Die Produktion von Antriebsbatterien setzt viele Emissionen frei, die Elektoautos aber im Betrieb gegenüber Verbrennern schnell wieder einsparen.

Die Produktion von Antriebsbatterien setzt viele Emissionen frei, die Elektoautos aber im Betrieb gegenüber Verbrennern schnell wieder einsparen.

Bild: © Patrick P. Palej/Adobe Stock

Bidirektionales Laden kann ein attraktives Zusatzprodukt für Nutzer von Elektroautos sein. Das Angebot steht an der Schnittstelle von Mobilitäts- und Energiesektor. Der Beirat der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur hat jetzt eine Roadmap für die Einführung des bidirektionalen Ladens in Deutschland erstellt. Rund 50 Expertinnen und Experten aus Industrie und von relevanten Stakeholdern haben die Roadmap erarbeitet.
 
Mit bidirektionalem Laden werde das eigene Auto zum Stromspeicher, so Daniela Kluckert, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Digitales und Verkehr. Das helfe, die Stromkosten zu senken und mache das Stromnetz gleichzeitig stabiler. Die Roadmap sei ein guter Startschuss, um das bidirektionale Laden zu einer festen Größe im Energiesystem der Zukunft zu machen.

Marktfähige Lösungen bis 2028

Laut Johannes Pallasch, Sprecher der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur, zeige die Roadmap „den Weg, wie wir in Deutschland bis 2028 marktfähige Lösungen erreichen und diese Vision in die Realität umsetzen können“. Dazu müssten aber noch viele Hürden beseitigt werden.

Ziel von Vehicle-to-Home-Anwendungen (V2H) ist die Nutzung der Fahrzeugbatterie als Pufferspeicher, um einen höheren Autarkiegrad durch geringeren oder verlagerten Strombezug aus dem Netz zu erreichen. Mit Vehicle-to- Grid-Anwendungen (V2G) können Flexibilitätsdienstleistungen für das Energiesystem erbracht werden, wenn es für die Kunden entsprechende Preissignale gibt.
 
Ab 2025 rechnet der Beirat mit ersten marktfähigen V2H-Anwendungen. Erste V2G-Produkte würden etwas später auf dem Markt erwartet. Ab 2028 könne es zu einem Hochlauf von interoperablen und standardisierten Lösungen für V2H und V2G kommen. Voraussetzung sei, dass die entsprechenden Standards bis dahin festgelegt sind und die erforderlichen regulatorischen und technischen Weichenstellungen umgesetzt wurden.

Plug&Play ist das Ziel

Aus technischer Sicht seien Plug&Play-Lösungen das Ziel – also standardisierte, interoperable und barrierefreie Systeme, in denen Kunden verschiedene Fahrzeuge mit unterschiedlichen Ladeeinrichtungen verbinden und mit dem Energiemanagementsystem zu Hause einfach vernetzen können. Hierfür seien insbesondere Standardisierungen in den Bereichen elektrische Sicherheit, Netzanschluss, digitale Kommunikation sowie Mess- und Steuerungsanwendungen erforderlich. Hindernisse und Benachteiligungen im aktuellen rechtlichen Rahmen für die Stromspeicherung und den zurückgespeisten Strom müssten ganzheitlich beseitigt werden. Dies betreffe die Verpflichtung Entgelte, Abgaben und Umlagen zu zahlen.

Die Beiratsmitglieder aus der Energiewirtschaft gehen laut der Roadmap jedoch davon aus, dass bidirektionales Laden durchaus mit einem zusätzlichen Ausbaubedarf im Verteilnetz einhergehen kann. Nur durch die Anwendung des § 14a EnWG mit steuerbaren Verbrauchseinrichtungen könne es unabhängig vom bidirektionalen Laden temporär zu geringeren Netzausbaubedarfen kommen. (wa)

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