Der von der Firma Fronius entwickelte "Solh2ub" nahm am vergangenen Donnerstag am F&E-Standort des Unternehmens in Thalheim bei Wels seinen Normalbetrieb auf.

Der von der Firma Fronius entwickelte "Solh2ub" nahm am vergangenen Donnerstag am F&E-Standort des Unternehmens in Thalheim bei Wels seinen Normalbetrieb auf.

Bild: © Fronius

Im Gegensatz zu den meisten bestehenden Wasserstoff-Tankstellen, die per Tankwagen beliefert werden, setzt der oberösterreichische Hersteller Fronius auf die dezentrale Erzeugung von grünem Wasserstoff mit ausgekoppelter Wärme. Die Pilotanlage am Entwicklungsstandort des Unternehmens in Thalheim bei Wels erzeugt mittels Elektrolyse hauptsächlich aus Solarstrom Wasserstoff, der für innerbetriebliche Brennstoffzellenfahrzeuge zur Verfügung steht oder zur Rückumwandlung in elektrischen Strom und Wärme gespeichert wird.

Bis zu 4,35 Kilogramm Wasserstoff pro Tag

Die Wasserstofftankstelle "Solh2ub" besteht aus einer 6 kW Photovoltaikanlage, die in eine Überdachung der Tankstelle integriert ist, einer Zapfanlage, einem PEM-Elektrolyseur mit 18 kW, einem H2-Speicher mit 24 Druckbehältern mit je 50 Liter, einem Wasserspeicher für die Wärmeauskopplung sowie einer 10 kW Brennstoffzelle für die Rückverstromung. Die Anlage kann so mit einem Druck von 350 bar täglich maximal 4,35 kg Wasserstoff erzeugen. Die H2-Speicherkapazität der Druckbehälter bei 350 bar beträgt 27 kg. Um eine möglichst hohe Betriebsstundenzahl des Elektrolyseurs zu gewährleisten, wird neben dem in der Anlage erzeugten Solarstrom auch Ökostrom aus dem Netz bezogen.

Sektorenkopplung vorantreiben

Die Anlage ist seit Mai im Probetrieb und nahm nun am Donnerstag (11. Oktober) den Normalbetrieb auf. "Solh2ub dient als zentraler Knotenpunkt für Sonnenenergie und ermöglicht eine innovative Kopplung der Sektoren Strom, Mobilität und Wärme", unterstrich Martin Hackl, Leiter Solar Energy bei der Fronius International. "Wir sind überzeugt, dass Wasserstoff das Potential hat, einer der Energieträger der Zukunft zu werden und die Sektorenkopplung und damit auch die Energiewende massiv voranzutreiben". Seit mehr als zehn Jahren forscht das Solar- und Schweißtechnik-Unternehmen rund um Wasserstoff-Anwendungen.

Als Betreiber hat Fronius vor allem Kommunen und Unternehmen im Blick, die Fahrzeuge mit einem hohen Energiebedarf wie Kommunalfahrzeuge, Transporter, Busse oder Transporter betreiben. So entwickelte das Unternehmen gemeinsam mit Ladog ein mit Brennstoffzellenantrieb ausgerüstetes Kompakt-Kommunalfahrzeug mit 50 kW, das jedoch noch keine Straßenzulassung hat.

Chance für Kommunen

"Allerdings stellt sich auch hier das Henne-Ei Problem", räumte Hackl mit Verweis auf die geringe Zahl der verfügbaren Fahrzeuge und die wenigen H2-Tankanlagen ein. Doch baut er auf einen steigenden Bedarf von emissionsfreien Fahrzeugen in Kommunen aufgrund von – drohenden - Diesel-Fahrverboten sowie die Einbindung des "Solh2ub" in dezentrale kommunale Energieversorgungskonzepte mit Bürgerbeteiligung sowie den Aufbau einer kommunalen Ladeinfrastruktur.

Als großen Vorteil gerade für Kommunen sieht er auch die Möglichkeit der bedarfsgerechten Eigenerzeugung, Langzeitspeicherung und der Wärmeauskopplung. Durch letztere kann auch der Gesamtwirkungsgrad der Anlage, der ohne Wärmenutzung bei rund 60 Prozent liegt, erhöht werden. "Zudem werden die Stromnetze entlastet, da der Strom hauptsächlich dort verbraucht wird, wo er auch produziert wird", ergänzt Thomas Rührlinger vom Fronius Business Development Hydrogen Solutions.

Skalierung auf 500 kW geplant

Doch setzt das Unternehmen auf die Skalierung des Solh2ub, um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. "Unsere Anlage ist in der jetzigen Auslegung definitiv zu klein, wir wollen auf alle Fälle auf 500 kW hochsklarieren", sagte Hackl. Zielmarke seien Wasserstoff-Kosten von 10 bis 12 Euro/kg. Um das Betreiberrisiko zu minimieren plane man den "Solh2ub" künftig über einen Fixpreis für den erzeugten Wasserstoff anzubieten. (hcn)

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