene Infrastruktur auf diese Weise voll ausgenutzt und am Netzausbau gespart werden. (ls)

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