Überschüssige Windenergie nutzen, um daraus im Power-to-Gas-Verfahren wertvollen Biotreibstoff zu erzeugen - im Energiepark Mainz entstehen jährlich 200 Tonnen Wasserstoff. Vor drei Jahren starteten die örtlichen Stadtwerke unter Leitung von Jonas Aichinger und in Kooperation mit dem Industriegas-Produzenten Linde das Forschungsprojekt; mittlerweile lohnt sich der Betrieb auch wirtschaftlich. In Österreich und im Rheinland sollen in den kommenden Jahren Anlagen in vergleichbarer Größe entstehen.
„Damit Deutschland seine Klimaziele erreichen kann, müssen auch die Sektoren Wärme, Verkehr und Industrie ihren Beitrag leisten“, heißt es beim VKU. Wasserstoff kann dabei helfen und fossile Brennstoffe in diesen Sektoren ersetzen.
Wasserstoffbusse noch zu teuer
Das Mainzer Projekt leistet dazu seinen Betrag: Vom Energiepark wird der Wasserstoff direkt in das Erdgasnetz geleitet. Ein weiterer Teil soll ab Mitte nächsten Jahres die Wasserstoffbusse in Mainz, Frankfurt und Wiesbaden antreiben. „Rund 20 Prozent der CO2-Emissionen und etwa 40 bis 50 Prozent der Stickstoffdioxid-Emissionen stammen in Deutschland aus dem Verkehrssektor“, heißt es beim Umweltministerium Rheinland-Pfalz. Daher wird die geplante Busflotte mit einer Million Euro gefördert. Laut Aichinger sollen so jährlich über 600 Tonnen Kohlendioxid (CO2) eingespart werden.
Die im Energiepark produzierte Menge an Wasserstoff würde sogar ausreichen, um 30 bis 40 Prozent aller Dieselbusse in Mainz zu ersetzen, sagt Aichinger. Noch werden solche Busse aber nicht serienmäßig hergestellt, kritisiert der VKU. „In der Anschaffung kosten sie etwa dreimal so viel wie ein vergleichbarer Bus mit Dieselantrieb.“ Der Test soll acht Jahre dauern und zeigen, ob die Busse den Herstellerangaben zu Verbrauch und Zuverlässigkeit entsprechen. „Danach könnten wir dann sukzessive weitere bestellen“, sagt Aichinger.
H2 in der Wärmeversorgung
Im Wärmesektor speist die Power-to-Gas-Anlage seit 2016 Wasserstoff ins Erdgasnetz des Mainzer Stadtteils Ebersheim ein. Dem Erdgas werden bis zu zehn Prozent Wasserstoff beigemischt, das 1500 Haushalte zum Heizen und Kochen nutzen. Es muss keine neue Infrastruktur gebaut werden und für die Ebersheimer ändert sich nichts - außer dass sie ihren CO2-Fußabdruck verringern. „Erste Indikatoren zeigen, dass die Abgaswerte sich verbessert haben,“ versichert Aichinger.
Warum solche Projekte noch nicht weiter verbreitet sind, hat verschiedene Gründe. Laut Aichinger liegt das zum einen an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. „Die Bepreisung für den CO2-Ausstoß ist zu niedrig.“ Für jede produzierte Tonne CO2 sollten Unternehmen 30 Euro zahlen, sagt er. Der Erwerb eines Emissionsrechts von Treibhausgasen liege aber derzeit bei etwa 13 Euro pro Tonne. „Um wirksame Impulse für mehr Klimaschutz im Energiesektor zu setzen, ist eine ökologische Reform der Energiesteuer notwendig“, stimmt ihm das Umweltministerium zu.
Befreiung von Letzverbraucherabgaben
Zudem werden Power-to-Gas-Anlagen als Letztverbraucher eingestuft; das heißt, sie bezahlen für den Bezug erneuerbarer Energien bestimmte Abgaben und Umlagen. Laut VKU helfen Power-to-Gas-Anlagen aber dabei, Stromüberschüsse sinnvoll weiter zu nutzen und seien daher keine „Endenergie im herkömmlichen Sinne“. Das Land Rheinland-Pfalz hat sich laut Umweltministerium beim Bund wiederholt dafür eingesetzt, alle Energiespeicher künftig von Letztverbraucherabgaben zu befreien. Bisher gibt es aber keine Einigung.
Wenn alle Hürden aus dem Weg geräumt sind, könnte Wasserstoff laut dem VKU überall da zum Einsatz kommen, wo Batterien nicht sinnvoll sind. „Anwendungsbeispiele wären der Langstreckengüterverkehr, der Schienenverkehr oder die Binnenschifffahrt“, sagt die Sprecherin. (dpa/ls)
