Mehr E-Autos braucht das Land, zumindest wenn Deutschland sein Ziel von einer Mio. Elektrofahrzeugen bis 2022 erreichen will.

Mehr E-Autos braucht das Land, zumindest wenn Deutschland sein Ziel von einer Mio. Elektrofahrzeugen bis 2022 erreichen will.

Bild: © Hendrik Schmidt/dpa

Ob die Verteilnetze in Deutschland eine E-Mobilitäts-Offensive verkraften, darüber sind sich Experten uneins. Ein neues Forschungsprojekt des Fraunhofer-Institutes für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) will bis 2023 untersuchen, wie sich die Verteilnetze für die wachsende Anzahl an Stromern fit machen lassen. Mit an Bord sind Netzbetreiber ,Versorger und Autohersteller, darunter die Thüga, die Stadtwerke München, Stromnetz Hamburg, Volkswagen und Continental.

Auf der Agenda von „Ladeinfrastruktur 2.0“, wie das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Projekt heißt, stehen zahlreiche Arbeitspakete rund um die Netzstabilität in Zeiten der Verkehrswende. Während die BS Netz aus Braunschweig und die SW Netz aus Wiesbaden, beides Mitglieder des Thüga-Verbundes gemeinsam an einem Teilprojekt zur Netzplanung arbeiten, macht sich ein weiteres Thüga-Mitglied, die BS Energy an die netzdienliche Steuerung von Ladevorgängen.

Großraum Braunschweig als Testgebiet

Für die künftige Netzplanung braucht es möglichst hochwertige Mess- und Geodaten, die als Grundlage für Szenarienanalysen und mögliche Ausbauoptionen dienen. Aber auch die Ladevorgänge müssen gemäß der Netzstabilität gesteuert werden können. Deshalb will die BS Energy in einem ausgewählten Gebiet mit 40 Haushalten im Großraum Braunschweig die Auswirkungen einer großflächigen Elektrifizierung des Verkehrs im bestehenden Verteilnetz prüfen.

Durch individuelle Prognosen über Bedarf und Stromverfügbarkeit soll der Verbrauch dann netzdienlich optimiert werden. „Wir versprechen uns viele neue Erkenntnisse, sowohl zum potentiellen Beitrag von Elektrofahrzeugen zur Netzstabilität als auch zur technischen und systemischen Umsetzbarkeit. Denn: Wir erhalten so noch mehr Kenntnis über unsere E-Mobilitätskunden und prüfen gleichzeitig das Prognosemodell in der Praxis“, erklärt Volker Lang, Vorstand von BS Energy.

Ladetechnik im Auto muss angepasst werden

Während Netzbetreiber und Versorger also versuchen die Netze auf die neuen Anforderungen der Stromer vorzubereiten, ist die Autoindustrie gefragt, die physikalischen Bedürfnisse der Netze bei der Ladetechnik in ihren Fahrzeugen zu berücksichtigen. Neben Netztechnik steht also auch die Systemtechnik der Pkw im Fokus des Forschungsvorhabens.

Aber auch rechtliche Empfehlungen sollen aus „Ladeinfrastrukur 2.0“ entwachsen. Die Projektpartner haben vor, Normen für die Netzanschlussbedingungen, sowie für die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Netz oder Ladestationen zu empfehlen. (ls)

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