Mehr E-Autos braucht das Land, zumindest wenn Deutschland sein Ziel von einer Mio. Elektrofahrzeugen bis 2022 erreichen will.

Mehr E-Autos braucht das Land, zumindest wenn Deutschland sein Ziel von einer Mio. Elektrofahrzeugen bis 2022 erreichen will.

Bild: © Hendrik Schmidt/dpa

Um ein einheitliches Bezahlsystem beim Ad-hoc-Laden an öffentlichen Ladesäulen zu etablieren, sei man derzeit dabei, eine entsprechende Rechtsverordnung vorzubereiten, ließ Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bei einem Pressegespräch im Anschluss an den Ladegipfel am Donnerstag wissen. Innerhalb der kommenden Wochen würden die noch offenen Punkte in einem Stakeholderprozess mit der Branche geklärt.

Dabei komme es nicht darauf an, "Vielfalt zu vermeiden", sondern sicherzustellen, dass "jeder, der ein E-Auto hat, auch unkompliziert und unbürokratisch sein Auto aufladen kann", unterstrich Altmaier. Hierzu gebe eine ganze Reihe von Lösungen, von der Kreditkarte über webbasierte Bezahlsysteme bis zu Paypal und andere. Entscheidend sei auch, ein grenzüberüberschreitendes Bezahlsystem für das Laden sicherzustellen.

Altmaier: Netzintelligentes Laden entscheidend

Altmaier verwies auch auf die zentrale Rolle, welche die Energiewirtschaft dabei spielt, Netzprobleme zu vermeiden, wenn viele Autos gleichzeitig laden. "Um dies zu ermöglichen, wird das BMWi einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen", erklärte er. Entscheidend hierbei sei ein intelligentes Lastmanagement.

"Laden für alle, immer und überall", gab Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) als Devise für den weiteren Ausbau der öffentlichen und privaten Ladeinfrastruktur aus. Hierzu werde das Bundesverkehrsministerium (BMVI) in den kommenden Jahren 4 Milliarden Euro zur Verfügung stellen.

Weitere Förderprogramme in 2021

Scheuer verwies auf ein neues Förderprogramm in Höhe von 400 Millionen Euro für die öffentliche Ladeinfrastruktur, das Anfang Januar starten soll sowie auf eine Förderung in Höhe von 350 Millionen Euro für gewerbliche Ladeinfrastruktur, die im Frühjahr 2021 losgehen soll. Dazu kommt eine Ausschreibung für Schnelllladehubs mit 1000 Ladepunkten entlang den großen Verkehrsachsen.

Darauf angesprochen, wie eine Verzehnfachung des Zubaus der öffentlichen Ladeinfrastruktur von derzeit 200 Ladensäulen pro Woche auf angestrebte 2000 erreicht werden soll, verwies Schauer auch auf die hohe Bedeutung des privaten Ladens: Mehr als 94.000 Anträge für den Einbau von privaten Ladesäulen seit dem Start der KfW-Förderung hierfür am 24. November seien ein deutlicher Beweis.

Schleppende Verabschiedung des GEIG als Nadelöhr

Nicht angesprochen wurde bei dem Pressegespräch anlässlich des Ladegipfels die Bedeutung und die schleppende Verabschiedung des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes (GEIG), das schon seit Monaten in der parlamentarischen Warteschleife im Bundestag hängt.

Kerstin Andreae, Chefin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), welche an dem Ladegipfel teilnahmen, hatten in Presseerklärungen auf die hohe Bedeutung des GEIG hingewiesen.

Liebing: "Kundenfreundliches Laden ist das A und O"

Liebing forderte, den Geltungsbereich des GEIG sinnvoll zu erweitern und auch Kunden- und Besucherparkplätze in gewerblichen Gebäuden sowie Quartierslösungen einzubeziehen.

Zudem unterstrich Liebing in puncto Novelle der Ladesäulenverordnung, "kundenfreundliches Laden ist das A und O". Die Einheitlichkeit der Bezahlsysteme nur aus Prinzip schränke die Möglichkeiten der Kunden ein und nehme den Betreibern von Ladesäulen Flexibilität und Innovationsspielräume.

Netzausbau mitdenken – der muss sich jedoch rechnen

EWE-Technikvorstand Urban Keussen, der ebenfalls an der Runde teilnahm, verwies darauf, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur Hand in Hand mit dem Ausbau der Energie-Netz-Infrastruktur gehen müsse.

"Dafür braucht es aber die richtigen regulatorischen Weichenstellungen, insbesondere mit Blick auf die Eigenkapitalverzinsung, oder anders: Investitionen in den Netzausbau als Basis für den Aufbau von Ladeinfrastruktur müssen sich auch aus Netzbetreibersicht rechnen", erklärte Keussen in einer Pressemitteilung.

Hofreiter: "Vom Reden endlich ins Handeln kommen"

"Regierung und Industrie müssen vom Reden endlich ins Handeln kommen. Einen Masterplan zum Aufbau einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur in Deutschland gibt es seit über einem Jahr, doch die Umsetzung klemmt noch immer“, erklärte Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen in einer Pressemitteilung.

Die dringend nötige Überarbeitung der Ladesäulenverordnung, die einheitliche Bezahlstandards festsetzen könnte, komme nur mit Trippelschritten voran. Die eigentlich für dieses Jahr versprochene Ausschreibung für ein bundesweites Schnellladenetz verschleppe die Bundesregierung ins nächste Jahr. Öffentliche Ladestellen für Lkw seien nach wie vor Mangelware.

Ladequote für Tiefgaragen und Nachrüstpflicht für Tankstellen

Nötig sei eine Verlängerung und Vereinfachung der bestehenden Förderprogramme. Auch brauche es einfache, transparente Standards bei den Bezahlmöglichkeiten. Beim Gebäudeneubau brauche es eine Ladepunkte-Quote für Tiefgaragen. Darüber hinaus sei eine Nachrüstpflicht für große Kundenparkplätze und Tankstellen erforderlich. (hcn)

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