Wer sein Elektroauto aufladen will, hat nach Auffassung der Monopolkommission vielerorts keine Auswahl und damit schlechte Aussichten auf niedrige Preise. Weil zahlreiche Kommunen nur einen einzigen Anbieter zum Zuge kommen ließen, gebe es keinen Wettbewerb auf lokalen Märkten, sagte der Vorsitzende Jürgen Kühling, bei der Vorstellung des 8. Sektorgutachtens Energie.
Die Bundesregierung solle daher ein Förderprogramm auflegen, um den Einstieg anderer Firmen in diese monopolartigen Märkte zu unterstützen - dann entstünde mehr Wettbewerb zum Wohle des Verbrauchers. Dies gelte vor allem für "Newcomer", die weniger als 40 Prozent Marktanteil hätten, so das Beratungsgremium der Bundesregierung.
Nur Aral in einer Stadt
Als negatives Beispiel nannte Kühling die Situation in Berlin. Stuttgart hingegen habe mehrere Anbieter zugelassen, dort habe der Verbraucher Auswahl. Es geht um das sogenannte Ad-hoc-Laden - wenn man also zu irgendeiner Ladesäule fährt und dort seine Batterie aufladen will. Vor allem in größeren Städten ist die Situation nach Einschätzung der Experten mies - also dort, wo die eigene Garage samt Auflademöglichkeit über Nacht keine Selbstverständlichkeit ist.
Monopolkommissionsmitglied Achim Wambach machte einen Vergleich zu Benzin-Tankstellen: Die derzeitige Situation bei Elektro-Ladesäulen sei mitunter so monopolistisch, als ob es in einer Stadt nur Aral gebe und in einer anderen Stadt nur Shell. "Das würde niemand zulassen", sagte er. "Wir brauchen Wettbewerb, sonst funktioniert der Markt nicht."
Preistransparenz für Ad-hoc-Laden
Sein Kollege Kühling findet es außerdem zum Haareraufen, dass es auf dem Ladesäulenmarkt keine umfassende Transparenz über den Preis gibt - wie etwa bei Benzin-Tankstellen, wo die Preise in Apps einsehbar sind und der Verbraucher dann zur günstigsten Tanke fahren kann. Bei Elektro-Ladesäulen sei das anders: "Ich fahre da hin und habe dann die große Überraschung, was es kostet."
Das sollte sich ändern - die Anbieter sollten ihre Preise nach Auffassung von Kühling veröffentlichen müssen, damit der Verbraucher einen Überblick hat und weniger Geld ausgibt. Für so eine Markttransparenz wäre eine Gesetzesänderung nötig, wie es sie schon für die Internet-Preisangaben bei Benzin und Diesel gab.
Epex Spot als Platzhirsch
Als "verkrustet" bezeichnet Wambach außerdem den Wettbewerb unter den Strombörsen. Im deutschen Kurzfristhandel habe sich die Epex Spot, eine Tochter der Leipziger Energiebörse EEX, als klarer Marktführer etabliert.
Strombörsen sind dazu verpflichtet, fast über den gesamten Handelszeitraum ihre Handelsbücher zu teilen. So sollen Anbieter und Käufer, die auf unterschiedlichen Börsen tätig sind, leichter miteinander handeln können.
Handelsbücher teilen
Für die letzten 60 Minuten vor Lieferung allerdings teilt die Epex Spot ihre Handelsbücher nicht mehr. Dabei findet nach Angaben der Monopolkommission mittlerweile fast die Hälfte des Kurzfristhandels in diesem Zeitraum statt.
Das Expertengremium empfiehlt der Bundesnetzagentur, dies zu ändern. Es ist der Ansicht, dass Strombörsen schon jetzt gesetzlich verpflichtet seien, ihre Handelsbücher auch für die letzten 60 Minuten zu teilen. "Das würde Konkurrenten auch deutlich mehr Chancen geben, in den Markt einzutreten", sagte Wambach. (dpa/ab/jk)



