"Woran es am meisten klemmt ist nicht die Ladeinfrastruktur, sondern die Fahrzeuge", sagte Gernot Lobenberg, Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität (Emo) am Mittwoch zum Auftakt der Tagung "Crossing Industries – Coupling Sectors: Wie ist eine integrierte Energiewende machbar?".
Auch Axel Knaf, Leiter Center of Competence E-Mobility-Ladeinfrastruktur bei Siemens wies darauf hin, dass es vor allem noch an bezahlbaren E-Fahrzeugen hapert. Dies betrifft nicht nur Pkw, sondern auch Busse, Transporter und Nutzfahrzeuge. "Die europäischen Hersteller produzieren derzeit noch sehr verhalten und können die Nachfrage nach E-Bussen derzeit nicht voll bedienen", sagte Knaf. Zielvorgabe ist es, den Busverkehr in der Hauptstadt, als noch nicht elektrifizierte Komponente des ÖPNV, bis zum Jahr 2030 vollständig zu elektrifizieren. Tragen doch die 1.400 Linienbusse der BVG mit einem jährlichen Dieselverbrauch von 54 Mio. Litern maßgeblich zu den Emissionen des ÖPNV in Berlin bei. Vollelektrisch sind derzeit ganze fünf Busse im Linienverkehr der Hauptstadt unterwegs.
Großes Potenzial für Flexibilitätsdienstleistungen
Doch simuliert Andreas Raab vom Fachgebiet Energieversorgungsnetze und Integration erneuerbarer Energien der TU Berlin jetzt schon künftige Möglichkeiten. Er sieht ein großes Potenzial die Batterien der E-Busse in der Zukunft für Flexibilitätsdienstleistungen und die Stabilisierung der Netze zu nutzen. 280 Megawattstunden Speicherkapazität könnte eine voll umgerüstete E-Busflotte der BVG bereitstellen, rechnete er hoch. Dies würde reichen etwa das 1,5-fache der derzeitigen täglichen Stromerzeugung aus Photovoltaik und Windkraft in der Hauptstadt zu puffern, so Raab.
Schon weiter ist die Berliner Stadtreinigung (BSR), die insgesamt 1.600 Fahrzeuge verschiedenster Art im Einsatz hat. Bereits vor fünf Jahren wurde der Brennstoffzellenantrieb von Abfallsammelfahrzeugen getestet, was damals allerdings noch nicht praxistauglich war. 150 Abfallsammelfahrzeuge sind jedoch mittlerweile weitestgehend emissionsfrei mit Bio-CNG-Antrieb unterwegs. Das Biomethan wird in einer unternehmenseigenen Biogasanlage gewonnen. Doch testet die BSR ab 2019 auch erstmals ein batterieelektrisch betriebenes Abfallsammelfahrzeug, wie Norbert Pauluweit, Leiter Energie, Umwelt, Innovationen, ankündigte.
Auch die BSR kämpft mit Lieferengpässen
Zudem wurden jüngst die ersten vollelektrischen Kleintransporter und Busse bestellt. Neue Pkw der BSR-Unternehmensflotte werden grundsätzlich nur noch vollelektrisch beschafft. Auch bei den Multifunktionsfahrzeugen der Vario/Sprinter-Klasse möchte die BSR auf batterieelektrisch Antriebe umsteigen, doch würden derzeit noch keine Fahrzeuge angeboten. Nun hilft man sich über eine Kooperation mit Umrüstfirmen, berichtete Pauluweit, allerdings gebe es auch hier Lieferengpässe. Vorangetrieben werden ebenfalls Simulationen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen zu Flexibilitätsdienstleistungen aus der Lastverschiebung der elektrifizierten Flotten. (hcn)
